Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Zu freizügig für den Verkehr

Blickfang mit Damenwäsche: Diese leicht bekleidete Schönheit hätte auf einem Obus der Barnimer Busgesellschaft durch Eberswalde rollen sollen, wenn die Werbung durch das Unternehmen und den Gesellschafter genehmigt worden wäre.
Blickfang mit Damenwäsche: Diese leicht bekleidete Schönheit hätte auf einem Obus der Barnimer Busgesellschaft durch Eberswalde rollen sollen, wenn die Werbung durch das Unternehmen und den Gesellschafter genehmigt worden wäre. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Sven Klamann / 10.05.2017, 19:30 Uhr
Eberswalde (MOZ) Das Modehaus Kräft & Kräft darf wegen angeblich zu freizügiger Motive nicht auf den Fahrzeugen der Barnimer Busgesellschaft werben. Der Personenbeförderer hat die rollende Reklame abgelehnt - und damit auf lukrative Einnahmen verzichtet.

"Wenn die evangelische Kirche Gesellschafter der Barnimer Busgesellschaft wäre oder wir unser Geschäft im katholischen Bayern führen würden, könnte ich diese Prüderie vielleicht noch verstehen", sagt Tom Kräft, der Mitinhaber des Modehauses, das an der Friedrich-Ebert-Straße 17 zu finden ist und unter dem Markennamen chantaldessous.de überdies online Damenwäsche und Dessous vertreibt.

Die Hiobsbotschaft vom Werbeverbot hat den Eberswalder Händler über die VM VerkehrsMedien GmbH mit Sitz in Stendal (Sachsen-Anhalt) erreicht, die im Auftrag der Barnimer Busgesellschaft die Werbeflächen auf den Fahrzeugen der Barnimer Busgesellschaft (BBG) vermarktet und das ablehnende Schreiben des BBG-Geschäftsführers Frank Wruck an das Modehaus weitergeleitet hat. In dem Brief heißt es, dass die Busgesellschaft die Reklame "nach interner Prüfung und Abstimmung mit dem Eigentümer" nicht freigeben könne. "Die derzeitige Gestaltung halten wir für zu freizügig. Bedenken Sie bitte, dass unser Unternehmen auch den kompletten Schülerverkehr im Landkreis Barnim erbringt und hier eine besondere Verantwortung hat", teilt Frank Wruck weiter mit. "Des Weiteren halten wir die Gestaltung auch der Verkehrssicherheit abträglich", informiert der Geschäftsführer der den Kreisen Barnim und Märkisch-Oderland gehörenden Busgesellschaft.

Für Tom Kräft kam die Absage nicht völlig überraschend. Bereits Ende März habe Frank Wruck in einem Gespräch Vorbehalte gegen die Werbung signalisiert, die auf einen Obus und einen Überlandbus der BBG-Flotte aufgebracht werden und am Strand liegende oder auf einer Couch sitzende Modells in Wäsche zeigen sollte. "Wir sind eine seriöse Firma und haben selbstverständlich auf jede aufreizende Pose verzichtet", sagt der Mitinhaber des Modehauses, der die Argumente des BBG-Geschäftsführers nicht nachvollziehen kann. "In Berlin werden Autofahrer an beinahe jeder Straßenecke mit weit freizügigeren Werbebotschaften konfrontiert", findet Tom Kräft. Und die Aussage, dass Schüler vor dem Anblick leichtbekleideter Damen geschützt werden müssten, sei erst recht abwegig. "Jede TV-Reklame ist gewagter. Und vom Internet und seinen grenzenlosen Möglichkeiten wollen wir gar nicht erst reden", sagt der Händler aus Eberswalde, den die Buswerbung in fünf Jahren um die 50 000 Euro gekostet hätte.

Als Barnimer Gesellschaft für die Busgesellschaft fungiert Vize-Landrat Carsten Bockhardt, der über Kreissprecher Oliver Köhler ausrichten lässt, dass die Entscheidung der BBG mit ihm abgestimmt sei und von ihm mitgetragen werde. "Es geht uns auch um den Versicherungsschutz. Wir wollen verhindern, dass das Unternehmen in Haftung genommen wird, weil ein Autofahrer einen Unfall baut, nachdem er vielleicht durch die Buswerbung abgelenkt wurde", teilt Oliver Köhler mit.

Der Geschäftsführer der BBG habe Ende März vorgeschlagen, Kräft & Kräft möge weniger anstößige Bestandteile der Kollektion bewerben, sagt Tom Kräft. "Doch das wäre für uns nie infrage gekommen. Denn wir haben 1991 mit dem Wäschehandel angefangen. Der ist noch immer unser Kerngeschäft, da steckt unser Herzblut drin", betont der Miteigentümer des Modehauses.

Für Frank Wruck steht fest, dass es gewiss freizügigere Reklame geben mag. "Aber für die und deren Folgen tragen dann andere die Verantwortung", urteilt der Geschäftsführer der BBG. In dem Vertrag mit dem Vermarkter sei ausdrücklich festgehalten, dass das letzte Wort in Sachen Reklame bei der Busgesellschaft liege.

Von den 109 Überlandbussen der BBG sind aktuell 63 mit Werbung belegt. Obusse können nicht mehr geordert werden: Zehn Strippenfahrzeuge rollen schon mit Reklame durch Eberswalde, eines ist bereits gebucht, ein weiteres reserviert.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG