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Landwirtschaft und Naturschutz in Groß Schönebeck

Sabine Rakitin / 30.07.2020, 17:41 Uhr - Aktualisiert 30.07.2020, 18:25
Groß Schönebeck (MOZ) Das Wetter ist unbeständig. Die Futtererbsen müssen vom Feld. Fällt Regen auf die reifen Früchte, platzen sie und sind nicht mehr zu gebrauchen. Also setzt Rainer Dickmann an diesem Tag die Mähdrescher auf vier Schlägen zwischen Stolzenhagen und Zehlendorf (Oberhavel) ein.

Die haben es hier mit leichten Sandböden zu tun. Regnet es, wie für die kommenden Tage vorausgesagt, könne man nicht mehr dreschen, sagt der Geschäftsführer der Schorfheider Agrar GmbH (SAG). Die Mähdrescher fahren langsam. "Bei Erbsen muss das so sein, damit die Messer schneiden können. Sind die Maschinen zu schnell, drücken sie die Erbsen nur raus", erklärt Rainer Dickmann. Außerdem werde das Erbsenstroh als Futterstroh gebraucht.

Auf 98 Hektar hat die SAG in diesem Jahr Futtererbsen angebaut. Bis Ende der 1990er-Jahre stand auf den Feldern die gelbe Süßlupine – ein Stickstoffbinder und Eiweißlieferant. Durch eine Pilzkrankheit brach der Lupinenanbau damals völlig zusammen, erinnert sich Dickmann. Für die Eiweißversorgung der Tiere musste Ersatz gefunden werden. 2003/04 war die Züchtung der Futtererbse soweit so vorangeschritten, dass die SAG auf sie zurückgriff. Inzwischen ist ihr Anbau Normalität. "Sie besitzt einen Eiweißgehalt von 20 Prozent und kommt mit dem knappen Wasserhaushalt sogar besser zurecht als die Lupine", stellt der Diplom-Agraringenieur fest. Das ist bei der Trockenheit der letzten drei Jahre auch bitter nötig. Allein in diesem Jahr fiel vom 13. März bis Ende April null Niederschlag im Barnim. Die 35 Liter Wasser pro Quadratmeter, die im Mai niedergingen, hätten "gerade so gereicht". Dann hingegen genau das Gegenteil: Zwischen dem 14. Juni und dem 13. Juli wurden 120 Liter Regenwasser pro Quadratmeter gemessen. Allerdings nur in Groß Schönebeck. "In Stolzenhagen waren es 60 Liter", listet der SAG-Geschäftsführer auf. Dazu noch die unterschiedliche Beschaffenheit der Böden zwischen 20 und 40 Punkten: "Da kommt es schon zu Ertragsunterschieden von zwei bis drei Tonnen je Hektar", sagt Dickmann. Eine Tonne Futtererbsen bringe zurzeit 180 Euro. "Der niedrige Sojapreis – Soja hat einen Eiweißgehalt von 40 Prozent – drückt den Preis der Erbse."

Zusätzlich würden den Landwirten die "unsäglichen EU-Regeln" das Leben schwer machen, sagt Olaf Pieper, wie Rainer Dickmann auch Geschäftsführer der SAG. Deren Erbsenfelder sind als ökologische Vorrangsfläche gemeldet. Nach einer EU-Verordnung von 2019 müssen die Futtererbsen bis zum 15. August auf den Feldern stehen bleiben und dürfen erst danach gedroschen werden. "Aber dann sind sie hin", wissen die beiden Männer. Für sie bedeutet das zusätzlichen Aufwand. Anträge müssen geschrieben, Genehmigungen eingeholt werden, damit sie die Früchte ihrer Arbeit rechtzeitig einholen können.

Pieper und Dickmann sind mit  Leib und Seele Landwirte. "Unser Anspruch ist der, dass wir in den Dörfern wohl gelitten sind." Sie wollen Nahrungsmittel produzieren, dabei die Kulturlandschaft bewahren und die Natur schützen. Rainer Dickmann weist in unmittelbarer Nähe des Erbsenfeldes auf einen Blühstreifen, den Vincentius Overmars, Betreiber von Michviehhöfen in Birkholz, Klosterfelde und Seefeld, angelegt hat. "Das hat er wirklich toll gemacht", erkennt Rainer Dickmann neidlos an. "Das wächst hier am Graben wie verrückt", stellt der Joachimsthaler fest. Der Landwirt erfreut sich an blühenden Ringelblumen, Phacelia und Buchweizen, entdeckt weißen Steinklee und Schmetterlinge wie Tagpfauenauge und Schachbrettfalter.

Hermsdorfer Kreuz nennt er die Gegend bei Stolzenhagen, in der die Felder von einem Grabensystem umgeben sind, an denen breite Hecken stehen. Vor gut 15 Jahren haben die SAG und andere Bauern an dieser Stelle die Landwirtschaft aufgegeben und die Flächen für Ausgleichsmaßnahmen an die Flächenagentur Brandenburg abgegeben. Damals lief die Bepflanzung mit Sträuchern, Gehölzen und Gewächsen als Projekt. Auch ein Teich wurde angelegt. Heute ist es ein Idyll, das die Landbesitzer inzwischen mit einer verschließbaren Schranke sichern, damit motorisierte Ausflügler das Refugium nicht zunichte machen.

Aus der Geschichte der Schorfheider Agrar GmbH

Die Schorfheider Agrar GmbH mit Stammsitz in Groß Schönebeck hat sich 1991 als Zusammenschluss verbliebener Mitglieder der LPG gegründet. Rund zehn Familien aus Groß Schönebeck, Klandorf und Wandlitz sind heute noch Mitgesellschafter.

Aus der einstigen LPG Pflanzenproduktion ist ein moderner Betrieb mit den beiden Standbeinen Ackerbau und Viehzucht geworden. Die 2000 Mastrinder und 800 Mutterkühe werden komplett mit selbst produziertem Futter versorgt.

Der Betrieb hat 20 Mitarbeiter. Seit 2012 wird er von zwei Geschäftsführern geleitet: Olaf Pieper und Rainer Dickmann.

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