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Neue AG Rad mit Regelung in Heegermühler Straße einverstanden / Gruppe fordert weitere Verbesserungen

Rad AG
Lobby für den Schutzstreifen

Bald überall in Eberswalde? Die Streifen mit den Drahteseln weisen Radlern ihren ohnehin geschützten Bereich zu.
Bald überall in Eberswalde? Die Streifen mit den Drahteseln weisen Radlern ihren ohnehin geschützten Bereich zu. © Foto: MOZ/Marco Marschall
Marco Marschall / 13.02.2018, 07:30 Uhr
Eberswalde (MOZ) Mit der AG Rad haben die Fahrradfahrer in Eberswalde eine Lobby, die auf die Umsetzung des Radnutzungskonzepts der Stadt drängt. Neben der Forderung nach mehr Fahrradstellplätzen und abgesenkten Bordsteinkanten werden auch Schutzstreifen befürwortet.

Mehr als 2000 Unterschriften hat die Bürgerinitiative gegen den Radschutzstreifen in der Heegermühler Straße gesammelt. Die alte Verkehrsführung möge wieder hergestellt werden, so ihre Forderung. Und zwar ohne die gestrichelte Linie, die den Radfahrern ihren eigenen Bereich einräumt. "Einfach nur zu sagen "wir sind dagegen' greift ein bisschen kurz", sagt hingegen Richard Bloch von der AG Rad in Eberswalde.

Für ihn und seine Arbeitsgruppe stellt sich schlicht die Frage nach der Alternative. Die derzeitige Lösung mit den Schutzstreifen sei für Autofahrer keine große Einschränkung. Immerhin gebe es für Autos keine Barriere. Die Linie darf, sofern dies keinen Radfahrer gefährdet, überfahren werden. "Wir sind aber nicht gegen Autos, sondern für Radfahrer", betont Bloch.

Ähnlich wie einige seiner Mitstreiter ist das AG-Mitglied in der Stadt kein Unbekannter. Bloch sitzt im Vorstand der SPD Eberswalde und als sachkundiger Bürger im Ausschuss für Bau, Planung und Umwelt. AG-Mitglied Christian Wapler war bis Ende der 1990er Stadtverordneter und lebt heute in Werbellin. Henning Golüke ist Klimaschutzmanager der Hochschule für nachhaltige Entwicklung, Fabian Wulf Mitarbeiter an der HNE und im Hebewerk-Verein aktiv. Zusammen stehen sie im Austausch mit vielen Radfahrern, sagen sie. Acht Personen gehören zum festen Kern der AG, die sich im vergangenen Sommer zusammenfand. Weitere Mitstreiter erwünscht.

Erwünscht ist auch der Dialog mit der Bürgerinitiative (BI) gegen den Radschutzstreifen. "Wir können gut mit dem Radstreifen leben und sind da anderer Meinung als die BI. Wir wollen uns aber gern mit ihnen auseinandersetzen", sagt Fabian Wulf. "Wir wollen einfach nicht, dass Fahrradinfrastruktur zurückgebaut wird", so Henning Golüke.

Beim Schutzstreifen in der Heegermühler Straße handelt es sich um eine Maßnahme von Stadt und Landesbetrieb Straßenwesen. Sie ist im Eberswalder Radnutzungskonzept so vorgesehen. Die Bürgerinitiative gegen den Streifen schlägt bereits Alarm. Denn es sind weitere solcher Verkehrsführungen angedacht.

Bei der AG Rad hingegen freut man sich übers Konzept und will darauf drängen, dass weitere Punkte daraus umgesetzt werden. Allerdings brauche es eine stärkere Priorisierung, meint die Gruppe. Die Heegermühler Straße zum Beispiel müsse weiter angebunden werden. Außerdem steht die Straße Richtung Nordend im Fokus. Hinter der Friedensbrücke nämlich höre der Radweg einfach auf. Dabei sei die Fahrbahn dort breit genug.

Doch nicht nur Großprojekte in Sachen Fahrradverkehr möchte die AG vorantreiben. "Wir finden Radfahren einfach toll und wollen, dass es weiter gefördert wird", sagt Henning Golüke vereinfacht. Wer die weitaus geringere Zahl von Radlern ins Feld führe, um gegen den Ausbau ihrer Infrastruktur zu argumentieren, gehe falsch an die Sache heran. Erst die richtige Infrastruktur mache das Radfahren attraktiv. "Dazu gehören zum Beispiel auch abgesenkte Bordsteinkanten, Ampelschaltungen und Fahrradstellplätze", sagt Christian Wapler. Radfahrer müssten noch viel kämpfen, um ernst genommen zu werden. Waplers Credo: "Wir sollten alles tun, damit mehr Leute vom Auto aufs Fahrrad umsteigen und Eberswalde auf diese Art lebenswerter machen."

