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Bernauer illustriert Werke Kafkas

Konzentriert: Der Bernauer Grafiker Jürgen Kiecker bei der Bearbeitung der Druckplatte zur Kafka-Erzählung „Die Sorge des Hausvaters (Odradek)“. Foto: privat
Konzentriert: Der Bernauer Grafiker Jürgen Kiecker bei der Bearbeitung der Druckplatte zur Kafka-Erzählung „Die Sorge des Hausvaters (Odradek)“. Foto: privat © Foto: Sven Reimann
Sven Reimann / 27.04.2011, 18:58 Uhr - Aktualisiert 28.04.2011, 07:31
Bernau (In House) Bilder zum Werk von Franz Kafka hat sich der Bernauer Jürgen Kiecker zur Aufgabe gestellt. Dabei bleibt er dem Werk treu. Jetzt sind Arbeiten von ihm in einer Ausstellung in Görlitz gezeigt worden.

„Lichtes Dunkel – dunkles Licht in Kafkas Welten“ lautet der Titel der heute zu Ende gehenden Ausstellung des Oberlausitzer Kunstvereins e. V. in der Annenkapelle zu Görlitz, in der nicht nur Kunstwerke zu und von Franz Kafka (1883 – 1924) präsentiert wurden. In mehreren begleitenden Literaturveranstaltungen wurde bisher das Lebenswerk dieses bedeutenden deutschsprachigen Schriftstellers aus Prag verständlich gemacht.

Mit Kieckers Darstellungen sollten sich die Ausstellungsbesucher auch ihr ‚eigenes Bild’ vom Prager Dichter machen. Zum besseren Verständnis der Darstellungen in Kieckers Bildern lagen in der Annenkapelle auch die zugehörigen Texte der Kafka-Erzählungen bereit. Damit sollte gelingen, was der Künstler selbst betont: „Kafka ist in seinen bildhaften Texten so klar, dass man sich eng daran halten muss. Nur in der Treue zum Werk lässt sich immer wieder Neues entdecken“, so Kiecker.

Die Görlitzer Ausstellung zeigte in der einen Abteilung vierundzwanzig Radierungen des Bernauer Künstlers zu Kafkas literarischen Werken, die bei den Betrachtern die Erzählungen lebendig werden lassen. Den anderen Ausstellungsteil bildeten Reproduktionen von eigenen Handzeichnungen Kafkas, die, mit Texten aus seinen Aphorismen konfrontiert, einen eigenen Spannungsbogen erzeugen.

Franz Kafka ist wohl der „Dichter des Ungeheuren, Dunklen, Bedrohlichen, Rätselhaften, Mehrdeutigen und faszinierend Unheimlichen, der dies im letzten Jahrhundert am überzeugendsten ausgedrückt hat“ – und auch im 21. Jahrhundert noch Bestand hat. Kaum ein anderer deutscher Autor wird weltweit so viel gelesen, hat so viel Sekundärliteratur hervorgerufen wie der rätselhafte K. Und: Kafka ist der einzige Autor deutscher Zunge, dem die Nachwelt ein noch immer gebräuchliches Adjektiv formte: kafkaesk.

Und gerade dies ist es, was den Bernauer Jürgen Kiecker seit seiner Schulzeit an Kafka fesselte und nicht mehr los ließ. Eine kafkaeske Stimmung könne nur der nachvollziehen, der Kafka selbst gelesen hat, so Kiecker. Je mehr er sich mit dessen Werk beschäftige, umso schneller schwanden seine Irritationen über die oft behauptete „scheinbare Unverständlichkeit“ dieses modernen Schriftstellers. Für ihn ist Franz Kafka der Autor, der die Situation und das Verhalten des Menschen des 20. Jahrhunderts in seiner Lebenswirklichkeit mit der größten Wahrhaftigkeit und Klarheit beschrieben hat.

Was bei Kafka dunkel zu sein scheint, ist nicht die Dunkelheit seiner Werke, sondern die Düsternis der Daseinsverhältnisse. Kafka ist kein Schriftsteller des Absurden, sondern er beschreibt die aus der Sicht seiner Figuren absurd erscheinenden Bedingungen ihres Daseins. Er ist kein Surrealist, sondern Realist dessen, was den Menschen geschieht, ohne dass sie es kontrollieren können. Kafkas Werke sind keine Überhöhungen seines exemplarischen Lebens in der Familie und der Gesellschaft; sie sind Versuche, die Unwirtlichkeit der Welt zu begreifen, um ein (und auch sein) Leben danach auszurichten.

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