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Ministerium fragt Jugendliche mit und ohne Behinderung bei Inklusions-Forum in Eberswalde nach ihren Wünschen

Teilhabe
Inklusions-Forum für Jugendliche

Was ist uns wichtig?: Auf diese Frage durften Jugendliche aus Barnim und Uckermark beim Inklusions-Forum im Paul-Wunderlich-Haus in Eberswalde ausführlich antworten. In Gruppen wurde zusammengetragen, was erfolgreiche Teilhabe braucht. Hier die Märkische Schule aus Eberswalde.
Was ist uns wichtig?: Auf diese Frage durften Jugendliche aus Barnim und Uckermark beim Inklusions-Forum im Paul-Wunderlich-Haus in Eberswalde ausführlich antworten. In Gruppen wurde zusammengetragen, was erfolgreiche Teilhabe braucht. Hier die Märkische Schule aus Eberswalde. © Foto: Thomas Burckhardt
Julia Lehmann / 12.06.2018, 06:30 Uhr
Eberswalde (MOZ) Einen ganzen Aufgabenkatalog an die Politik haben die Jugendlichen beim Inklusions-Forum im Eberswalder Paul-Wunderlich-Haus erarbeitet. Schwerpunktthemen wie Mobilität, Mitspracherecht im Unterricht oder schnelles Internet betreffen alle, mit und ohne Behinderung.

Die zum Plenarsaal hin verspiegelten Arbeitsräume des Paul-Wunderlich-Hauses scheinen wie gemacht. Hatte doch das zweite Inklusions-Forum für Jugendliche im Alter zwischen 13 und 21 Jahren aus Barnim und Uckermark am Montag vor allem ein Ziel: mehr Teilhabe. Acht Bildungseinrichtungen für Jugendliche mit und ohne Behinderung sind zusammengekommen, um in Arbeitsgruppen Aufgabenlisten für die Politik zu formulieren. Darunter auch Eberswalder Einrichtungen wie die Ehm-Welk-Oberschule, das Berufliche Rehabilitationszentrum „Lebensträume“ des Berufsbildungsvereins Eberswalde, die Märkische Schule und die Oberschule Finowfurt.

Austragungsort ist zwar die Kreisverwaltung in der Waldstadt. Eingeladen hatte aber das Brandenburgische Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie mit Ministerin Diana Golze als Schirmherrin. Mit dieser Veranstaltungsreihe wird eine Maßnahme aus dem „Behindertenpolitischen Maßnahmenpaket 2016 der Landesregierung 2.0“ umgesetzt. Die Organisation hat die Kooperationsstelle Inklusion aus Potsdam übernommen. Leiterin der Vernetzungsstelle, Claudia Buschner, führt durch den Vormittag. Und sie hat sich eine selbstbewusste Ko-Moderatorin mitgebracht. Lea Nilufar Bräunling. Fragt man die elfjährige Potsdamerin was sich für Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen ändern muss, hält sie einen ganzen Schwung Antworten parat.

Lea selbst sitzt im Rollstuhl. Spinale Muskelatrophie nennt sich ihre Krankheit, Muskelschwund. Erfolgreicher Inklusion stehe im Alltag so einiges im Weg: „Die Einzelfallhelfer haben oft keine Ahnung“, sagt Lea. Um wie Schüler ohne Beeinträchtigung in die Schule gehen zu können, braucht sie Hilfe, einen Einzelfallhelfer. Um ihre Brotbüchse zu öffnen, um auf die Toilette zu gehen. Oft treffe sie auf ungelernte Kräfte, die noch dazu ständig wechseln. „Und man will ja nicht mit jedem auf die Toilette“, sagt die Schülerin. Nicht selten gäbe es gar keinen. Dann müsse Mutter Ute einspringen.

Es fehle also an Betreuungspersonal, auch für den Nachmittag. Hinzu komme der bürokratische Aufwand, jedes Jahr aufs Neue, sagt Ute Bräunling. Um sich die mühevolle Suche nach Pflege zu ersparen, geben Eltern ihre Kinder  häufig dann doch in eine Behinderteneinrichtung. Dabei sei Inklusion so wertvoll, für beide Seiten. „Wir können uns nicht erlauben, ein Kind im Bildungskreislauf zu verlieren“, so Bräunling.

„Wir sind gekommen, um eure Meinung zu hören“, sagt Diana Golze zu Beginn. Bis zur Auswertung der Arbeitsgruppen konnte die Ministerin zwar nicht bleiben, aber Ulf Voigt vom Referat Behindertenpolitik und Sozialhilfe im Ministerium versprach, alle benannten Punkte mitzunehmen und an die entsprechenden Einflussnehmer weiterzugegeben. Er ermutigte auch dazu, selbst aktiv zu werden und direkt das Gespräch zu suchen. „Eine Menge Hausaufgaben“, so Voigt, sind es dann aber doch für die Politik geworden.

Mitentscheiden. Das steht bei allen Einrichtungen oben an. Bei der Zusammensetzung der Klassen, im Unterricht oder der Freizeit. Häufig genanntes Problem ist Mobilität. Günstigere Fahrtickets und dichtere Takte bei Bus und Bahn würden gerade in dünn besiedelten Regionen mehr Eigenständigkeit bringen. Schnelle Internetverbindung wünschen sich die Schüler der Märkischen Schule Eberswalde. Wieder andere wünschen sich bessere Konditionen beim Wohnen während der Ausbildung, gesünderes und kostenloses Schulessen. Respektvoller Umgang ist immer wieder zu hören. Genauso der Wunsch der Aufwertung des Förderschulabschlusses. Problempunkte sind benannt, Geduld müsse man aber trotzdem haben, so Claudia Buschner.

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