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Der Sonnenfinsternis so nah

Auf dem Dach der Karl-Sellheim-Schule drängeln sich zeitweise bis zu hundert Schaulustige.
Auf dem Dach der Karl-Sellheim-Schule drängeln sich zeitweise bis zu hundert Schaulustige. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Sabine Schulz / 20.03.2015, 22:00 Uhr
Eberswalde (MOZ) Wenn sich der Mond vor die Sonne schiebt - dann wird es eng in der Sternwarte. Viele Eberswalder verfolgten das seltene Himmelsspektakel der partiellen Sonnenfinsternis am Freitag auf dem Dach der Karl-Sellheim-Schule - unter fachkundiger Begleitung der Sternfreunde.

Freitag, auf dem Weg zur Sternwarte Eberswalde kurz vor 9 Uhr, sagte der Moderator meines Radiosender sinngemäß: Bei der Sonnenfinsternis handelt es sich um ein kosmisches Ereignis, es findet nicht für uns statt. Kaum auf dem Dach der Karl-Sellheim-Schule angekommen, hörte ich ganz ähnliche Worte von der Astronomielehrerin Dagmar Kowall, die damit die Schüler und Schülerinnen der 10. Klassen auf das Naturschauspiel einstimmte, das einige wenige Male in einem Menschenleben zu sehen ist. "Premiere" für die 16- und 17-Jährigen (2004 beim letzten Mal waren sie zu klein). Sie gehören zu den ersten Gästen auf der Dachterrasse.

Das Wetter ist bestens. Die Sternfreunde Eberswalde zeigen sich gut vorbereitet. Sie haben aus Spezialfolie, die 99,9 Prozent des Lichtes absorbiert, unzählige Sichtschutz-Brillen- und -fähnchen für die Augen gebaut sowie drei Fernrohre und einen Projektionsschirm zur Beobachtung draußen aufgestellt. Eine große Folie als Segel aufgespannt, ermöglichte problemlose und geschützte Beobachtung und viele Fotos. Und natürlich dürfen die Gäste auch durch das große Teleskop in der Sternwarte schauen.

Gegen 9.40 Uhr gibt es den sogenannten ersten Kontakt. Der Mondschatten berührt die Sonne und "klaut" ihr ein kleines Stück. Um Viertel vor 11 Uhr ist die größte Bedeckung erreicht. Immerhin vor 78 Prozent der Sonne hatte sich der Mond geschoben, sodass sie als Sichel am Himmel lag.

"Es ist kühler geworden, das Licht wirkt diffus", so tauschen die Zuschauer und Zuschauerinnen ihre Beobachtungen aus. Die älteren unter ihnen denken an den 11. August 1999, als eine totale Sonnenfinsternis über Mitteleuropa stattfand. "Damals war ich in Urlaub in der Nähe von Salzburg, als die Vögel verstummten, die Kühe in den Stall gingen, weil sie dachten, es wird Abend", erinnert sich Gudrun Ziethen aus Finowfurt.

Dieses Mal hätte man weiter wegfahren müssen: Die Sonnenfinsternis begann im Nordatlantik etwa 700 Kilometer südlich der grönländischen Südküste. Der Kernschatten zog nach Nordosten und verfehlt Ostisland nur um etwa 70 Kilometer, überquert aber die Färöer-Inseln.

Die Dachterrasse der Karl-Sellheim-Schule wird immer voller. Schüler und Schülerinnen der zweiten, der achten Klassen aus dem Haus kommen, schauen und staunen. "Warum sind wir noch nicht hier gewesen?", fragen einige laut und wollen wiederkehren. Ebenso wie die Mädchen und Jungen der Freien Montessorischule Barnim. Ihr Englischlehrer, Jeramy Payne, hatte sie am Morgen mit dem Ausflug zur Sternwarte, zur "solareclipse", überrascht. Ebenso spontan ist der Lichterfelder Ulrich Töpperwien mit seinem Enkel Nico und dessen Freundin Emma hierher gefahren. Sein Enkel besitzt ein kleines Fernrohr und kennt sich schon ein bisschen aus.

Insgesamt nehmen rund 200 Neugierige auf dem Schul-dach an diesem Naturschauspiel teil. Die Stimmung wirkt entspannt, denn alles in allem dauert der Vorgang, dass sich der Mond zwischen Sonne und Erde schob, ja über zwei Stunden. Harald Kothe-Zimmermann, Vereinschef der Sternfreunde, zeigte sich hochzufrieden. Ein besonderer Vormittag auch in Eberswalde: Bis zur nächsten in Deutschland sichtbaren totalen Sonnenfinsternis am 2. September 2081 kommt uns die "schwarze Sonne" nur noch einmal - am 12. August 2026 - ähnlich dicht. "Die Sonne und Sonnenflecken kann man natürlich trotzdem jeden Tag beobachten", so Vereinsmitglied Michael Fietz.

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