An Argumenten für ihre Sache mangelt es der AG nicht. "Radfahren bedeutet etwas für die Gesundheit zu tun. Es verringert Emissionen, schont Ressourcen und der Flächenverbrauch ist geringer", so Richard Bloch. Schließlich kämen acht bis zehn Fahrräder auf einen einzigen Autostellplatz.

Mehr zur AG: agradeberswalde.wordpress.com

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Stefan Kreher 16.02.2018 - 21:21:05

Auch kein Sachverstand

Was das Überfahren des Schutzstreifens angeht haben Sie natürlich recht. Nicht aber, was die Sicherheit der Radfahrer angeht. Sie konstruieren hier um ihren Standpunkt zu untermauern. Bei einem Radweg auf Gehweghöhe gäbe es die gleichen Probleme. Und das Autofahrer den Fahrstreifen wechseln, also komplett, um Radfahrer zu überholen erlebt man nur sehr selten. Was Ihr Umweltargument angeht kann man entgegnen, dass es erstens nicht zu solch großer Beeinträchtigung kommt wie sie darstellen und zweitens nur eine gute Infrastruktur die Bürger anregt das Fahrrad zu nutzen. Belegen kann ich das nicht, weil ich keine fiktiven Werte nennen will (80%...)

tim van rissen 14.02.2018 - 17:55:57

Gemeinsam radfahren, verbessern und entwickeln

Seit 40 Jahren lebe ich in Eberswalde und fahre sowohl mit dem Auto als auch mit dem Rad. Das Auto lasse ich so oft wie möglich stehen, weil die Vorteile des Radfahrens auf der Hand liegen: Es verursacht weder Lärm noch Schadstoffe, beim Abstellen des Fahrzeugs wird sehr wenig Platz benötigt und es hält mich körperlich fit, was nicht nur mir selbst sondern auch meiner Familie und meinem Arbeitgeber zugutekommt. Ich stehe im Öffentlichen Dienst. Die Reihe der Vorteile ließe sich auch noch verlängern. Was immer deutlich wird: die Vorteile des Radfahrens nützen meist nicht nur dem Einzelnen, sondern haben auch Vorteile für die Gemeinschaft. Und eben nur das kann der Anknüpfungspunkt für die weitere Stadtentwicklung sein. Deshalb ist es angebracht, das Radwegenetz und den öffentlichen Nahverkehr in Eberswalde weiter auszubauen und zu optimieren. Wie in vielen Lebensbereichen ist dafür das Nutzen der vorhandenen Strukturen der beste Ausgangspunkt. Lasst uns gemeinsam Radfahren und dann ausloten, wie die Wege verbessert und erweitert werden können.

Holger Leutz 13.02.2018 - 12:26:07

Doch kein Sachverstand

Die Radfahrer waren bei zwei Fahrspuren sicherer als heute. Ein Pkw musste zum überholen des Radfahrers die Spur wechseln. Es wurde bis jetzt keine Radfahrer in Eberswalde von hinten überrollt. Die Unfälle entstehen beim Abbiegen, wenn sich der Radfahrer im toten Winkel befindet. Dies wird nun gefördert. Ein Herr Bloch der als angeblich sachkundiger Bürger in Ausschüssen mitarbeitet, sollte sich sachkundig machen, denn es ist nur in Ausnahmefällen erlaubt den Schutzstreifen zu überfahren , z.B. wenn das voraus fahrende KFZ wegen links abbiegen halten muss. Ein ständiges Überfahren ist untersagt. Wie ein Klimaschutzmanager es gut heißt, das wegen der wenigen Radfahrer in Eberswalde der Schadstoffausstoß durch den stockenden Verkehr unverhältnismäßig nach oben getrieben wird kann man nicht nachvollziehen. Eigentlich ein Kündigungsgrund für die HNE. In der Breiten Straße kann man auch täglich das nutzungsverhalten der Radfahrer beobachten. 80 % der Radfahrer fährt komischerweise auf dem Fußweg und nicht auf dem Schutzstreifen.

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