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Neue Freizeitsportanlage mit Wegeleitsystem an der Lessingstraße / Schillertreppe erst Ende Juni

Buschwindröschen am Wunderkreis

Andrea Linne / 19.04.2013, 04:45 Uhr - Aktualisiert 22.04.2013, 11:18
Eberswalde (MOZ) Die Reden ob ihrer Kürze waren viel zu lang, das Wetter viel zu schön: Die Kinder und Eltern sowie Jugendlichen konnten es kaum erwarten. Das neue Spielareal mit Wandelwegen und Geländelaufbahn an der Lessingstraße wurde am Donnerstag der Öffentlichkeit übergeben.

305 000 Euro hat die Firma "Märkisch Grün" im Sand verbaut und sich damit auch an historischen Vorgaben orientiert. Nachzulesen sind diese am neuen Wegeleitsystem, das die Stadt erstmals auf der neu gestalteten Fläche aufgestellt hat.

Nach sieben Monaten Bauzeit wurde am Donnerstag der neue Spielplatz an der Lessingstraße eröffnet. Der Eberswalder Wunderkreis und ein Bolzplatz sind die Hauptattraktionen.
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Einweihung Spielplatz Lessingstraße

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Wie Anne Fellner, Baudezernentin der Stadt, sagte, werden sich diese Info-Tafeln und Stelen überall dort wiederfinden, wo es Historisches zu finden gab oder gibt. "Wir wollen Stadtgeschichte kenntlich machen und auch der Nachwelt zeigen, woher wir kommen", sagte Fellner.

Ein Beispiel ist der Wunderkreis, der nunmehr zentral in der Mitte der Spielfläche liegt. Hier, sagte Bürgermeister Friedhelm Boginski, "ist ein wirklich historischer Ort". Und noch dazu "einer der schönsten, die es einmal in Eberswalde gab". Allerdings zogen die Autos noch nicht ihre Bahnen über die Lessing- und Heinrich-Heine-Straße. Es blühten Rosen an jenem Ort und lustwandelten die Eberswalder.

Ein bisschen so kann es sogar wieder werden, hofft auch Bauleiter Norbert Meißner. Denn er hat sich mit seinen Mannen viel Mühe gegeben. So gibt es Wandelwege mit wassergebundener Decke, aber auch viele Holzelemente zum Klettern oder Gleichgewicht üben. Auf einer Geländelaufbahn können sich Sportliche austoben. "In den Beton haben wir Kieselsteine gedrückt. So gibt es den Effekt wie auf einem Sinnespfad", erklärt der Fachmann. Über Stationsschilder, die an den Elementen stehen, wird der Besucher geführt und in die Geheimnisse der Übungen eingeweiht. Unter den dicken Findlingen, die an einer Stelle zum Besteigen parat liegen, wurde Fallschutzmaterial geschüttet. "Wer hier stürzt, der fällt weich", sagt der Bauleiter und lacht.

Auf einem großen Spielfeld ist schon einiges los. Die Mädchen und Jungen der Goethe-Schule machen die Probe aufs Exempel. Sie befinden die Spielfläche für zu klein, finden die Sitzelemente davor aber recht gut. "Ein paar mehr Bänke wären aber nötig, und auch Papierkörbe fehlen noch", fasst die 16-Jährige Nicole Kütbach für ihre Klassenkameraden zusammen.

Für Tommy Bohtz, acht Jahre alt, ist alles noch neu. Er findet es doof, dass die Großen die Bolzfläche belegen, übt sich aber in Geduld. Mit dem Wunderkreis kann er noch nicht so viel anfangen. Aber er will ihn ausprobieren, sagt der Junge. "Insgesamt gefällt mir alles ganz gut", so der Achtjährige.

Den Wunderkreis gab es vor gut 200 Jahren wirklich. Er war aus Rasen geschnitten und nicht gepflastert wie heute. "Der Pflegeaufwand wäre einfach zu groß", sagt Tiefbauamtsleiterin Heike Köhler. Deshalb entschied sich die Stadt zur Pflasterung. Aus zwei Richtungen lässt sich das Labyrinth begehen. 1609 lag der Vorgänger auf dem Hausberg und diente dem sportlichen Wettstreit der Stadtschüler. Allerdings befand sich das Terrain "Am alten Turnplatz" etwas 50 Meter vom heutigen entfernt.

Auch die Luther-Eiche hat einen würdigen Platz inmitten der Anlage gefunden. Mit einer historischen Tafel versehen, kann jeder nachlesen und auf historischen Fotos sehen, wie sie einst in den Boden kam. Sie markiert den Weg zur Schillertreppe, die nicht ganz fertig wurde. Erst Ende Juni soll das 175 000 Euro teure Projekt saniert zum neuen Platz weisen.

In der Nachbarschaft der Linde wachsen dann auch Wildäpfel. Ein Bäumchen kam am Donnerstag gleich in die Erde. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und die Fielmann AG spendierten außerdem in einem Preisrätsel vor Ort weitere Bäume des Jahres. Malus sylvestris heißt der Baum, der an guten Standorten bis zu zehn Meter hoch wachsen kann. Moritz Wenning, Landesvorsitzender der Schutzgemeinschaft, und seine Mitstreiter klärten vor Ort über das Wachstum und die Pflege gleich noch auf. Zwar schmecken die Früchte nicht allzu gut, wer kosten will, kann das aber bedenkenlos tun.

Gemeinsam hatten Anrainer, Schüler und Stadtverordnete lange um die Neugestaltung des Areals gerungen. Einen Namen hat der Spielplatz noch nicht. Und wer ihn Fläche am Schützenplatz nennt, bekommt auch Ärger. Deshalb soll sich der Kulturbeirat damit beschäftigen. Denn nicht oberhalb der Schiller-, ehemals Moltketreppe, lag der Platz, sondern laut Auskunft des Vereins für Heimatkunde Eberswalde lag er vor der ehemaligen Freilichtbühne, die es leider nicht mehr gibt.

Nichtsdestotrotz amüsierten sich alle prächtig. Die Buschwindröschen unter den alten Bäumen machen sich breit. Der Rasen muss noch sprießen und wachsen. "Wenn erst die Krokusse und Osterglocken hier blühen", malte auch Boginski ein Bild der Zukunft aus.

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