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Aufschwung
Bahnwerker auf Erfolgsspur

Sven Klamann / 02.06.2018, 07:15 Uhr - Aktualisiert 02.06.2018, 12:05
Eberswalde (MOZ) Bis Ende dieses Jahres könnte das Werk Eberswalde der Schienenfahrzeugbau Wittenberge GmbH wieder bis zu 120 Mitarbeiter zählen. Ein weiterer Aufwärtstrend wird angestrebt. Der größte Industriebetrieb der Barnimer Kreisstadt ist auf die Erfolgsspur zurückgekehrt.

Für die Radsatzwerkstatt, das Herzstück des Werkes, ist die Auftragslage so gut, dass kurzfristig ein Drei-Schicht-System eingerichtet wird. Auch das neue zweite Standbein, die Wartung und Instandhaltung von Reisezügen, entwickle sich prächtig, sagt Oliver Wiechmann, der für den kaufmännischen Part verantwortlich ist und sich die Geschäftsführung mit dem Produktionsleiter Heiko Prötsch teilt. „Wir haben in den kommenden beiden Monaten für den Standort Eberswalde mehr als genug Arbeit und bereits viele Mut machende Anfragen für die Zeit danach“, betont Oliver Wiechmann, der Autos verkauft hat, bevor er im November 2014 bei der Schienenfahrzeugbau Wittenberge anfing, die eine Tochter der Deutschen Eisenbahn Service AG (DESAG) mit Sitz in Putlitz, Prignitz, ist.

Viel zu lange waren nur Negativmeldungen aus dem ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerk gekommen. Im Oktober 2014 hatte die Deutsche Bahn AG für die Öffentlichkeit überraschend angekündigt, den Standort Eberswalde bis Ende 2016 stilllegen zu wollen. Den hektischen und am Ende nur scheinbar erfolgreichen Rettungsversuchen, in die das Land Brandenburg, der Kreis Barnim und die Stadt Eberswalde eingebunden waren, folgte zum 1. Januar 2017 die Übernahme des Werks durch die Quantum Capital Partners AG mit Sitz in München. Doch die flugs gegründete Eisenbahnwerk Eberswalde GmbH war schon nach drei Monaten insolvent. Die Zahl der Bahnwerker ist seit Oktober 2014, als noch 500 Beschäftigte in Lohn und Brot standen, kontinuierlich gesunken. Beim Neustart Nummer zwei, als die DESAG den Betrieb zum Januar dieses Jahres übernahm, war mit 74 Mitarbeitern der Tiefstand erreicht.

„Inzwischen hat sich unser Personalstamm auf 90 Leute erhöht“, betont Oliver Wiechmann. Es zeichne sich bereits ab, dass das Werk Eberswalde weiter wachsen werde. „Doch es wäre unseriös, Zahlen über 2018 hinaus zu nennen. Ende dieses Jahres wollen wir jedenfalls wieder 100 bis 120 Leute an Bord haben“, kündigt der kaufmännische Geschäftsführer an, der sein Büro im Nebenraum einer Produktionshalle hat. Der neue Betreiber hat den Betrieb schlanker aufgestellt und kommt unter anderem ohne Verwaltungstrakt und Kultursaal aus, die beim Insolvenzverwalter geblieben sind, der sich um die Vermarktung dieser Gebäude kümmert.

Die Nähe zur Produktion beschert Oliver Wiechmann einen kurzen Dienstweg – zum Beispiel zu Meister Manfred Jungnickel. Und umgekehrt. „Wenn ich etwas mit unserer Geschäftsführung zu klären habe, muss ich nicht erst um einen Gesprächstermin bitten“, sagt der Meister der Fahrzeuginstandhaltung, der 1973 im damaligen RAW begann. Die Aufbruchstimmung sei nach der viel zu langen Durststrecke  überall im Werk spürbar, berichtet Manfred Jungnickel, der in Eberswalde zu Hause ist und nie ernsthaft daran gedacht hat, sich eine neue Arbeit zu suchen. Inzwischen, berichtet er stolz, seien die ersten ehemaligen Bahnwerker, denen gekündigt worden war oder die selbst entnervt aufgegeben hatten, wieder da. „Wir alle kommen endlich wieder gern zur Arbeit“, sagt Manfred Jungnickel.

Eine der neuen Alten, wie sie sich selbst nennt, ist Katrin Ackermann aus Eberswalde, die 1988 im RAW begonnen hatte und das Werk im August 2017 nach dem Auslaufen einer Umschulung verlassen musste. „Seit dem 2. Mai bin ich wieder dabei“, freut sich die gelernte Schlosserin. Zu ihren Aufgaben gehört es wie früher, die erneuerten Radsätze mit Schablone und Sprühpistole zu typisieren.

Bei der Schienenfahrzeug Wittenberge GmbH ist das Werk Eberswalde von Anfang an der größte Standort. In Wittenberge selbst arbeiten nach Auskunft der Geschäftsführung 48 Beschäftigte, in einer Niederlassung in Meyenburg vier.

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