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Arbeitsagentur
Frau aus Eberswalde kämpft um ihre Zukunft

Eine 32-Jährige aus Eberswalde bekommt keine Umschulung. Auf Mails wird nicht geantwortet. Jetzt ist Hilfe in Sicht. (Symbolbild)
Eine 32-Jährige aus Eberswalde bekommt keine Umschulung. Auf Mails wird nicht geantwortet. Jetzt ist Hilfe in Sicht. (Symbolbild) © Foto: Oliver Schwers/MOZ
Andrea Linne / 31.07.2020, 15:09 Uhr
Eberswalde (MOZ) Sabrina Lengte ist sauer. Sie wendet sich an die Öffentlichkeit, weil sie sich bei der Agentur für Arbeit nicht fair behandelt sieht.

Was war geschehen? "Ich bin 32 Jahre alt, lebe mit meinem Mann und meinem Sohn, drei Jahre, in Eberswalde. Ich bin seit elf Jahren selbstständig als Kosmetikerin, aber momentan gehen meine Umsätze drastisch zurück", berichtet die junge Frau.

Seit zwei Jahren sei sie nunmehr auf der Suche nach einer anderen Arbeit, auch als Quereinsteigerin, wie sie einräumt. Sie habe schon vieles versucht. Doch das Ganze sei "verdammt schwierig", wie die Eberswalderin in einem Hilferuf beschreibt. Vorstellungsgespräche seien rar, auf die Bewerbungen gäbe es oftmals keine Antwort. Selbst nach dem Probearbeiten habe sie von einigen Arbeitsstellen nichts mehr gehört. Da seien die Selbstzweifel gewachsen. Das Problem der jungen Familie: Die Mutter muss das Kind weitestgehend allein versorgen und abholen, weil der Vater oftmals wochenlang unterwegs ist. Er arbeitet auswärts, weitweg von Eberswalde und kann das Kind nicht von der Kita holen. Deshalb sei die Arbeitszeit auf diese Belange anzupassen. Aber Sabrina Lengte sei bereit, jeden Job anzunehmen, der eine Zukunft eröffnet.

Initiative entwickelt

"Da ich wohl keine Chance auf eine einfache Stelle habe, habe ich mich damit beschäftigt, eine Umschulung im Bereich Büro oder Buchhaltung zu machen", erzählt Sabrina Lengte weiter. Das interessiere sie. Vor einem Jahr habe sie in der Agentur für Arbeit nachgehakt und Chancen untersucht. Doch bislang konnte ihr nichts angeboten werden.

Nun habe sie selbst Umschulungsträger angeschrieben. Allerdings hätte die junge Frau dafür bezahlen sollen. Das konnte sie sich nicht leisten, erzählt sie von ihrer Tortur, einen Job zu finden. Die Agentur für Arbeit lasse sie zappeln. "Ich möchte doch einfach nur einen festen Job", resigniert die junge Mutter.

Sabine Endmann, Sprecherin der Agentur für Arbeit in Eberswalde, nimmt sich der Sache umgehend an und kann die junge Frau verstehen. Sie schreibt: "Wir haben großes Verständnis für die aktuelle Situation von Frau Lengte und bitten um Entschuldigung, dass auf die Mail der MOZ-Leserin vom 1. Juli keine Antwort erfolgt ist."

Coronabedingt habe es bei der Agentur für Arbeit in Eberswalde diverse organisatorische Veränderungen gegeben. Die Weiterleitung der E-Mail der jungen Frau in den Vermittlungsbereich sei in diesem Fall leider nicht erfolgt, so die Behördensprecherin. "Das bedauern wir sehr."

Selbstverständlich, so Sabine Endmann, sei die Agentur bereit, bei der Suche nach einem neuen Job und bei notwendigen Qualifizierungen zu helfen. "In einem Beratungsgespräch mit einer Vermittlerin der Arbeitsagentur wurde jetzt mit Frau Lengte besprochen, dass für sie eine Umschulung grundsätzlich in Frage kommen kann, um die Chancen für eine Beschäftigungsaufnahme in einem neuen Beruf zu erhöhen. Die nächsten Schritte wurden vereinbart, und auch darüber hinaus bleiben wir in engem Kontakt mit der Kundin und stehen weiterhin für alle Fragen zur Verfügung", kann Sabine Endmann beruhigen.

Doch sie gibt auch zu verstehenden, dass Weiterbildungen und Umschulungen so genannte Kann-Leistungen sind. Es bestehe grundsätzlich kein rechtlicher Anspruch darauf. "Vielmehr ist unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu prüfen, inwieweit die Notwendigkeit für eine solche mehrjährige Maßnahme besteht und ob der Kunde für den jeweiligen Beruf geeignet ist", macht Endmann deutlich. Das sei manchmal schwer zu vermitteln.

Vieles zu bedenken

Dabei ginge es neben Eignungstests auch um familiäre Rahmenbedingungen wie eine abgesicherte Kinderbetreuung oder die Mobilität des Arbeitnehmers, um einen Job aufzunehmen, der nicht in direkter Wohnnähe angeboten wird. Die Sprecherin ergänzt: "Ein wichtiger Aspekt ist außerdem die Nachfrage für den angestrebten Beruf am regionalen Arbeitsmarkt."

Die Arbeitslosenquote ist drastisch angestiegen. 6475 Menschen im Agenturbezirk Barnim-Uckermark befinden sich aktuell in Kurzarbeit. Wie viele Beschäftigte über die Corona-Zeit hinaus ihren Job behalten werden oder dann auf der Suche nach Stellen oder auch Umschulungen vorstellig werden, kann momentan noch keiner der Behördenmitarbeiter beantworten. Auch in diesen Fällen wird es abhängig von Qualifikationen und Lebensalter, Mobilität und Nachfrage noch Entscheidungen zu treffen geben.

Für die Eberswalderin Sabrina Lengte dürfte dadurch die Situation nicht einfacher werden. Und doch will die junge Mutter nicht aufgeben und weiterkämpfen.

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