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Verzug an der Großbaustelle Karower Kreuz und geplante Brückenbauten nerven Pendler noch über Jahre

Verkehr
Wenn Widerlager heiraten

Andrea Linne / 12.01.2018, 06:15 Uhr
Bernau/Eberswalde (MOZ) Wer vom Barnim nach Berlin ein- oder auspendelt, weiß nicht, was ihn täglich erwartet. Der Kreisausschuss für Territorialplanung, Bauen und Wohnen ließ sich am Mittwoch von Jens Kulecki aufklären, wo es hakt. Der Projektleiter von DB Netze ist Herr über das Großvorhaben Karower Kreuz samt der Brückenbauten Richtung Bernau.

Dass es Anfang Januar nicht zu der geplanten wochenlangen Sperrung der S 2 und S 8 Richtung Birkenwerder kam, liegt am Bauverzug. Das Schweizer Unternehmen, das den Generalauftrag für den Umbau des Karower Kreuzes erhalten hat, konnte nicht termingerecht liefern.

Für Kulecki und seine Kollegen ein unbefriedigender Umstand. Das 200-Millionen-Euro-Projekt, das neben den zweigleisigen Fernbahn- und S-Bahn-Strecken samt Sicherungs- und Signaltechnik sowie zahlreicher Brücken und Kurvenlagen umfasst, schwimmt außerdem davon. Denn die schwierigen Bodenverhältnisse, die im Raum Panketal für Ungemach sorgen, beeinträchtigen auch die Baustelle östlich der Autobahn A 114.

Auf Fotos zeigte der Bauleiter den Mitgliedern des Barnimer Bauausschusses, wie neben den Gleisanlagen riesige Pfützen stehen und Betonfüße quasi in Seen baden. Deshalb sei auch ein Betriebsbeauftragter für Grundwasser eingesetzt worden, der genau beobachtet und überwacht, wie sich die Verhältnisse an der Großbaustelle verändern. Schließlich soll auch nichts Ungereinigtes in das Schichtenwasser gelangen. "Wir führen Brunnenbefliegungen durch und beobachten, wie sich die Erdmassen bewegen", sagte der Projektleiter vor den Abgeordneten.

Der ursprüngliche Fertigstellungstermin für die erste Bauphase, der 1. April, "ist gecancelt, der Verzug ist nicht aufholbar". Die sechswöchige S-Bahn-Sperrung soll im Früh- und Spätsommer erfolgen, bis dahin werde der Bau aber vorangetrieben. Und zwar derart, dass die Widerlager der Brücken jeweils seitlich der vorhandenen Ersatzgleise entstehen. Kulecki spricht davon, "dass die Widerlager dann am Ende heiraten" und meint das Zusammenschieben der Beton- und Stahlbauten, wenn alles andere anliegt. Zu vierwöchigen Sperrungen wird es auch auf der Strecke des RE 5 Richtung Oranienburg/Rostock/Stralsund kommen, wenn das neue Streckengleis an der Verbindungskurve durchgestochen werden muss. Der RE 3 bleibt voraussichtlich bis November nach Berlin-Lichtenberg umgeleitet.

Drei neuralgische Punkte nennt der Bauingenieur, den Kreuzungspunkt nach Berlin-Lichtenberg, den Abzweig Richtung Eberswalde und die Kreuzung mit dem Berliner Außenring. Die zu errichtenden Projekte tragen Nummern wie 6082 oder 6002. Dahinter stehen Gleise, Brücken, Kurven. Kulecki nennt die 50-seitige Übersicht aller Vorhaben "unser Mäusekino".

Aktuell werde mit dem Schweizer Unternehmen ein neuer Terminplan erarbeitet. Den Auftrag zu kündigen, wie einige Ausschuss-Mitglieder forderten, sei nur schwer möglich. Dann würde noch mehr Verzug eintreten. Ziel sei es, Ende des Monats Klarheit zu haben - mit allen Sperrzeiten. Kulecki ist Bernauer "und glauben Sie mir, ich verstehe alle Pendler".

Als Nächstes fertiggestellt werden die Eisenbahnbrücke Mewesstraße in Röntgental, das Tragwerk für den Bahnhofstunnel Röntgental und einer späteren denkmalgerechten Sanierung des Bahnhofs sowie die Gleise über die drei Brücken an der Zepernicker Chaussee. Auch hier war es im Vorsommer zu erheblichen Problemen im Baugrund gekommen. Dadurch fiel dann auch ungeplant der RB 24 aus.

Das gesamte Projekt der Stettiner Bahn über Karower Kreuz bis Berlin samt der Brücken bis Bernau soll bis 2020 stehen. Technologisch würden alle Varianten ständig angepasst, Vorhaben gebündelt. Die Öffentlichkeitsarbeit für Pendler zu verbessern, wie der Ausschuss riet, das nahm Kulecki mit.

Investitionen im Niederbarnim


■ Das Projekt Nordkreuz-Karow wurde ursprünglich auf rund 200 Millionen Euro beziffert. Außerdem ergänzt die Bahn AG einen 3,1 Kilometer langen Abschnitt um ein zweites Fernbahngleis und baut 13 Brücken neu. Die Strecke sollte Anfang April 2018 wieder freigegeben werden.
■ Parallel zum Kreuz sind 13 Brücken von Buch bis Bernau zu erneuern, die über hundert Jahre alt sind. Die Brücke Bahnhofstraße Röntgental, die Pankebrücke kurz vor Zepernick, die am Feldweg an der Schönower Straße und Schönerlinder Straße in Panketal folgen. Auch versucht die DB Netz laut Bauleiter Jens Kulecki, die Brücke über die Wiltbergstraße in Berlin-Buch im Zuge der aktuellen Straßenbausperrung umzusetzen. Später folgt dann die Brücke Pöllnitzweg.
■ Noch prüft die Bahn, wie sie die sechswöchige Sperrung der S 2 im Früh- oder Spätsommer in die parallel geplanten Arbeiten auf der Autobahn 114 und der Ortsdurchfahrt der B 2 in Malchow gestalten und Pendler entlasten kann. Bis Ende Januar soll dazu ein Terminplan vorliegen.

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