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Jugendliche aus acht Ländern treffen auf Wissenschaftler / Auch Baden und Sport sind bei Zahlen-Assen angesagt

Internationales Känguru-Camp in der EJB
Mathe am See

Optische Täuschung: Wie sich mit den übereinanderliegenden Mustern beeindruckende Seh-Effekte erzeugen lassen, erforschen Wojciech Drozd (vorn) aus Polen und die anderen Teilnehmer des Känguru-Camps mit mathematischem Verständnis. Zu Gast sind sie in der EJB am Werbellinsee.
Optische Täuschung: Wie sich mit den übereinanderliegenden Mustern beeindruckende Seh-Effekte erzeugen lassen, erforschen Wojciech Drozd (vorn) aus Polen und die anderen Teilnehmer des Känguru-Camps mit mathematischem Verständnis. Zu Gast sind sie in der EJB am Werbellinsee. © Foto: Thomas Burckhardt
Ellen Werner / 24.08.2018, 06:00 Uhr
Joachimsthal (MOZ) Optische Täuschungen und übernatürliche Zahlen machen ihnen Spaß: 62 Jugendliche aus acht Ländern sind in der Europäischen Jugendbegegnungsstätte (EJB) zum internationalen Mathe-Camp zusammengekommen. Noch bis Samstag bleiben die Zahlen-Asse am Werbellinsee.

Noch reichlich zwei Wochen Schulpause liegen vor Anna Lenz. Ferien fürs Lernen opfern? „Dafür immer gerne“, sagt die junge Österreicherin aus Graz. Eine Woche lang, seit Sonnabend, brütet die 16-Jährige vormittags über Kopfnüssen aus der Mathematik. Sie gehörte zu den erfolgreichsten Teilnehmern am diesjährigen Känguru-Mathe-Wettbewerb und trifft nun am Werbellinsee auf Zahlen-Cracks aus anderen europäischen Ländern: Deutschland, den Niederlanden, Polen, der Schweiz, Slowakei, Tschechien und Ungarn.

„Moiré-Patterns“, man könnte auch sagen: eine bestimmte Art optischer Täuschungen, stehen für sie heute auf dem Programm. Die Dozenten legen den Jugendlichen Raster vor, die übereinandergeschoben beeindruckende Seh-Effekte von Flimmern bis hin zu schwindelerregenden Kreisbewegungen ergeben. „Ich wusste schon, dass optische Täuschungen und Mathe etwas miteinander zu tun haben. Aber dass es so spannend ist, konnte ich mir nicht vorstellen“, sagt Anna.

Natürlich geht es im Workshop am Werbellinsee nicht um die bloße Faszination daran, sondern darum, mathematisch zu ergründen, wie sich die Bewegungsillusionen erzeugen lassen. Genau darin liegt der Reiz solcher und anderer Aufgaben für die Camp-Teilnehmer. „So eine Art von Mathematik habe ich noch nie erlebt“, sagt Marek Lisowski (15) aus Polen in der Camp-Sprache Englisch. „Es ist nicht einfach herauszubekommen, was da vor sich geht. Aber es macht Spaß.“ Mathematik sei eben generell nichts, was man mechanisch abarbeite, pflichtet ihm Wojziech Drozd (16) bei. „Es ist ein kreativer Prozess.“

Alexander Unger sieht das genauso. Der wissenschaftliche Mitarbeiter von der Humboldt-Uni Berlin organisiert das Camp, das nach der Erstauflage 2002 in Münster bereits zum 13. Mal am Werbellinsee stattfindet. Das Ziel sei, Phänomene aus der höheren Mathematik mit relativ einfachem Handwerkszeug zu entdecken. „Da gibt es Sachen, die in Zahlenbereichen, die in der Schule behandelt werden, einfach nicht passieren.“

Dazu hat er Dozenten von Unis in Bonn, Mainz, Essen und Zürich herangeholt. „Übernatürliche Zahlen“, „Mathematisches Papierfalten“ oder „Wie man ein Bild nicht an die Wand hängt“ heißen die Workshops, in denen sie in Gruppen die höheren Gedankenspiele durchgehen. Letzten Endes soll das Camp Lust auf die Disziplin machen – genauso wie der Känguru-Wettbewerb. Als Mitglied im internationalen Vorstand des Känguru-Vereins, der in 80 Ländern sechs Millionen Teilnehmer ab Klasse 3 hat, hat Unger ein Gespür für Mathematik, die Spaß macht.

Wojziech, der aus dem polnischen Chojnice kommt, begeistert das Camp aber nicht nur wegen der interessanten mathematischen Phänomene. „Es ist toll, die ganzen Leute hier kennenzulernen“, sagt der 16-Jährige, der in seiner Freizeit auch im Schulorchester und in einer Band Trompete spielt.

Auch dazu ist reichlich Gelegenheit. An den Nachmittagen bestimmen „Sports and games“ das Freizeitprogramm: Turniere in Volleyball, Fußball, Schach, aber auch Baden im Werbellinsee und Ausflüge. So waren die internationalen Mathe-Talente im Schiffshebewerk, auf der Kuppel des Reichstagsgebäudes und in der Therme Templin.

Nur die Flirtwahrscheinlichkeit dürfte geringer ausfallen als in gewöhnlichen Feriencamps.  Gerade einmal elf Mädchen sind unter den 62 Jugendlichen zwischen 15 und 17 Jahren. Woran das liegt? An einer ungleich auf die Geschlechter verteilten Mathe-Begabung jedenfalls nicht, ist Anna, die eine Schule mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt und ebenfalls geringem Mädchenanteil besucht, überzeugt. „Vielleicht ist die Förderung an diesen Schulen größer“, sagt sie.

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