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Hobbymusikerin und HNE-Studentin Theresa Jensch baut das Instrument aus Holz / Dritter Prototyp soll im Sommer entstehen

Forschungsprojekt
Holztechnik-Studentin baut Holzsaxofon

Langer Weg zum Holzsaxofon: Theresa Jensch (22) hat bereits zwei Prototypen für das Instrument gebaut. Dem größeren Modell kann sie zwei Töne im Abstand einer Oktave entlocken. Dazu benutzt sie das Mundstück ihres Tenorsaxofons.
Langer Weg zum Holzsaxofon: Theresa Jensch (22) hat bereits zwei Prototypen für das Instrument gebaut. Dem größeren Modell kann sie zwei Töne im Abstand einer Oktave entlocken. Dazu benutzt sie das Mundstück ihres Tenorsaxofons. © Foto: Thomas Burckhardt
Ellen Werner / 12.07.2018, 07:30 Uhr
Eberswalde (MOZ) Das Surfbrett, den Rollator und das Rad aus Holz gibt es schon. Ein Holzsaxofon könnte die Reihe der Neuentwicklungen an der Eberswalder Nachhaltigkeitshochschule bald ergänzen. Hobbymusikerin und Holztechnik-Studentin Theresa Jensch arbeitet an ihrem dritten Prototyp.

Erst ist es nur ein Rauschen. Theresa Jensch gibt etwas mehr Druck. Dann erklingt, weich und rauh zugleich, ein schöner, tiefer Ton – der schnell in ein unangenehmes Quietschen übergeht. „Ich müsste es eigentlich mal wieder zusammenzwingen“, sagt die 22-jährige Studentin.

Fürs Foto hat sie das schwere Instrument – von außen ein unförmiger Holzkloben, von innen ein Saxofon – auf den Birkenhügel vom Waldcampus geschleppt. Zusammengefügt ist es aus Hohlformen, die mittlerweile auseinanderklaffen. „Durch den Schlitz geht Luft verloren. Deshalb ist die Tonerzeugung schwierig“, erklärt Theresa Jensch.

Mit Blockflöte hatte sie angefangen, wechselte dann zur Querflöte und begann mit zwölf auch, Saxofon zu spielen. Nach wie vor musiziert sie leidenschaftlich gern, spielt unter anderem in der Eberswalder Band Madbadoo und Bands in Sachsen. „Am liebsten hätte ich Komposition studiert“, erzählt die Dresdenerin. Nach einem Jahr in Neuseeland fiel die Wahl aber auf Holztechnik. Vor knapp drei Jahren fing die Hobbysaxofonistin an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung (HNE) an.

„Ich mache das hier gern, aber die Musik kommt zu kurz“, stellte sie bald fest. Lässt sich auch beides miteinander verbinden? Theresa Jensch brachte die Frage auf den Gedanken, ein Holzsaxofon zu bauen. „Das ist genau das Mittelding.“

Im Praxissemester vor einem Jahr hat die HNE-Studentin ihr erstes Modell des hölzernen Pendants zum metallenen Tenorsaxofon gebaut. Die Idee war neu, glaubte sie. „Auf halber Strecke habe ich erstmal festgestellt: Das gibt es schon.“ Zwar wusste sie zuvor schon von dem Holzsaxofon eines Instrumentenbauers am Bodensee, das ähnlich einer Flöte mit Grifflöchern gespielt wird. Die angehende Holztechnikerin hatte sich indessen die Original-Mechanik vorgestellt, bei der die Tonlöcher mit Klappen verschlossen werden. „Am Anfang hatte ich nur auf deutschen Internetseiten geguckt und nichts gefunden“, erzählt sie. Während ihres Forschungsprojektes stieß sie auf Berichte über Saxofone aus Thailand und Indonesien, die bis hin zur filigranen Griffmechanik komplett aus Holz bestehen. „Das ist der Hammer“, bewundert die Studentin diese Handwerkskunst.

Ein Grund, ihre Arbeiten einzustellen, war die Entdeckung aber nicht. „Im außereuropäischen Raum werden die meisten Holzsaxofone aus Tropenhölzern gefertigt“, sagt sie. Sie wolle dagegen einheimische Hölzer verwenden, am besten Obstgehölze. Nadelholz, das sie bisher eingesetzt hat, eigne sich weniger. Je dichter das Material, desto ähnlicher werde es dem Metallklang.

„Krieg‘ ich da überhaupt einen Ton raus?“, war anfangs die Fragestellung. Theresa Jensch fand die Antwort mit einem Prototyp, für den sie aus zusammengeklebten Holzblöcken den Innenkörper eines Saxofons herausfräste. Zwei Töne im Abstand einer Oktave lassen sich darauf erzeugen. Beim Folgemodell, viel kleiner als das Original, aber innen und außen gefräst, ging es darum, ob eine sechs Millimeter starke Instrumentenwand stabil genug ist.

„Eigentlich ist das alles Teamarbeit“, betont Theresa Jensch. Hilfe fand sie im Hebewerk-Verein, im Technikum, bei einer Hochschul-Arbeitsgruppe und Kommilitonen. Für die Klappenmechanik will sie demnächst auch mit einem Instrumentenbauer aus Heidelberg zusammenarbeiten. „Das Schwierige“, sagt sie, „ist nicht, das Ganze zu bauen und zu erdenken, sondern das Können dieser Leute immer wieder so zu bündeln, dass es weitergeht.“

Für Modell Nummer drei – im Sommer soll ein Prototyp mit Grifflöchern  entstehen – gab es sogar finanzielle Unterstützung von der Hochschule. „Ich habe mein Metall-Saxofon ins CT geschoben“, erzählt die Studentin. Dank der Computertomografie ließen sich detaillierte Zeichnungen erstellen.

Bis zum Saxofon, dessen Intonation der Metall-Bauweise entspricht, ist der Weg noch lang. „Geht nicht, gibt’s nicht“, ist für Theresa Jensch aber klar. „Es ist einfach mein Herzensprojekt.“

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