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Familie aus Eberswalde züchtet seltene Hühnerarten

Michael Heider / 01.08.2020, 03:00 Uhr - Aktualisiert 03.08.2020, 17:04
Eberswalde (MOZ) Dass Tiere für die Familie Röseler eine große Rolle spielen, merkt man bereits beim Betreten ihres Hofs. Gleich drei langhaarige Collies bilden das Begrüßungskomitee.

Neben Hunden gehörten lange Zeit auch Pferde dazu, erzählt Wilfried Röseler. Genau wie diverse Vogelarten, darunter Papageien und Zebrafinken. An sich bereits eine stattliche Vielfalt, wären da nicht noch die gut250 Tiere, die sich, verteilt auf15 Ställe, im hinteren Bereich des Geländes befinden.

Es ist der stolze Bestand, den Röseler zusammen mit seinem Sohn Benjamin in jahrelanger Geflügelzucht aufgebaut hat. Teils sind es illustre Exemplare. Drei Emdener Gänse etwa – Vertreter der ältesten und zugleich größten deutsche Gänserasse –, deren gut 11 Kilogramm schwerer, strahlend weißer Ganter beim bloßen Picken seines Futters noch imposant wirkt. Auch Sachsenenten watscheln aufgeregt um einen ausrangierten Traktorreifen.  Schwarz-weiß gestreifte Cöllwitzer Puten, die sich auf der Liste gefährdeter Tierarten wiederfinden, rotten sich skeptisch zu einer Gruppe in ihrem Gehege zusammen.

Wie es mit der Zucht angefangen hat? Vater Wilfried blickt zu seinem Sohn Benjamin: "Fang du an, du bist länger drinne." Sechzehn Jahre, um genau zu sein. So lange ist er bereits in Geflügelzuchtvereinen organisiert.

Legehühner hatten sie bereits vorher, erzählt der 32-Jährige, der im Hauptberuf als Heilerziehungspfleger arbeitet. Da diese wenig spektakulär sind, reifte die Idee, sich "auch mal schöne Tiere, die nach etwas aussehen", zuzulegen. Ein besonderes Augenmerk legte er dabei früh auf Brahmas. Eine Hühnerart, deren Exemplare durch einen massigen Körperbau und dichte Daunen besonders kräftig wirken. Auffallend sind zudem ihre stark befiederten Läufe, die ein wenig wie Pumphosen aussehen.

15 Futtersäcke à 25 Kilogramm

Wilfried Röseler selbst, tut es seinem Sohn erst seit gut drei Jahren gleich. "Um nicht zu versauern", wie er sagt. Der heute 66-Jährige arbeitete zuvor als Hauswart im Kloster Chorin ehe ihn ein schwerer Unfall, bei dem er von einer Leiter fiel, zum Frührentner machte. "Irgendwie braucht man eine Beschäftigung." Und die Zucht bereite viel Freude. Vor allem seine verschiedenfarbig gesäumten Wyandotten.

Auf die stieß er zusammen mit seiner Frau beim Besuch einer Zuchtausstellung in Leipzig. Seit zwei Jahren ist Wilfried Röseler sogar Mitglied eines Sondervereins, der sich auf die nach einen Stamm amerikanischer Ureinwohner benannten Vögel spezialisiert hat.

Mittlerweile bestimmt die Zucht weite Teile des Alltags der beiden Eberswalder. Spätestens um 7.30 Uhr morgens werden die Tiere aus ihren Ställen gelassen. Täglich braucht es frisches Wasser. Im Falle besonders stark von Durst geplagter Enten auch zwei, drei Mal pro Tag. Das  Futter holen sie alle zwei Wochen in Form von gut 15 Säcken à 25 Kilogramm von einem Bauern aus Golzow. Wobei nicht alle Tiere die gleiche Kost akzeptieren. Puten erhalten andere Sorten als Wachteln, Küken essen nicht das gleiche wie ausgewachsene Tiere. Zudem muss sich um die Gesundheit der Tiere bemüht und die Ställe sauber gehalten werden. Und eines sollte keinesfalls vergessen werden: Das allabendliche Einsperren der Tiere.

"Ich hab es einmal nicht gemacht", erzählt Wilfried Röseler mit ernster Stimme. "Das ist drei Jahre her." Er wollte seinem Sohn die Aufgabe abnehmen. "Ich sagte, lass mal, es ist noch hell, ich mache das nachher. Nachts um halb zwei viel es mir dann ein." Da hatten die Waschbären und die Füchse bereits zugeschlagen. Über 20 Enten und mehrere Gänse fielen ihnen zum Opfer.

Aus Rückschlägen lernen

Es sind Rückschläge wie dieser, die eben auch dazugehören und aus denen gelernt werden muss, sind sich beide einig. Und gelernt haben sie im Laufe der Jahre viel. Wer die beiden Hobbyzüchter von den Kreuzungen ihrer Tiere, von  spalterbigen und reinerbigen Farbschlägen verschiedener Rassehühner erzählen hört, fühlt sich ein wenig an Gregor Mendel, dem Vater der Genetik, und dessen Erbsen erinnert. Dass sie oft genug schon das gewünschte Ziel erreicht und Preisrichter überzeugt haben, davon zeugen nicht zuletzt zahlreiche Pokale, Wimpel und Urkunden, die in der Gartenlaube Platz gefunden haben.

Für die Preise allein würden sie allerdings nicht so viel Zeit investieren, meint das Vater-Sohn-Gespann. "Es gibt einen auch Entspannung", sagt Benjamin Röseler. "Die Arbeit mit den Tieren kann helfen, den Alltagsstress hinter sich zu lassen." Zudem mache es Spaß. Das bestätigt auch sein vierjähriger Sohn Finn. Auch er hat sich von der Begeisterung schon anstecken lassen. Erst kürzlich hat er sich "seine" Gimpeltauben bei einem Züchter aus Angermünde ausgesucht.

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