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Forscher diskutieren über neue Arten

Welche Bäume braucht der Wald von morgen?

Ina Matthes / 04.10.2015, 20:33 Uhr
Eberswalde (MOZ) Weniger Wasser, dafür mehr Schädlinge. Der Klimawandel belastet Brandenburgs Wälder. Werden exotische neue Arten gebraucht? Darüber haben Forscher jetzt in einem Symposium in Eberswalde (Barnim) diskutiert.

Die größte Gefahr für Brandenburgs Wälder in der Zukunft sind Waldbrände. Das Risiko wird deutlich steigen. "Doch dagegen können wir etwas tun", sagt Ralf Kätzel vom Landeskompetenzzentrum Forst (LFE). Bereits jetzt habe Brandenburg ein gutes System zur Branderkennung, seien Feuerwehren schnell zur Stelle, sodass die Auswirkungen der Brände gering gehalten werden können.

Gegen mehr und längere Dürrephasen, wie sie zu erwarten sind, lässt sich aber schwer etwas ausrichten. Eine der wichtigen Fragen des Symposiums "Waldmanagement im Klimastress" auf dem Waldcampus Eberswalde war deshalb, welche Baumarten sich für die Zukunft eignen. Eingeladen hatten das Landeskompetenzzentrum Forst (LFE), die Hochschule für nachhaltige Entwicklung (HNEE) und das Thünen-Institut für Waldökosysteme aus Eberswalde.

Bereits seit den 90er-Jahren baut Brandenburg seinen Wald um - hin zu mehr Mischkultur. Buchen, Hainbuchen, Eichen und Linden werden gepflanzt. Bisher erfolgt das vorrangig aus ökologischen Gründen, der Klimawandel spielte kaum eine Rolle.

Brauch man in einem anderen Klima mehr dürrebeständige Exoten? "Ich glaube, es wäre falsch, hektisch zu reagieren", sagt Andreas Bolte, Leiter des Thünen-Instituts. Die heimischen Bäume seien genetisch vielfältig und anpassungsfähig. Forstbotaniker wollen jene Vertreter ihrer Art finden, die Trockenheit gut verkraften, und sie gezielt vermehren. Brandenburgs Brotbaum - die Kiefer - zum Beispiel schnitt in Trockenstress-Tests des Landeskompetenzzentrums gut ab, genauso wie die Douglasie. Weniger resistent zeigten sich Buche und Eiche. Wo welcher Baum am Ende gut gedeiht, hängt aber vom Standort ab. In Eberswalde wurden auch Methoden vorgestellt, wie Waldbesitzer die geeigneten Baumarten finden.

Bis 2050, glauben Forstwissenschaftler, lässt sich mit den derzeitigen Strategien gut auf den Klimawandel reagieren. "In der fernen Zukunft liegt das Problem", sagt Ralf Kätzel. Bis jetzt haben sich die Wälder von Trockenperioden immer gut erholt. Werden sie das auch noch 2100 können? Massenvermehrungen von Insekten werden im wärmeren Klima häufiger auftreten. Welche Bäume sind dann die richtigen?

Andreas Bolte und seine Kollegen vom Thünen-Institut haben mit Buchen aus wasserarmen Gegenden in Frankreich, Spanien und Rumänien experimentiert. Sie könnten künftig vielleicht heimische Bestände ergänzen. Aber auch die sogenannten Pionierbäume könnten stärker genutzt werden - Arten, die sich gut vermehren, schnell in die Höhe schießen, mit widrigen Bedingungen klarkommen.

Erforscht wird unter anderem die Robinie. Sie wächst fast überall. Ihr Holz hat einen hohen Brennwert, ist fest und elastisch und lässt sich selbst für Möbel verwenden. Allerdings ist die Robinie als Art, die andere verdrängt, heftig umstritten. Forstexperten diskutieren aber auch, ob Exoten wie die Küstentanne eingeführt oder Wälder künftig bewässert werden sollten. Allerdings, so Ralf Kätzel, seien gerade die ökonomischen Fragen der Anpassung an den Klimawandel bisher wenig untersucht.

Forschungsbedarf gibt es aus Sicht von Pierre Ibisch von der Hochschule HNEE auch beim Verständnis des Waldes als Ökosystem, in dem viele Lebewesen sich beeinflussen. Und das schon jetzt unter Druck steht: durch Wege, die es zerschneiden, Chemikalien, intensivere Nutzung für Bioenergie. "Wir haben es mit einem gestressten Waldökosystem zu tun. Da kommt der Klimawandel noch obendrauf." Naturschutz und Waldwirtschaft müssten künftig an einem Strang ziehen, sagt Ibisch. (Mit Adleraugen)

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Hans-Jürgen Klemm 05.10.2015 - 01:43:03

Vergessen?

Die Waldvernichtung und Brandgefährdung durch großflächige Umwandlungsabsichten von Waldflächen zu Gunsten hochsubventionierter Windparks wurde im Beitrag nicht erwähnt. Wurde darüber nicht gesprochen oder dieser von nunmehr fast 90 Bürgerinitiativen gegen den Windkraftwerkszubau von Brandenburg bekämpfte Waldfrevel einfach "nur" vergessen? Immerhin hatten im Juli weit mehr als 30.259 (als wahlberechtigt anerkannte) Bürger mit der Forderung - keine Windkraftwerke im Wald zu genehmigen - noch an den Landtag in einer Volksinitiative beschäftigt, der jetzt der Bürgerendscheid folgen wird.

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