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Dokumentation "Heimat ist heimat" über die frühere Sprengstofffabrik Oderberg gezeigt / Regisseur Kai-Uwe Schulenburg hat dafür Zeitzeugen befragt

Abgebaut - und trotzdem noch allgegenwärtig

Filmabend mit Regisseur: Im Rahmen der Finowkanal-Stammtisch-Reihe zeigte Kai-Uwe Schulenburg jüngst im Museum Eberswalde seine Dokumentation "Heimat ist heimat" über die Oderberger "Sprengchemie". Er hat den Film 1992/93 während seines Studiums gedreht.
Filmabend mit Regisseur: Im Rahmen der Finowkanal-Stammtisch-Reihe zeigte Kai-Uwe Schulenburg jüngst im Museum Eberswalde seine Dokumentation "Heimat ist heimat" über die Oderberger "Sprengchemie". Er hat den Film 1992/93 während seines Studiums gedreht. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Viola Petersson / 06.04.2016, 05:15 Uhr
Oderberg (MOZ) Viel erinnert nicht mehr an die "Sprengchemie". Das Gelände befindet sich heute in Privateigentum und soll als Jagdrevier dienen. Gleichwohl ist dieses Kapitel Stadtgeschichte bei vielen Oderbergern und Hohensaatenern sehr lebendig. Noch.

Genau dies war auch der Grund, warum sich Kai-Uwe Schulenburg 1992 des Themas annahm und einen Dokumentarfilm über die einstige Fabrik drehte. Im Rahmen seines Studiums. Schulenburg begab sich auf Spurensuche, befragte Zeitzeugen. In Oderberg wie auch im Ausland. So entstand die Dokumentation "Heimat ist heimat", ein 45-minütiger Streifen.

Der Verein "Unser Finowkanal" hatte jüngst im Rahmen seiner Stammtisch-Reihe zu einer Vorführung des Schulenburger Debütwerks eingeladen. "Bei einem Besuch in Bydgoszcz (Bromberg) im Juni vergangenen Jahres haben Mitglieder unserer Initiative in der dortigen alten Dynamitfabrik, einer einst geheimen, in den Wäldern bei Bromberg versteckten Produktionanlage, die heute als ,Exploseum' Touristen aus aller Welt anzieht, einen Hinweis auf die Sprengstofffabrik in Oderberg entdeckt", erinnerte sich Vorsitzender Hartmut Ginnow-Merkert. Eine Fabrik, "von der wir noch nie gehört hatten." Durch einen Zufall habe man Kai-Uwe Schulenburg kennengelernt. Und von der Dokumentation erfahren.

Schulenberg, der heute als Kameramann (unter anderem für "In aller Freundschaft") arbeitet, erklärte vor der Vorführung: "Heimat ist heimat" sei eine Ein-Mann-Produktion gewesen. Beziehungsweise ein Zwei-Mann-Werk. Sein vierjähriger Sohn habe mitgeholfen. "Ich habe ihm gezeigt, wie man das Tonbandgerät bedient", so Schulenburg, der in Eberswalde aufgewachsen ist, einen Teil seiner Freizeit aber auch in Oderberg verbrachte. Seine Eltern hatten ein Sommerhäuschen in der Kleinstadt. "Ein Drehbuch gab es nicht."

Die Dokumentation lebt vor allem von Gesprächen, von den Aussagen und Erinnerungen Oderberger sowie dreier Zwangsarbeiter - einem belgischen Ehepaar und einem Franzosen -, die in der "Sprengchemie" eingesetzt waren.

Fast jede Familie in Oderberg und Hohensaaten, so Schulenburg, war damals direkt oder indirekt mit der Fabrik verbunden. 1936 geplant, ging sie 1939 in Betrieb. Im März 1945 wurde die Produktion eingestellt. Die Zeitzeugen gewähren einen Einblick in die Produktion, in das Leben und die Arbeitsbedingungen. Nach Kriegsende mussten die Arbeiter unter der sowjetischen Besatzungsmacht die Fabrik abbauen.

Die Wohnsiedlungen sind indes erhalten geblieben. Die Bevölkerungszahl stieg in jener Zeit auf etwa 7000, ein ganz neuer Ortsteil ist mit der "Sprengchemie" entstanden, machte Solveig Opfermann von der Perspektive Oderberg deutlich und verwies auf die Auswirkungen für die Stadtentwicklung. Zur Wende hatte Oderberg nur noch 3500 Einwohner, heute sind es gerade mal 2300.

Stammtisch Finowkanal: heute, 18.30 Uhr, "Alte Brauerei"; Masterplan Finowkanal

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