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Mücken finden in Eberswalde gerade gute Bedingungen / Ob das den Sommer über so bleibt, ist aber ungewiss

Mücken
Beste Bedingungen im Barnim

Das Surren hat begonnen: Hier hat eine Mücke ihren Rüssel in den Arm eines Mannes gebohrt. Das im Blut enthaltene Eiweiß benötigt die Mücke für Produktion ihrer Eier. Abgelegt in geschützte, warme Gewässer finden die dann schlüpfende Larven beste Bedingungen. Wie aktuell im Barnim.
Das Surren hat begonnen: Hier hat eine Mücke ihren Rüssel in den Arm eines Mannes gebohrt. Das im Blut enthaltene Eiweiß benötigt die Mücke für Produktion ihrer Eier. Abgelegt in geschützte, warme Gewässer finden die dann schlüpfende Larven beste Bedingungen. Wie aktuell im Barnim. © Foto: Patrick Pleul
Julia Lehmann / 17.05.2018, 06:00 Uhr - Aktualisiert 18.05.2018, 11:42
Eberswalde (MOZ) Eines schickt Doreen Walther gleich vorweg. In die Zukunft schauen, das kann auch sie nicht, so die Biologin und Mückenexpertin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg (Märkisch-Oderland). Wie sich die Mückenpopulationen den Sommer über entwickeln, hänge vom Wetter ab. Voraussagen seien schwierig.

Zurzeit sind besonders viele Hausmücken ausgeschwärmt. Diese haben bereits als flugfähige Mücke in Kellern oder Baumritzen überwintert. In dieser Zeit regulieren sie ihren Stoffwechsel auf ein Minimum herunter. Dabei tragen sie bereits Eier sowie eine Blutmahlzeit in sich, so Doreen Walther. Wenn die Temperaturen steigen – und im Barnim ist das in kurzer Zeit sehr schnell passiert –, legen die Tiere Eier in geeignete Gewässer ab, aus denen recht schnell Larven schlüpfen.

Etwa 50 Mückenarten gibt es in Deutschland. „Die wenigsten Menschen können diese voneinander unterscheiden“, sagt Doreen Walther. Nur etwa eine Handvoll dieser Arten sind in der Lage, zu überwintern. Andere Arten verfolgen die Strategie, ihre Eier bereits vor dem Winter in Senken und Mulden abzulegen. Kommt der Frühling füllen sich diese mit Schmelzwasser, die Larven schlüpfen.

Der Barnim ist charakteristisch für seine unterschiedlichen Landschaftsstrukturen. Wälder, Gräber und Wiesen schaffen perfekte Lebensbedingungen für Mücken. Wer derzeit in Wäldern unterwegs ist, kann feststellen, dass Mücken nicht etwa nur in der Nähe von Seen und anderen Gewässern auftauchen. Sie benötigen zwar Wasser, um sich zu vermehren, dazu reichen aber häufig schon geringe Mengen.

Und: Nicht alle Mückenarten stechen auch. Die die am häufigsten in der Region zu finden und sticht, ist sicher die gemeine Stechmücke. Das für Menschen und Tiere lästige Verhalten dient aber nicht etwa der Nahrungsaufnahme, erklärt die Biologin. Mücken benötigen das Blut, explizit das darin enthaltene Protein, um Eier zu produzieren. Wie die männlichen Tiere ernähren sich auch die weiblichen von Pflanzennektar. Mücken selbst sind wiederum eine wichtige Nahrungsgrundlage für viele Vogel- und Amphibienarten.

Wie können uns Mücken überhaupt wahrnehmen? „Mücken können sich sehr gut orientieren“, sagt Doreen Walther. Und das über Kilometer. Sie müssen aber meist gar nicht lange suchen, bis sich ein passender Wirt findet – egal, ob Mensch oder Tier. Mücken registrieren Säugetiere über das in der Atemluft enthaltene Kohlendioxid. Zudem enthält der Schweiß auf der Haut chemische Reize. So unterschiedlich wie dieser Geruchs-Mix bei Menschen ist, so unterschiedlich können auch die Mittel sein, die helfen, Mücken fernzuhalten, gibt Doreen Walther zu bedenken. Soll heißen: Was bei dem einen hilft, kann bei dem nächsten wirkungslos bleiben. „Lavendel- und Zitronenöl, Knoblauch oder aber gleich die Chemiekeule“, zählt die Wissenschaftlerin einige Beispiele auf.

Trotzdem die Tiere auch Viren übertragen können, sind Mücken in unseren Breitengraden in der Regel ungefährlich. Die Gefährlichkeit hänge davon ab, inwiefern eine Mückenart in der Lage ist, einen Krankheitserreger aufzunehmen und wieder abzugeben. Es gebe viele Ausschlusskriterien, die das verhindern, sagt Doreen Walther. Meist handelt es sich um den Batai- oder Sindbis-Virus. Beide verursachen Symptome einer Sommergrippe; haben also eher einen milden Krankheitsverlauf. Nerven können Mücken aber trotzdem. Egal, was wir tun: „Wir werden für Mücken immer attraktiv sein“, so Doreen Walther.

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