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Forst mit High-Tech
Innovationsschau im Wald

Marco Marschall / 12.07.2018, 08:00 Uhr
Chorin (MOZ) Technische Innovationen machen vor der Arbeit im Wald nicht Halt. Beim Besuch der Staatsekretäre Carolin Schilde und Thomas Kralinski zeigte die Landesforst, welche High-Tech-Errungenschaften zwischen den Bäumen bereits zum Einsatz kommen.

Leise surrt das fliegende Auge über den Bäumen. Plötzlich muss die Bodencrew aus Staatssekretären, Forstleuten und Presse Platz machen. Die Drohne will landen. Pascal Ebert, der Mann an der Fernsteuerung, kann sie nur noch in die richtige Bahn lenken – so dass sie beim Runterkommen im Waldgebiet bei Chorin nicht in den Ästen hängen bleibt.

Der Energiespeicher des 14 500 Euro teuren Flugkörpers schwächelt. „Kurz bevor der Akku leer ist, kommt sie von allein zurück und landet“, erklärt Michael Kopka vom Landesbetrieb Forst. Ein Schutzmechanismus, der verhindern soll, dass das Gerät abstürzt. Maximal 20 Minuten beträgt die Laufzeit. Eine Ladung reicht, um ein Gebiet von 20 Hektar zu überfliegen.

Auf diese Weise will die Forst frühzeitig Schädlingsfraß erkennen. Etwa 1700 Hektar werden jedes Jahr von Kiefernspinner, Forleule und Nonne befallen. Satellitenbilder, auf die zur Waldüberwachung ebenfalls zurückgegriffen wird, liefern solche detailreichen Aufnahmen nicht. Außerdem könnte die Drohne zum Einsatz kommen, um das Ausmaß von Sturmschäden schneller abzuschätzen.

Noch ist sie nicht in den Arbeitsalltag der Forstleute integriert. Nur ein Modell wurde bisher angeschafft. Man befindet sich noch in der Experimentierphase. Bis sie, wie in der Landwirtschaft bereits der Fall, auch zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden kann, wird es noch dauern.

Trotzdem stößt die Drohne beim Besuch von Brandenburgs Agrar- und Umweltstaatssekretärin Carolin Schilde und Staatssekretär Thomas Kralinski, Bevollmächtigter des Landes Brandenburg beim Bund und Beauftragter für internationale Beziehungen, sowie der Traube aus Pressevertretern, die sie im Schlepptau haben, auf reges Interesse. Eine zweistündige Innovationsschau hat die Landesforst am Mittwochvormittag für die Gäste vorbereitet. Die Drohne ist bereits die letzte Attraktion des Termins.

Kurz zuvor wird dem Tross eine Technik vorgeführt, die sich schon seit acht Jahren im Einsatz befindet: die Holzvermessung mit dem sogenannten sScale-Dralle-System. Eine intelligente Kamera montiert auf dem Dach eines Geländewagens. Sie erfasst, wie viel Festmeter Holz auf den geernteten Stapeln aus gleichlang geschnittenen Baumstämmen am Wegesrand liegen.

Wo früher der Waldarbeiter zählen und messen musste, fährt nun einfach ein Auto in Schrittgeschwindigkeit vorbei. Das spart Zeit. Je größer der Stapel desto mehr. 30 Minuten würde die Handvermessung eines sogenannten Polters mit etwa 31 Festmetern in Anspruch nehmen. Mit der Dachkamera geht es deutlich schneller. „Jetzt sind es 30 Sekunden“, sagt Jens Kunze, Funktionsingenieur Holzvermarktung bei der Landesforst.

Er markiert die Stapel vorher mit Eckdaten wie Erntejahr und Revier und versorgt den Fahrer des Kamerawagens mit den GPS-Daten. Günter Schulze, am Steuer des Geländewagens, kann sich dann die Strecke für die Vermessung zusammenstellen. Mit der genauen Mengenzahl gehen die Holzpolter schließlich in die Vermarktung und werden von den Käufern aus dem Wald geholt. Beim Landesbetrieb Forst sind das etwa eine Million Festmeter pro Jahr. Vier Vermessungswagen sind dafür in ganz Brandenburg im Einsatz. Anschaffungskosten für Kamera- und Computertechnik: 20 000 Euro pro Fahrzeug.

Um zu wissen, wie viel Holz geschlagen werden kann, sind auch Stammwachstum und Saftfluss im Baum, abhängig vom Klima, entscheidend. Daran forscht das Thüneninstitut. Auf dessen Versuchsfläche in Britz bei Eberswalde machen die Staatssekretäre Bekanntschaft mit Deutschlands einziger twitternder Kiefer. Schon seit zwei Jahren informiert diese mit Hilfe des Kurznachrichtendienstes über ihr Befinden (#TreeWatchBritz). Aus Sicht von Jürgen Müller, Wissenschaftler am Thüneninstitut leistet der Baum auf diese Weise wichtige Lobbyarbeit für den Wald, der immer stärker mit Trockenheit zu kämpfen hat. Um der wachsenden Gefahr von Waldbränden zu begegnen, forscht das Thüneninstitut an einem neuen Frühwarnsystem. Bisher sind 107 Kameras in Brandenburgs Wäldern installiert. Sie sollen, wie der Name Firewatch deutlich macht, nach Feuer Ausschau halten. Beim System, das derzeit in Britz erprobt wird, sind es Sensoren, die die Wasserstoffkonzentration am Baum messen. „Ist ein bestimmter Schwellenwert erreicht, werden Ranger, Polizei oder Feuerwehr alarmiert“, erklärt Müller. „Der Sensor detektiert den Waldbrand bevor eine Flamme da ist.“ Solarpaneele versorgen die Messgeräte mit Energie. Noch handelt es sich um Prototypen. Wie bei vielen Innovationen, brauche es nun mutige Firmen, die diese umsetzen, wirbt Jürgen Müller.

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