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Hommage an den Erbauer

2014/15 haben Sarah Phillips und Richard Hurding die Villa Protz zum Kunsthaus umgebaut. Architektonische Besonderheit ist die "Spiegelfassade", bestehend aus Mosaiksteinchen.
2014/15 haben Sarah Phillips und Richard Hurding die Villa Protz zum Kunsthaus umgebaut. Architektonische Besonderheit ist die "Spiegelfassade", bestehend aus Mosaiksteinchen. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Viola Petersson / 03.03.2016, 07:55 Uhr
Joachimsthal (MOZ) Von A wie Allacma fusca bis Z wie Zelfo wollen Sarah Phillips und Richard Hurding 2016 den Bogen mit Biorama spannen. Vier Ausstellungen planen die Briten in der Weißen Villa, dem neuen Kunsthaus. Und: Ein Jubiläum steht an. Die Turmherren feiern ihr Zehnjähriges.

Viel Zeit bleibt nicht mehr. In drei Wochen ist Saisoneröffnung. Noch ist das alte Treppenhaus leer. "Hier kommt die Dauerausstellung zu Rudolf Protz rein", zeigt Sarah Phillips, sicher, dass bis zum 25. März alles fertig ist. Eine Hommage also an den Erbauer der Villa, den Joa-chimsthaler Kämmerer und Geschäftsmann Protz (1835-1903). Der umtriebige Unternehmer gilt als "Erfinder" der öffentlichen Bedürfnisanstalten.

Und wer die Briten kennt, ahnt, dass dies keine gewöhnliche Exposition wird. Keine Schau mit großen Texttafeln. "Auf Schrift wollen wir weitgehend verzichten. Wir wollen vor allem Original-Bauteile zeigen, Fenster und Türen etwa", macht die Engländerin schon mal neugierig. "Und den Raum nutzen, den Blick der Besucher in die Höhe richten." Das inhaltliche Konzept korrespondiert mit den Besonderheiten des Ortes. Die Büste von Rudolf Protz, die eine Ururenkelin den Briten vor einigen Jahren geschenkt hat, bekomme selbstverständlich einen besonderen Platz. Bekanntlich haben Phillips/Hurding 2011 bereits eine kleine Ausstellung über Protz gestaltet. In Ergänzung dazu wolle man nun auch eine Broschüre herausgeben. "Als Souvenir für die Besucher."

Mit der ersten Sonderschau wollen die Briten dann sogleich die Verbindung zur Natur und zur Wissenschaft herstellen. Ein Anliegen, das sie von Anbeginn verfolgen. "Gepanzerte Schönheit" ist der Titel der ungewöhnlichen Exposition, die am 22. April eröffnet wird und in deren Mittelpunkt Insekten stehen. Gemeinsam mit dem Senckenberg Deutschen Entomologischen Institut bereiten die Briten die Ausstellung vor. Zu sehen sind natürlich Insekten, darunter der Dunkelbraune Kugelspringer (lat. Allacma fusca), Insekt des Jahres 2016, Ausschnitte aus der umfangreichen Sammlung des Instituts, aber auch ungewöhnliche Installationen zum Thema. Im Rahmen der Schau seien zudem Führungen bzw. Gespräche mit Wissenschaftlern geplant.

Für die zweite Exposition haben Sarah Phillips und Richard Hurding einen Künstlerkollegen aus der Heimat, aus Großbritannien gewonnen: Jamie Read. Und mit ihm zieht ein Hauch von Prärie und von Kindheitsträumen in die Weiße Villa. Denn der 69-jährige Brite baut Tipis in Joachimsthal auf. Im Spätsommer folgt eine Ausstellung einer australischen Künstlerin, die Installationen aus Papier und Zelfo kreiert. Jenem innovativen Material, das Phillips/Hurding herstellen bzw. vermarkten.

"Unser Vorteil ist der große Raum", sagt Sarah Phillips. "Das gibt Künstlern die Möglichkeit, in großen Formaten zu arbeiten." Wie Kunst und Raum verschmelzen können, welche Symbiose sie eingehen können, wurde bereits im Herbst vergangenen Jahres deutlich. Bei der Eröffnung des Kunsthauses und der ersten Ausstellung von GODsDOGs "Riss in der Zeit". 2014/15 haben Phillips/Hurding die Weiße Villa, auch als Villa Protz bekannt, saniert und zu einer außergewöhnlichen Galerie umgebaut. Deshalb will die Engländerin Phillips künftig den Fokus der Öffentlichkeit auch noch stärker auf die Gestaltung der Villa, die Architektur richten. Für Aufsehen hat beispielsweise schon in der Bauphase die Gestaltung der Fassade mittels Mosaik gesorgt. Umso mehr freuen sich die Eigentümer, wenn die Fachwelt Notiz von dem Kleinod in der Biosphäre nimmt. Oder dass das Projekt etwa als Ausflugstipp in die Broschüre "Berlin secrets" , das in Fünf-Sterne-Hotels in der Hauptstadt ausliegt, aufgenommen wurde.

Mehr als 125 000 Touristen haben bislang das Biorama-Projekt besucht. 2006 waren - gewissermaßen als erster Baustein - die Aussichtsplattform auf dem Wasserturm und der Aufzug, der zu einer Art Wahrzeichen der Schorfheidestadt geworden ist, in Betrieb gegangen. Deshalb feiern die Briten im Juni ihr zehnjähriges Bestehen. "Ja, es soll eine kleine Party geben", so die Engländerin. Doch zuvor ist noch einiges zu tun. Unter anderem sollen die Außenanlagen zwischen Turm und Weißer Villa gestaltet werden. "Wir werden auch mehr Tische und Bänke aufstellen, die zum Verweilen einladen." Gerade Radler würden den Zwischenstopp in Joachimsthal zu einer Besichtigung und zu einer Rast mit Stärkung nutzen. Zudem gebe es für 2016 bereits viele Anmeldungen durch Reisegruppen.

Saisoneröffnung: am 25. März, 11 Uhr; mit Beginn der neuen Saison gelten neue Eintrittspreise: Ticket für Aussichtsplattform und Kunsthaus Erwachsene vier Euro, Kinder ein Euro, Familienkarte neun Euro

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