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Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) zu Gast bei der Bürgerstiftung Barnim-Uckermark in Eberswalde

Bürgerstiftung
Fast eine Heimatvisite

Viola Petersson / 09.04.2018, 07:00 Uhr
Eberswalde (MOZ) Sie kam 30 Minuten zu spät. Und dennoch war sie schnell. Die Schnellste überhaupt. Kein Bundesminister dürfte je eher der Barnimer Kreisstadt seine Aufwartung gemacht haben. Gut drei Wochen nach ihrer Vereidigung war Franziska Giffey (SPD) bei der Bürgerstiftung zu Gast.

Franziska Giffey, seit Mitte März Bundesfamilienministerin, fährt in einer schwarzen Limousine vor. Trotzdem: Dies ist kein Protokollbesuch. Dies wird schnell klar. Zwanglose Begrüßung. Zunächst der Parteifreunde, etwa des Landtagsabgeordneten und Landratskandidaten Daniel Kurth. Dann des Gastgebers. Franziska Giffey, im bunten Frühlingskleid, nimmt sich an diesem Freitag Zeit. Zeit für Gespräche, zum Zuhören, für Fotos. Hinterher stellen die Akteure der Bürgerstiftung Barnim-Uckermark fest: „Die Frau weiß, wovon sie spricht.“ Was kaum verwundert. Immerhin war sie zuletzt Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Neukölln. Wenn einer die Probleme an der Basis, die Herausforderungen bei der Integration von Flüchtlingen kennt, dann sie. Eine Frau, die von sich selbst sagt, sie habe einen „ostdeutschen Migrationshintergrund“. Weshalb sich die gebürtige Ostbrandenburgerin denn auch für das Thema Integration in Eberswalde interessiert.

Zunächst zeigen die Gastgeber der 39-Jährigen jedoch das Bürgerbildungszentrum, wo die Stiftung mit der Freiwilligenagentur ansässig ist, stellen die Stiftung selbst vor, informieren über einige Projekte. Etwa jene zwei, die über Förderprogramme des Bundesfamilienministeriums finanziert werden: „Menschen stärken Menschen“ und „Demokratie leben“. Geschäftsführer Kai Jahns, Stifter Prof. Wilhelm-Günther Vahrson und Co. erzählen von der Kinder- und Jugend-Uni, vom Flüchtlingsfonds der Stiftung ...

Etwa 1000 Geflüchtete hat Eberswalde aufgenommen, erfährt der Gast. Viel mehr als manch andere Kommune, was auch mit der Wohnungssituation zu tun habe, wie Kurth erklärt. Und wie sieht es mit der Integration aus? Klar gebe es Probleme und „Verteilungsdebatten“, heißt es in der Runde, ohne dass etwa explizit das Brandenburgische Viertel erwähnt wird. Insgesamt aber sei man auf einem guten Weg. Dank auch des großen bürgerschaftlichen Engagements in der Stadt, dank einer sehr guten Vernetzung der Akteure, einer Willkommenskultur, dank eines Klimas, das Jahns mit den Worten „Wir sind eine offene Gesellschaft“ beschreibt. Aber es brauche auch weiterhin Unterstützung. Durch Bund und Land.

Franziska Giffey will es genau wissen, hakt nach. Wo klemmt es? Marieta Böttcher, bis vor Kurzem Integrationsbeauftragte im Kreis, spricht etwa über die Engpässe bei Sprachmittlern. Mitunter müssten wegen des Mangels Kinder übersetzen, berichten die Mitstreiter. Bei Arztbesuchen oder Elterngesprächen in Kitas und Schulen eigentlich ein Unding. Giffey weiß um diese Schwierigkeit. Sie notiert sich den Fall trotzdem.

Und schon ist man bei der nächsten Herausforderung, vor der Eberswalde steht. Es fehlen Kita-Plätze. Für Flüchtlingskinder, für deutsche Kinder. Und es fehlen Kita-Erzieherinnen. „Das ist ja genau mein Thema“, fährt Giffey dazwischen. Das erste Gesetz, das sie auf den Weg bringen will, sei das „Kita-Qualitätsentwicklungsgesetz“. Der Bund wolle 3,5 Milliarden Euro in dieser Legislatur für eine qualitative Stärkung der Einrichtungen, zur Unterstützung der Länder bereitstellen. Und: „Wir müssen die sozialen Berufe aufwerten“, will Giffey betont wissen. „Das ist für mich Thema Nummer eins.“ Das gelte für Erzieher genauso wie für Pflegekräfte. Ohne eine bessere Entlohnung sei die Frage der Fachkräftesicherung nicht zu lösen. „Das fängt bei der Ausbildung an.“ Konsens.

Noch ein Foto fürs „Familienalbum“ der Bürgerstiftung, die im Juni 15 wird, mit dem prominenten Gast. Nebenbei erzählt Giffey von ihrer Kindheitserinnerung, die sie mit Eberswalde und der Region verbindet. Vom Hebewerk in Niederfinow. „Wo die Schiffe Fahrstuhl fahren. Sehr spannend.“

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