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Vor 55 Jahren gingen erstmalig Schüler in die heutige Britzer Max-Kienitz-Schule / Einstiger Direktor Fritz Gieseler erinnert sich an den Bau

55 Jahre
Eine Schule wie aus dem Nichts

Julia Lehmann / 01.09.2018, 06:46 Uhr
Britz (MOZ) Es brauchte eine Kämpfernatur, um die Britzer Schule Wirklichkeit werden zu lassen. Am 1. September vor 55 Jahren gingen 450 Schüler erstmalig in die heutige Max-Kienitz-Grundschule. Fritz Gieseler hatte großen Anteil am Gelingen. Der einstige Schuldirektor blickt auf die Anfänge zurück.

Fritz Gieseler ist heute 90 Jahre alt. Ebenso wie seine Frau, mit der er in der ehemaligen Schule in der Joachimsthaler Straße lebt. Mit 35 Jahren eröffnete er die Britzer Schule, damals noch eine Oberschule bis zur zehnten Klasse. Zum 50. Jubiläum der Lehreinrichtung würdigte die MOZ den gebürtigen Hohensaatener schon einmal mit einem großen Artikel, denn er war genau diese Kämpfernatur. Heute ist ihm die Aufmerksamkeit um seine Person eher unangenehm. Aber die Geschichte der Britzer Schule lässt sich ohne ihn nun mal nicht erzählen.

Im November 1960 nahm er seinen Dienst in Britz auf. Damals war die Schule noch auf vier Standorte verteilt. Schon lange war den Eltern eine neue versprochen worden. Gieseler erinnert sich an die Elternratssitzung im Februar 1960. „Ich habe dort versprochen, dass die neue Schule kommt.“ Und sie kam.  „Wenn ich die Augen zumache, ist es, als ob die Sitzung gestern gewesen wäre.“ Am 3. Juni 1961 erfolgte der erste Spatenstich. Vieles musste in Eigenleistung gemacht werden. Für den Aushub des Kellers rückten Woche um Woche Eltern und andere Helfer mit Spaten und Schaufel an. Die Britzer Eisenwerker steuerten Förderbänder bei, um die ausgehobene Erde abzutransportieren. Einen knappen Monat später war die „Bau-freiheit“ hergestellt.

Auf dem Weg zur fertigen Schule gab es „viele harte Nüsse zu knacken“, sagt Gieseler. Der Bau begann im August. Es kam allerdings zu Engpässen bei Arbeitskräften und Material. Der Dachstuhl etwa sollte erst ein ganzes Jahr später kommen. Fritz Gieseler beharrte darauf, dass in einer Woche begonnen wird – und konnte sich durchsetzen. „Ich habe in meinem Leben nie öfter bitte, bitte gesagt wie in diesen zwei Jahren.“

Das häufige Bitten aber hat sich gelohnt. Nach 27 Monaten konnte die damalige Oberschule am 31. August 1963 feierlich eröffnet werden. Einen Tag später, mit dem neuen Schuljahr, gingen gut 450 Kinder in eine komplett neue Lehreinrichtung. Die vier Standorte konnten aufgelöst werden. Heute liegt die Schülerzahl etwas schwankend bei 170 bis 180. Gut 1,3 Millionen DM hatte der Staat investiert. Mit anfänglich elf Lehrern wuchs die Zahl nach und nach auf 45 an. 1977 kam die Turnhalle dazu.

Bevor Fritz Gieseler nach Britz kam, lehrte er Deutsch und Mathematik. „Die Zeit als Lehrer war die schönere, weil man direkten Kontakt zu den Schülern hat“, sagt er. Nach der achten Klasse ging Gieseler an die Lehrerbildungsanstalt in Brandenburg an der Havel. Nach seiner Zeit als Soldat und Kriegsgefangenschaft kehrte er in seine Heimat Hohensaaten zurück. 1946 fing er dort als Lehrer an und wechselte seither immer mal die Einrichtung. Vom Lehrer in Oderberg wurde er Schulleiter in Liepe, dann kehrte er nach Oderberg zurück, um später nach Britz zu wechseln. 1990 ging er in den Ruhestand. „Ich habe es oft mit der Strenge etwas übertrieben. Da wäre ich gern großzügiger gewesen“, sagt Gieseler heute über seine Berufszeit. Dennoch oder gerade deshalb: Gieseler brannte für die Schule. Lehrer sein, so sagt er, hörte für ihn nicht nach dem Unterricht auf. „Es hat Riesenspaß gemacht.“

„Ich kenne Fritz Gieseler seit meiner Schulzeit“, sagt André Guse. Britz’ Bürgermeister wurde selbst dort eingeschult. Guse habe seinen Schuldirektor immer als sehr konsequent wahrgenommen. So sei es auch Gieseler zu verdanken, dass die Schule nach 55 Jahren noch in einem so guten Zustand ist. Seit der Wende sind Dach, Fenster, Heizung, Brandschutz- und Sanitäranlagen erneuert worden. Eine ganzheitliche Neugestaltung hat es aber nicht gegeben. Dass die Gemeinde dies nun angeht, zeige, dass sie zu ihrer Schule stehe, sagt Guse.

Beim Stichwort Schule würden schließlich auch potenzielle Britzer aufmerksam. „Gerade in den ersten Schuljahren wünschen sich Eltern, dass die Kinder einen kurzen Schulweg haben“, weiß der Bürgermeister. Was Zuzug und Wachstum angeht, steht Britz aber derzeit vor dem Problem, dass es kein Bauland in Gemeindeeigentum gibt.

Eine lange Geschichte teilt auch Sabine Siedler mit der Britzer Schule. 1974 fing sie dort als Lehrerin an. Vor gut einem Monat ging die ehemalige Schulleiterin mit 64 Jahren in den Ruhestand. „Es wird sich viel in der Schule tun“, sagt sie mit Blick auf die aufgenommenen Planungen zur Umgestaltung. Sabine Siedler war neben Tätigkeiten als Fachberaterin oder Fachseminarleiterin ganze 44 Jahre in Britz beschäftigt. Ruhig sei es, seit der Gang dorthin ausbleibt. Es bleibe mehr Zeit für die Familie. Mit Blick auf die nun vakante Position der Schulleitung hat sie vor allem ihre Stellvertreterin und nun kommissarische Schulleiterin Karin Bieber im Blick. Letztere gab jüngst bekannt, dass sie sich um die Position beworben hat.

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