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Gegen das Klima der Angst

Vom Bahnhof zum Marktplatz: Über die Eisenbahnstraße zieht der Tross zum Sitz der Kreisverwaltung.
Vom Bahnhof zum Marktplatz: Über die Eisenbahnstraße zieht der Tross zum Sitz der Kreisverwaltung. © Foto: MOZ/Julia Lehmann
Julia Lehmann / 08.06.2017, 19:22 Uhr
Eberswalde (MOZ) Eine Familie aus Tschetschenien, ein Mann aus Somalia, einer aus Eritrea, ein weiterer aus dem Tschad - es sind einige Geschichten, die Thomas Janoschka auf dem Bahnhofsvorplatz vorträgt. Etwa 200 Demonstranten haben sich dort am Donnerstagnachmittag versammelt, um gemeinsam mit Janoschka und anderen Aktiven aus der Willkommensinitiative "Barnim für alle" und der "Antifaschismusinitiative Eberswalde gegen die Abschiebepolitik im Barnim" auf die Straße zu gehen. In Begleitung der Polizei führt der Tross in Richtung Marktplatz und schließlich zum Verwaltungssitz des Landkreises.

Zuvor aber macht Thomas Janoschka klar: "Viele Flüchtlinge haben Angst. Sie schlafen nicht mehr, weil sie Angst haben, in der Nacht abgeholt zu werden." Er spricht von Fällen, bei denen Geflüchtete im Barnim, meist in den frühen Morgenstunden, durch Polizeibeamte aus ihren Betten gerissen und direkt zum Flughafen gebracht wurden. Meist wurden sie in andere europäische Länder abgeschoben.

Besondere Aufmerksamkeit bekam zuletzt ein Fall in einer Asylunterkunft in Lobetal. Dort sprang ein Mann aus Angst aus dem Fenster, als die Polizei die Abschiebung gegen einen anderen Bewohner umsetzen wollte.

Wie Oliver Köhler, Sprecher der Kreisverwaltung in Eberswalde, informiert, sind im Jahr 2016 sieben Menschen aus dem Barnim abgeschoben worden. Fünf weitere Personen sind entsprechend des Dublin-Verfahrens in die Länder zurückgeschickt worden, in denen sie zuerst europäischen Boden betreten hatten. In diesem Jahr hat es bereits 23 Abschiebungen sowie 20 Rückführungen gegeben. Gleichzeitig hält er fest, dass die Entscheidungshoheit über Abschiebungen nicht bei der Ausländerbehörde des Landkreises liege, sondern beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF).

Doch die Demonstranten kritisieren am Donnerstag nicht nur die Abschiebungen an sich, sondern auch die Art und Weise, wie diese ablaufen. "Schluss mit dem Klima der Angst", ruft Thomas Janoschka.

"Kein Mensch ist illegal, Bleiberecht überall" oder " Um Europa keine Mauer, Bleiberecht für alle und auf Dauer", ruft es aus dem Demo-Zug. Etliche haben Plakate und Transparente mitgebracht. Mütter mit Kindern, Familien, Geflüchtete, Aktive, Hunde - friedlich laufen die Demonstranten über Eisenbahn- und Friedrich-Ebert-Straße bis zum Marktplatz. Dort versammeln sie sich vor dem Paul-Wunderlich-Haus, an das auch die Kreisverwaltung angrenzt. "Wir wollen die Mitarbeiter der Ausländerbehörde und Landrat Bode Ihrke direkt ansprechen und zum Handeln bewegen", sagt Nadine Müller von der Willkommensinitiative.

Parallel dazu läuft auch eine Online-Petition zum Abschiebestopp. Bis Donnerstagabend hatten 438 Menschen im Barnim unterschrieben. 500 sind zunächst nötig (www.change.org/p/barnimer-landrat-bodo-ihrke-schluss-mit-den-abschiedbungen-im-barnim). Sie richtet sich an Bodo Ihrke und Ilka Zerche-Roch, Leiterin der Ausländerbehörde des Landkreises.

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