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Jagdhornbläsergruppe spielt auf hohem Wettkampfniveau / Enge Verbundenheit mit den Wäldern der Schorfheide

Konzert
Dem Heiligen Hubertus zur Ehre

Susan Hasse / 27.06.2018, 06:45 Uhr
Schorfheide (MOZ) „Wo man singt, da lass dich ruhig nieder. Böse Menschen kennen keine Lieder“, heißt es. Demnach ist der Barnim ein guter Platz zum Verweilen. Denn die Region ist reich an Chören und Musikgruppen. In unserer Serie stellen wir sie vor. Heute: Die Jagdhornbläsergruppe Hubertusstock.

Der Weckruf schallt durch den Wald. Eindringlich, aber nicht aufdringlich. Unverkennbar wird hier zur Jagd geblasen. Wie schon seit Hunderten Jahren schallt auch heute noch das Jagdhorn durch die Wälder der Schorfheide. Die Jagdhornbläsergruppe Hubertusstock hat sich dieser alten Tradition des Jagdhornblasens verschrieben und spielt seit Jahren auf höchstem Niveau. Bereits seit 29 Jahren gibt es die Gruppe. Zu vielen Anlässen in der Gemeinde Schorfheide und darüber hinaus sind die Bläser zur Stelle.

„Jagdhornblasen ist Leidenschaft“, bringt es Lutz Hamann, der organisatorische Kopf der Formation auf den Punkt. Das Instrument biete, obwohl es im Vergleich zur  Trompete keine Ventile habe, unglaublich viele Facetten. Muskelkraft und Ausdauer sind gefragt, wenn es darum geht, den richtigen Ton zu treffen. „Jeder einzelne Ton muss mit Lippenkraft gemacht werden“, erklärt Hamann. Doch nicht nur jeder einzelne Ton muss sitzen, sondern auch das Zusammenspiel mit den anderen Bläsern.

Den Hubertusstockern gelingt das ziemlich gut: Bei Proben und Auftritten spürt man förmlich, dass sich die Gruppe quasi blind versteht. Bereits am ersten Ton, den Hamann anstimmt, erkennen sie welches Stück gespielt werden soll. Dabei umfasst das umfangreiche Repertoire sämtliche Jagdsignale, aber auch viele traditionelle Märsche und moderne Stücke.

Viele Menschen seien von den Klängen des Jagdhorns fasziniert. Das zeige sich immer wieder in den Reaktionen, so Hamann. Jährlich zum Neujahrstag pilgern beispielsweise mehr als 1500 Besucher zu dem von den Hubertusstockern rund um den gelernten Forstwirt Hamann initiierten Neujahrsblasen am Askanierturm. Sie alle wollen den Klängen der Waldhörner lauschen. Eindringlich und schön sind die häufigsten Adjektive, die man hört, wenn man fragt, was am Instrument fasziniert.

„Wir spielen Naturtöne und zudem ausschließlich in der Tonlage B. Das klingt in unseren Ohren angenehm und schön“, versucht Hamann die Faszination musikwissenschaftlich zu greifen. Doch Jagd und die dazugehörenden Tradition ist mehr. Es geht bei dieser wohl ältesten Kulturtechnik auch um Respekt vor dem Leben. Viele Jäger greifen zum Horn, wenn sie im Wald ein Tier erlegt haben. Mit dem entsprechenden Jagdsignal erweist man dem Tier die letzte Ehre.

Diese enge Verbundenheit mit der Natur und den Tieren des Waldes ist es letztlich auch, was die Jagdhornbläsergruppe Hubertusstock zusammenhält.  Im nächsten Jahr feiern die Bläser ihr 30-Jähriges. Rund zwölf Mitglieder hat die Gruppe heute. Der Ursprung liegt in der Jägergruppe des Betriebsberufsschule Bernau-Waldfrieden. Eine Gruppe Gleichgesinnter bildete sozusagen den Kern. Viele von ihnen wohnen berufsbedingt mittlerweile weit weg, bleiben der Gruppe aber weiterhin treu.

Seit 1989 leitet der Eichhorster Förster Lutz Hamann die Hubertusstocker und das mit Erfolg.  Die Gruppe nimmt regelmäßig an Wettbewerben im Land und auf europäischer Ebene teil. So etwa bei der Landesmeisterschaft. Die Bläser aus der Schorfheide landen dabei immer auf den vordersten Plätzen. Schon bei den Proben wird das Geheimnis des Erfolges deutlich: Mit Präzision und Genauigkeit leitet Hamann die Musiker an und übt im Zweifel mit jedem einzeln die Töne. „Eigentlich wurde mir attestiert, ich sei unmusikalisch“, lacht Birgit Großmann, ebenfalls von Anfang an dabei. Doch als sie vor rund 29 Jahren erstmals ins Jagdhorn geblasen hat, ist ihre Leidenschaft entbrannt. Sie liebt das Instrument und hält der Gruppe seither die Treue.

Nachwuchssorgen haben die Hubertusstocker nicht: Die Kinder der Mitglieder selbst verjüngen die Gruppe. Manchmal stößt auch ein neues Mitglied von extern dazu. Voraussetzung sei, dass es menschlich passe. Dann passe es auch rasch musikalisch.

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