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Flüchtlinge fühlen sich isoliert

Vor dem Wunderlich-Haus: Auch Abdi (links) und Ahmed sind in Ützdorf untergebracht und protestieren.
Vor dem Wunderlich-Haus: Auch Abdi (links) und Ahmed sind in Ützdorf untergebracht und protestieren. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Marco Marschall / 28.02.2017, 20:25 Uhr
Eberswalde (MOZ) Zum zweiten Mal binnen 14 Tagen wurde am Dienstagnachmittag vor dem Paul-Wunderlich-Haus in Eberswalde gegen den Standort der Flüchtlingsunterkunft in Ützdorf protestiert. Der kurze zeitliche Abstand sei eher Zufall, wie Thomas Janoschka von der "Initiative Barnim für alle" am Rande der Kundgebung informierte. Der Termin am Dienstag sei lange geplant gewesen, die Aktion vor zwei Wochen spontan organisiert worden, nachdem einer der Bewohner unangekündigt abgeholt und nach Belgien verbracht wurde.

Mehr als 40 Menschen nahmen diesmal am Protest teil. Vor allem Flüchtlinge, die in Ützdorf leben, kritisierten die dortige Situation und forderten die Schließung des Standorts. "Wir können dort nichts anderes tun als essen und schlafen", sagten sie. Stattdessen wollen sie zur Schule gehen und die deutsche Sprache lernen. Im abgelegenen Ort zwischen Lanke und Wandlitz aber fühlten sie sich isoliert.

Im ehemaligen Schwesternwohnheim in Ützdorf, das im Dezember bezogen wurde, sind zurzeit 17 Personen aus Kenia, Pakistan, Tschad, Somalia, Syrien, Vietnam und Kamerun untergebracht. Wie der Landkreis mitteilt, befinden sich alle Bewohner im Asylverfahren und waren zuvor in der Erstaufnahme-Einrichtung in der Eberswalder Eisenbahnstraße untergebracht. Dort wäre die Unterbringung aus Sicht der Flüchtlinge und der Initiative "Barnim für alle" auch nach wie vor sinnvoll. Denn in Ützdorf gebe es weder Einkaufsmöglichkeiten noch Ärzte. Außerdem fehle es an Busverbindungen, um Termine beim Jobcenter oder der Ausländerbehörde pünktlich wahrnehmen zu können. Die Bewohner würden deshalb schon tags zuvor in die Stadt fahren. Zudem gebe es im Haus keinen Handy-Empfang.

Schon in der Einwohnerfragestunde im Kreisausschuss am Montag hatte Landrat Bodo Ihrke versucht, die Standortwahl zu rechtfertigen. "Ützdorf ist eine vernünftige Unterkunft. Ich teile ihre Einschätzung der Lage nicht", entgegnete Ihrke einem Bürger, der auf benannte Defizite hingewiesen hatte. Der Landrat verwies unter anderem auf den Bustransport, den der Betreiber vor Ort anbiete.

Wie der Landkreis am Dienstag weiter mitteilte, habe der Träger außerdem mit der Anschaffung von Fahrrädern auf die schlechten Busverbindungen reagiert. Sie dürften bei besserem Wetter auch intensiver genutzt werden, heißt es. Was die Kommunikationsmöglichkeiten im Haus angeht, seien WLAN- und Festnetzanschluss im Übergangswohnheim vorhanden.

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Dieter Sauer 05.03.2017 - 11:31:32

Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen ist ein lukratives Geschäft

