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Diebstahl Tausender Radsätze aus Bahnwerk beschäftigt weiter die Justiz / Staatsanwaltschaft arbeitet an Anklage

Radsatz-Diebstahl
In die nächste Instanz

Bahn Symbolbild
Bahn Symbolbild © Foto: dpa/Oliver Berg
Viola Petersson / 12.07.2018, 19:53 Uhr
Eberswalde (MOZ) Der Fall gilt selbst in Justizkreisen als beinahe beispiellos. Zwischen 2010 und 2015 sind aus dem Bahnwerk Tausende Radsätze verschwunden. Den Erlös aus der illegalen Verwertung soll zu großen Teilen der ehemalige Lagermeister eingestrichen haben. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) will in Kürze die Anklage fertigstellen.

Die Wirtschaftsabteilung arbeitet mit Hochdruck an der Schrift. Aufgrund der Komplexität der Straftat seien die Ermittlungen aber noch immer nicht ganz abgeschlossen, erklärt die zuständige Dezernentin, Staatsanwältin Ricarda Böhme. Nachdem sie von der Zweigstelle Eberswalde den Fall übernommen hat, habe sie erneut Zeugen angehört. Jetzt gebe es Nachvernehmungen. Unter anderem mit Gabelstapler- und Speditionsfahrern. Eine zentrale Frage, der sie nachgeht, laute: Warum ist der Diebstahl niemandem aufgefallen? Wie konnten die Container mit den Radsätzen offenbar unbemerkt oder falsch deklariert – und zwar über Jahre – das Werk verlassen? Dies habe sie versucht, auch mit Hilfe der internen Prüfer des Bahnwerkes aufzuklären.

Die Ermittlungen, so Böhme weiter, richteten sich zunächst gegen vier Beschuldigte. Gegen einen, einen Lkw-Fahrer, sei das Verfahren mangels hinreichenden  Tatverdachts inzwischen eingestellt worden. Hauptverdächtig ist der Ex-Lagermeister aus dem Bahnwerk, der von 2010 bis 2015 dem Vernehmen nach mehr als 9000 Radsätze beiseite-geschafft haben soll. Dabei soll er gemeinsame Sache mit der damaligen Niederlassungsleiterin des Recyclingunternehmens TSR gemacht haben, das einen Betriebsteil in Finowfurt hat. Hinsichtlich der Delikte bzw. der konkreten Straftatbestände, die vor dem Landgericht angeklagt werden, will sich Böhme noch bedeckt halten. Sie lässt lediglich durchblicken, dass der oder die Täter mit „empfindlichen Freiheitsstrafen“ zu rechnen hätten. Auf ein Aussetzen zur Bewährung dürften sie mit Blick auf das Ausmaß und die Schadenshöhe, die eine Million Euro übersteigt, nicht hoffen, so Böhme.

Abseits der strafrechtlichen Aufarbeitung und Bewertung des Falls hat das Arbeitsgericht Eberswalde den Ex-Bahnwerker jüngst bekanntlich zu Schadenersatz in Höhe von 2,4 Millionen Euro gegenüber seinem früheren Arbeitgeber verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Beklagte, der die Tat bis zum Schluss bestritten hat, kann noch  Berufung einlegen. Wie Richter Steffen Marx bestätigt, sei dieses Verfahren einmalig für die Eberswalder Behörde. Sowohl in puncto Verfahrensdauer, die Verhandlungen zogen sich mit der umfangreichen Beweisaufnahme über fast zwei Jahre, als auch in puncto Schadenshöhe. Wobei er den heute 51-jährigen Beklagten selbst „nie gesehen“ habe vor Gericht. Sein Anwalt hatte stets ein ärztliches Attest vorgelegt. Wenige Monate zuvor hatte das Gericht den Ex-Bahnwerker und seine mutmaßliche Komplizin bereits zu Schadenersatz gegenüber der Schrottfirma in Höhe von knapp 500 000 Euro verurteilt. Dieses Urteil haben die Beklagten angefochten. Die Akte liegt nunmehr beim Landesarbeitsgericht..

Das Arbeitsgericht sei für alle Ansprüche zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber zuständig, die sich aus dem Arbeitsverhältnis ergeben, erklärt Marx auf Nachfrage. Genau deshalb habe sich die Eberswalder Behörde mit der Causa befasst. Im konkreten Fall habe das Bahnwerk Schadenersatzansprüche geltend gemacht. Über 2,5 Millionen.   „120 000 Euro sind auf der Strecke geblieben“, so Marx. Die Bahn konnte die Forderung also nicht in voller Höhe durchsetzen. Gleichwohl: Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der ehemalige Mitarbeiter mindestens 8792 Tonnen Stahlschrott entwendet und in die eigene Tasche gewirtschaftet hat. Im Zuge der Verfahren hatte Justizia gleich zu Beginn Vermögenswerte gesichert, unter anderem Immobilien, Fahrzeuge sowie Bargeld.

Die Causa beschäftigte das Arbeitsgericht seit 2015, als der Bahnwerker und die TSR-Mitarbeiterin nach Entlassung  Kündigungsschutzklagen einreichten.

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