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Fußball
Niklas Seifarth verlässt Brandenburgligist Einheit Bernau

Voll fokussiert: Keeper Niklaas Seifarth
Voll fokussiert: Keeper Niklaas Seifarth © Foto: Matthias Haack
Britta Gallrein / 10.07.2020, 18:30 Uhr
Bernau Es gibt diese Feiern, die man sein ganzes Leben lang nicht vergisst. Für Niklaas Seifarth, den Ex-Torwart des Fußball-Brandenburgligisten Einheit Bernau, ist das die Aufstiegsfeier im Jahr 2016.

Die Situation in der Landesliga Nord hätte vor dem letzten Spieltag nicht spannender sein können. Die Tabelle führte Einheit Bernau mit 71 Punkten an vor den Nachbarn von Union Klosterfelde (68 Punkte) und dem FSV Bernau (66 Punkte). Alle drei Barnimer hatten eine überragende Saison gespielt und großen Abstand vor dem Rest des Feldes. Im letzten Spiel musste Klosterfelde beim FSV Bernau antreten, Einheit reiste zum Schönwalder SV.

"Daran erinnere ich mich noch ganz genau. Es wurde erst in diesem Spiel entschieden, ob wir aufsteigen", blickt Niklaas Seifarth zurück. Zwar siegte Konkurrent Klosterfelde mit 3:0 in Bernau, aber Einheit ließ sich den Pokal nicht mehr aus der Hand nehmen, setzte sich mit 4:1 im Havelland durch und hatte damit die Meisterschale und den Pokal in der Hand.

"Es war ein wahnsinnig heißer Tag. Wir sind danach alle zum See in der Nähe, sind ins Wasser gesprungen, haben angestoßen und gefeiert wie verrückt", erinnert sich Seifarth. "Die Rückfahrt im Bus haben nicht alle so gut überstanden, aber danach ging es in der Bernauer Innenstadt weiter", berichtet er lachend.

Jetzt verlässt Seifarth seinen Verein. Nach fünf tollen Jahren wechselt er zum Berlin-Ligisten Eintracht Mahlsdorf. "Es ist mir absolut nicht leicht gefallen", gesteht "Seife", wie der 1,90 Meter große Keeper von allen genannt wird. "Ich habe mich bei Einheit immer wohl gefühlt." Er werde alle sehr vermissen. Seine Mitspieler natürlich und Trainer "Motche" alias Nico Thomaschewski, mit dem ihn ein sehr gutes Verhältnis verbindet. "Motche ist einfach ein Typ. Wir haben uns auch schon mal angeknurrt und manchmal hab ich ihn innerlich verflucht, aber er ist einer der herzlichsten Menschen, die ich kenne und ein absoluter Fußball-Verrückter", schildert Seifarth das Verhältnis zu seinem Coach.

Auf Prämie verzichtet

Vor allem die gute Gemeinschaft bei Einheit habe ihm immer sehr gefallen. "Ob die Leute an der Kasse, ob die Fans – alle haben einen immer nett aufgenommen, genau wie die Leute im Vorstand wie Danny Groß, der sportliche Leiter Jens Manteufel oder unser Vorsitzender Olaf Skotnik, der immer alles für uns gegeben hat." Da sei es auch selbstverständlich gewesen für die Spieler, in wirtschaftlich schwierigen Zeiten auf ihre Prämie zu verzichten. "Die haben wir dann hinterher wieder gezahlt bekommen, das ging schon alles in Ordnung."

Bei Einheit war Seifarth eine Institution. Mehr als einmal hielt er seinem Team die Punkte fest.  So wie in der Saison 2017/18, beim Rückspiel gegen Grün-Weiß Lübben. Auch eine Partie, die niemand so schnell vergessen wird.

Das Spiel sorgte für reichlich Zündstoff,  bevor es überhaupt angepfiffen wurde. Ein Spieler von GW Lübben hatte beim obligatorischen Abklatschen den dunkelhäutigen Spielern bei Einheit den Handschlag verweigert – die Mannschaft war sauer, die Stimmung aufgeheizt.

Kurz vor Schluss lagen die Gäste aus Bernau noch mit 1:2 hinten. Dann kam Seifarth. Nach einer Einheit-Ecke bekommt er den Ball an der Grenze des Strafraums auf den Fuß, zögert nicht lange und zieht ab. Es ist eh bald Schluss, da kann man auch mal die Brechstange raus holen. Und ihm gelingt das Kunststück: Der Ball fliegt wie an der Schnur gezogen an Mann und Maus vorbei und zappelt im Kasten. Wohl selten ist ein Treffer noch mehr gefeiert worden als dieser. "Das war auch eines meiner absoluten Highlights meiner Einheit-Zeit", sagt der Keeper heute.

"Aber auch Derby-Siege waren immer toll", so Seifarth, der sich besonders gerne an den 5:1-Sieg gegen den Stadt-Konkurrenten FSV Bernau im September erinnert.

Im Erdboden versunken

Aber natürlich gab es auch bittere Momente. Denn auch die bleiben im Gedächtnis. Wie im Derby gegen den FSV Bernau im Aufstiegsjahr der Einheit 2016. Auf dem heimischen Sportplatz am Wasserturm war Einheit schon nach drei Minuten in Rückstand geraten, war aber dran am Ausgleich. Und dann passiert ausgerechnet Niklaas Seifarth dieser Patzer. Er hat den Ball zum Abstoß in der Hand, seine Mannschaft hat sich längst nach vorne orientiert. Und statt den Ball zu seinem Verteidiger zu kicken, schießt Seifarth die Kugel genau zum damaligen FSV-Torjäger Lukas Bianchini. Der ist nur kurz verdutzt, hat dann wenig Mühe, die Kugel vorbei an Seifarth im Netz zu versenken. Einheit verliert das prestigeträchtige Stadtduell mit 0:2. "Das sind so Momente, wo du denkst, dass du jetzt sehr gerne im Erdboden versinken und nicht wieder rauskommen möchtest. Aber das gehört eben dazu", findet der Keeper.

"Ich werde ihn wirklich sehr vermissen", sagt Olaf Skotnik, erster Vorsitzender des Vereins. "Niklaas ist ein Voll-Profi. Er hat diesen Verein gelebt. Menschlich hinterlässt er eine riesige Lücke", bedauert Skotnik den Verlust. An seinen schönsten "Seife-Moment" erinnert er sich übrigens auch noch sehr gut. "Das war in der Saison 2017/18, im Stadt-Derby gegen den FSV Bernau." Wieder ein Spiel der Marke "Unvergessen" übrigens. An dem Freitagabend wurden auf Rehberge während des Spiels Böller gezündet, die Schiedsrichter hatten daher sogar überlegt, die Begegnung abzubrechen. Auf dem Feld passierte dagegen nicht viel. Es war ein zähes Ringen, bis zur Nachspielzeit stand es 0:0. Doch dann geht FSVs mit Ejder im Einheit-Strafraum zu Boden. Der Offizielle zeigt sofort auf den Punkt. "Unberechtigt übrigens", wie Olaf Skotnik sich heute noch ärgert. Georg Machut, einer der besten Schützen der Liga, tritt an. Doch auch da war er da: Niklaas Seifarth ahnt die richtige Ecke und fischt den Ball unten rechts heraus: Abpfiff – Es bleibt beim Unentschieden. Auch Seifarth selbst erinnert sich "als wäre es gestern gewesen" an die Szene. "Schönen Gruß nochmal an Georg Machut", sagt der Keeper grinsend, für den nun in Mahlsdorf ein neues Fußball-Kapitel beginnt.

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