Die Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen ist ein lukratives Geschäft, das ist aus den Medien allseits bekannt. Die Beispiele der Anmietung von Hotels als Flüchtlingsunterkünfte zeigten, dass die Eigentümer eine weitaus höhere Rendite als bei regulärem Hotelbetrieb erzielen. Vor diesem Hintergrund ist es völlig unverständlich, dass der Landkreis zu einem Zeitpunkt als die Flüchtlingszahlen sanken das Heim in Ützdorf vertraglich gebunden hat. Unabhängig davon, ob die Forderungen der demonstrierenden Flüchtlinge berechtigt sind, stellt sich die Frage warum mit dem Eigentümer und Betreiber ein langfristiger Vertrag für das Heim an diesem abgelegenen Ort geschlossen wurde. Die MOZ berichtete am 12.05.2016 über die Bedenken der Anwohner http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1481655 Wer sind eigentlich die Besitzer mit Namen Münch, die den Zuschlag erteilt bekommen haben? Wollte man jemandem einen Gefallen tun? Als Ausgleich wurde doch ein Heim in Eberswalde, das vom Landkreis betrieben wurde, geschlossen. Am 16.09.2016 berichtet die MOZ „Trotz freier Plätze wird gebaut“ und wies darauf hin, dass im Barnim insgesamt 661 freie Unterkunftsplätze für Flüchtlinge vorhanden seien. Vor diesem Hintergrund wurde auch der Ausbau des Ützdorfer Heims durch die SPD-Landtagsabgeordnete Britta Müller kritisiert. http://www.moz.de/lokalredaktionen/barnim/bernau/artikel3/dg/0/1/1515123/ Auch das Gerangel um das Flüchtlingsheim an der Lanker Straße in Bernau Waldfrieden zeigt, dass etwas im Argen liegt und vordergründig ökonomische Interessen eine Rolle spielen. Das EJF betreibt beide Heime in Waldfrieden und ist offensichtlich der Vertragspartner mit dem der langjährige Vertrag geschlossen wurde. Wenn das EJF, das ja im großen Stil das Geschäft mit den Flüchtlingen betreibt, nur entsprechend der aktuellen Belegung der Heime finanziert würde, hätte sich der Mietvertrag für die Lanker Straße nach Errichtung des durch den Landkreis finanzierten Neubaus an der ehemaligen Forstschule umgehend erledigt. Es sind unsere Steuermittel, die verschleudert werden. Integration wird dadurch sicher nicht befördert.

Lea Bär 04.03.2017 - 11:39:43

Abdi und Ahmed können doch schon astreines Deutsch

das ist doch auf den Plakaten sichtbar. Aber daran glaube ich nicht wirklich. es wird wohl so sein , das sie von bestimmten Gruppen instrumentalisiert wurden. Wenn sie überhaupt verstehen, was da liebevoll aufgemalt wurde, eins werden sie verstehen : es lohnt sich zu fordern. Und zwar ist im Gespräch, das sie nach WALDFRIEDEN verlegt werden. Da sind sie nicht mehr so isoliert, landen aber im nächsten Ghetto. Die Ützdorfer sind sie los, die Waldfriedener bekommen sie dazu. Im übrigen fragt man sich, weshalb Schutzsuchende aus Vietnam kommen , aber das ist ein anderes Thema. Es war doch nicht wirklich der Plan, dass das ehemalige Seniorenheim in der Lanker Straße leergezogen wird, es existiert ein Mietvertrag über 4 Jahre mit der Verlängerungsoption auf 5 Jahre. Die Länge des Vertrages dürfte einmalig sein und war fast fahrlässig. Die Stadt Bernau bekommt jährlich 117.512 € Miete. Ein einträgliches Geschäft. In 4 Jahren wären Einnahmen von 470.048 ,00€ zu verzeichnen. Hängt man noch das 5. Jahr an, belaufen sich die Einnahmen auf knapp 588.000,00 €. Übrig bleibt dann für Bernau eine Immobilie im Wert von geschätzten Wert von 568000,00€. Noch Fragen ?

Ines Koepnick 02.03.2017 - 09:39:20

nur Forderungen !!!

Es werden erstmal Forderungen gestellt obwohl ich u. andere keine Notwendigkeit darin sehen, so auch Herr Ihrke. Asyl bedeutet für mich ein Dach über dem Kopf und Essen und Trinken und dann muss geklärt werden ob der Asylantrag genehmigt wird. Sie wollen Rechte ein fordern. Was für Rechte ? Sie bekommen einen Busshuttle und Fahrräder und, und... Was bekommen die Rentner auf dem Dorf oder die Alleinstehende Mutter mit Kind ? Es kümmert keinen wie diese von A nach B kommen. Wir müssen auch unser WLAN selber bezahlen. Wie ich heute lesen musste werden Stromsperren in Deutschland auf Grund von Armut veranlasst (330.000). Die Flüchtlinge bekommen dies alles von uns . Jeden Tag hören wir von Flüchtlingen die fordern die tagein tagaus in Flücktlingsintegrationprogramme gesteckt werden unter dem Motto "schaut was mein Flüchtling kann".Ausweise haben Sie nicht aber Handys, dass glaubt nun auch keiner mehr. Man muss den Menschen in Ihren Ländern helfen und nicht erst hier. Von uns wird Toleranz gefordert dann möchten wir als Bürger auch , dass die Flüchtlinge sich bitte an unsere Normen halten und nicht das nur Forderungen gestellt werden. Die Menschen sind ja schon ein geschüchtert und trauen sich kaum zu schreiben oder Ihre Meinung zu vertreten. Ich empfhele hierzu den Artikel "Jedes Unrecht beginnt mit einer Lüge" zu lesen.

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