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Spechte haben eine Fassade des Finower Gymnasiums durchlöchert / Die Reparatur ist kostspielig

Zerstörung im Akkord

Kleine Hausbesetzer: Der heimische Buntspecht ist längst dazu übergegangen, neben Bäumen auch Häuserfassaden zu durchlöchern. Deren Reparatur bedarf dem Antrag bei der Unteren Naturschutzbehörde und ist kostspielig.
Kleine Hausbesetzer: Der heimische Buntspecht ist längst dazu übergegangen, neben Bäumen auch Häuserfassaden zu durchlöchern. Deren Reparatur bedarf dem Antrag bei der Unteren Naturschutzbehörde und ist kostspielig. © Foto: picture alliance / dpa
Anna Fastabend / 05.08.2015, 06:45 Uhr
Eberswalde (MOZ) Ein Specht hat tennisballgroße Löcher in die Turnhallenfassade des Finower Gymnasiums gehackt. Diese müssen nun aufwendig wieder verschlossen werden. Die Sanierungsarbeiten kosten den Kreis mit rund 8 000 Euro eine stolze Summe. Ein solcher Spechtschaden ist bei Weitem kein Einzelfall in der Region.

Spechte sind faszinierende kleine Geschöpfe. Sie sind von der Anatomie her so gebaut, dass sie sich an senkrechten Oberflächen festkrallen und diese - sind sie auch noch so hart - durchlöchern können. Dazu stützen sie sich mit ihren stabilen Schwanzfedern ab und hämmern mit ihren meißelförmigen Schnäbeln ohne Unterlass auf ein Stück Rinde ein. Erstaunlich: Dadurch, dass ihr Gehirn in mehr Flüssigkeit als gewöhnlich schwimmt, bekommen sie von der permanenten Erschütterung keine Kopfschmerzen.

Eigentlich ist der Baum ihr Zielobjekt. Die Spechte testen an einer Stelle, ob es hinter der Rinde hohl klingt. Ist dies der Fall, vermuten sie, dass der Baum darunter verfault ist. Sie hoffen, in dem fauligen Holz Würmer und Käfer zu finden. Seit aber der Mensch seine Häuser energetisch sanieren muss, gehen die Spechte - in dieser Region vor allem der Buntspecht - verstärkt auch die wärmegedämmten Fassaden an.

"Die Risikogebiete für Spechtschäden sind in Eberswalde vor allem die bewaldeten Baugebiete wie Finow. Aber auch Häuser im Brandenburgischen Viertel können betroffen sein", erklärt Dirk Schuster von der Unteren Naturschutzbehörde. Laut dem Kreismitarbeiter gibt es sogar wissenschaftliche Untersuchungen dazu, warum Spechte energetisch sanierte Gebäude attackieren: "Der Scheiben- oder Kratzputz ist sehr rau und damit der Baumrinde sehr ähnlich." Beim ersten Anklopfen merke der Specht dann, dass es unter dem Putz hohl klingt. Der hohle Klang komme von dem Dämmmaterial, das aus Styropor besteht. Dann folge das Tier seinem Instinkt und klopfe einfach weiter, so Schuster.

Früher hingegen waren Spechtschäden an Gebäuden eher eine Seltenheit. Erstens wurden Hauswände damals glatt verputzt. So konnte der Specht sich nicht festhalten. Zweitens war die Putzschicht mit mehreren Zentimetern viel dicker. Heutzutage aber wird der Putz nach erfolgter energetischer Sanierung nur noch bis maximal einen Zentimeter dick aufgetragen. Das ist schnell aufgeklopft. "Danach sind dem Specht keine Grenzen gesetzt. Und er kann haufenweise Styropor aus dem Loch holen", sagt der Naturschutzexperte. Wenn der Specht gut arbeite, habe er an nur einem Tag ein großes Spechtloch produziert.

Besonders gefährdet sind dabei Mehrfamilienhäuser, von Spechten heimgesucht zu werden. "Sitzt ein Specht in vier Metern Höhe, fühlt er sich natürlich vor den Menschen am Boden sicher", so Schuster.

Ist ein Spechtloch erst einmal da, hat der Hauseigentümer ein Problem. "Spechte sind eine besonders geschützte europäische Vogelart", erklärt der Naturschutzbeauftragte. Damit ist nicht nur das Tier selbst, sondern darüber hinaus auch seine Fortpflanzungs- und Ruhestätte geschützt. Deshalb muss der Hauseigentümer die Beseitigung eines solchen Schadens bei der Unteren Naturschutzbehörde beantragen. "Da meistens aber gar nicht die Spechte, sondern andere Vogelarten in die fertigen Höhlen einziehen, ist das weitere Verfahren halb so schlimm", erklärt Schuster. Im Normalfall werde die Genehmigung zur Reparatur erteilt. Der Hauseigentümer müsse lediglich in der Nähe einen Nistkasten aufstellen, in den die Sperlinge oder Stare dann einziehen können.

Die Reparatur eines Spechtschadens ist kostspielig. Denn oft befinden sich die Löcher weit oben an der Fassade, sodass zu ihrer Beseitigung ein Gerüst aufgebaut werden muss. "Da bewegt man sich schnell im vierstelligen Bereich", sagt Schuster. Deshalb empfiehlt er, wenigstens die Ecken der Häuser glatt zu verputzen. "Denn nur dort kann der Specht landen. Ist die Wand glatt, rutscht er ab", erklärt er. Aber auch eine Vogel-Attrappe auf dem Dachfirst, Silhouetten von Vögeln an der Fassade oder ein spezielles Ultraschallgerät können Abhilfe schaffen.

Wer Probleme mit Spechtschäden oder Fragen zu dem Thema hat, kann sich unter der 03334 2141532 bei der Unteren Naturschutzbehörde melden.

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