Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Verkehrszeichen für Schwertransporte entfernt / Autos kollidieren mit Mittelinsel

Verkehr
Schwere Unfälle auf B 273

Andrea Linne / 12.01.2018, 21:00 Uhr
Bernau/Wandlitz (MOZ) Eine Unfallserie beschäftigt nicht nur die Opfer, sondern auch die Polizei und den Landesbetrieb Straßenwesen. Wegen nächtlicher Schwertransporte wurden Verkehrszeichen auf aufgemauerten Mittelinseln der B 273 Richtung Wandlitz abgeschraubt. Autos krachten darüber. Es gab Verletzte.

Die Erste, die es traf, war Liane Kilinc aus Wandlitz. Sie war mit ihrem Dacia am 11. Dezember um 23.50 Uhr unterwegs. "Es war stockduster und hat geregnet", erinnert sie sich. Dann krachte es. Sie hatte eine aufgemauerte Mittelinsel übersehen. Normalerweise weist ein Pfeil auf blauem Grund den Fahrzeugen den Weg, denn die Bundesstraße verschwenkt an dieser Stelle. Liane Kilinc hob kurz ab und schleuderte nach eigenem Bekunden an die Leitplanken. Die Polizei sprach ihr gegenüber von "schwerem Eingriff in den Straßenverkehr". In der Ferne habe ein Sicherungsfahrzeug für einen Schwertransport gestanden. "Aber ich war geschockt, da habe ich mir kein Kennzeichen notiert", bedauert die Wandlitzerin.

Ähnlich erging es der gerade 20-jährigen Lisa-Mari Schlief. Sie fuhr am 19. Dezember kurz vor 23 Uhr auf der Bundesstraße Richtung Bernau. "Ich konnte nicht aufblenden, weil ein Auto entgegenkam. Dann sah ich das Hindernis. Ich habe draufgehalten." Das Auto knallte über die Insel, Reifen waren platt. "Ich hatte Rücken- und Nackenschmerzen", erzählt die junge Frau. "Die Polizei meinte zu mir: ,dumm gelaufen'."

Ein dritter, ähnlich gelagerter Unfall soll sich am 12. Dezember, also einen Tag nach Liane Kilincs Crash, ereignet haben, weiß die Wandlitzerin, die allerdings den Namen des Fahrers nicht kennt.

Die Sprecherin der Polizeidirektion Ost, Bärbel Cotte-Weiß, bestätigt zwei der genannten Unfälle. Sie schreibt: "Am 11. Dezember um 23.50 Uhr fuhr die Fahrerin eines Pkw Dacia von der Autobahn 11 in Richtung Wandlitz. In Höhe des Kiosks kollidierte sie aus Unaufmerksamkeit mit der Leitplanke. Sie blieb unverletzt. Der Pkw musste abgeschleppt werden." Für den 12. Dezember sei kein Unfall bekannt. Am 19. Dezember wurde zumindest aufgenommen: "Gegen 22.45 Uhr fuhr der Fahrer eines Pkw Mitsubishi vom Kreisverkehr (B109/B273) in Richtung BAB 11. Nach circa 200 Metern fuhr er über eine Mittelinsel. Die Begrenzungspfeiler auf der Insel fehlten. Der Fahrer blieb unverletzt. An seinem Pkw entstand Sachschaden in Höhe von circa 3000 Euro."

Der Landesbetrieb Straßenwesen (LS), der die Baulast auf der Bundesstraße trägt und Schwertransporten nötige Papiere ausstellt, bedauert die Vorfälle. Sprecherin Cornelia Mitschka teilt mit: "Nach Rückfrage bei der Polizei ergibt sich für uns der Sachverhalt, dass zwar die Unfälle bekannt sind, jedoch nicht die Unfallverursacher - wahrscheinlich wurden im Zuge der Schwerlasttransporte die Beschilderungen nicht wieder so aufgestellt, wie es vorgeschrieben ist." Und weiter: "Die Firmen, die Schwerlasttransporte durchführen, sind verpflichtet, für den kurzzeitigen Ab- und Aufbau der Verkehrszeichen selbst zu sorgen - das ist unter anderem Inhalt der entsprechenden Bescheide, die vom LS erteilt werden. Welche Bescheidinhaber im konkreten Fall ihren Pflichten nicht nachgekommen sind, ist im Moment nicht bekannt, die Polizeiinspektion Barnim gelangt eventuell im Rahmen der Ermittlungen noch zu entsprechenden Erkenntnissen."

Tröstlich ist das für die Unfallopfer nicht. Sie müssen jetzt eigene Rechtsbeistände hinzuziehen und Anzeigen gegen Unbekannt bei der Polizei stellen. Nur so kommen sie vielleicht zu ihrem Recht.

Verkehrsrechtler Thomas Hanisch, der als Experte in diesen Fragen gilt, erläutert die Rechtslage. "Grundsätzlich ist für alle Belange der Träger der Straßenbaulast zuständig, für Bundesstraßen ist der Bund zuständig. Die Straßenverkehrsbehörden sind zu Kontrollfahrten verpflichtet und ersetzen fehlende Verkehrszeichen."

In diesem Fall sagt der Anwalt: "Für Schwerlasttransporte sind Genehmigungen einzuholen, in dem Zusammenhang sorgt die verantwortliche Spedition oder eine delegierte Dritte für einen reibungslosen Ablauf. Zur Durchführung des Transportes dürfen dann Verkehrszeichen und Einrichtungen demontiert werden und sind sofort wieder zu installieren." Denn Verkehrszeichen gelten als "behördliche Verwaltungsakte". Und "der Ursprungszustand" müsse unmittelbar "wiederhergestellt werden". Dabei sei die Stelle unbedingt zu sichern. "Konkrete Angaben finden sich in den Richtlinien für die Sicherung von Arbeitsstellen an Straßen RSA und MVAS." Um ihre Ansprüche durchzusetzen, sollten die Betreffenden unbedingt einen Rechtsbeistand hinzuziehen. Nur der habe Einsicht in Ermittlungsakten. Hanisch: "Die Durchsetzung kann sich langwierig gestalten, da die Polizei die Verantwortlichen ermitteln muss."

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Harald Fiedler 14.01.2018 - 16:57:43

"Opfer" hat Mittelinsel übersehen? Normalerweise weist ein Pfeil auf blauem Grund den Weg?

Ich versteh's nicht! Da donnert jemand wegen Unaufmerksamkeit (Handy ??) und/oder überhöhter Geschwindigkeit (Ich kann nur so schnell fahren, wie ich die vor mir befindliche Straße einsehen kann) auf ein bekanntens Hindernis, und dieser Jemand ist sogar aus der Gegend - und dann sucht man nach Schuldigen? Sogar mit Anwalt? Sollten "Verkehrsrechtler" nicht darauf hin arbeiten, daß nicht alle wie bekloppt auf der Straße herumfahren? Öffentliche Gelder sollten nicht genutzt werden, idiotisches Verhalten Einzelner zu fördern!

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG