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wandelBAR baut Saftstraße im Kleingartenverein Schwärzetal auf / Eberswalder Zoo freut sich über Futterspenden

Natur
Ideen gegen die Apfelschwemme

Sven Klamann / 07.09.2018, 06:02 Uhr
Eberswalde (MOZ) Die Kleingärtner in Eberswalde und Umgebung fahren eine Rekordernte an Äpfeln ein. Viele wissen schon nicht mehr, was sie mit den Früchtebergen anfangen sollen. Doch es gibt Möglichkeiten, selbst Unmengen von Obst sinnvoll zu verwerten.

„Auch bei uns hängen die Apfelbäume bis in die kleinste Zweigspitze voll“, sagt Renate Leistner, die Vorsitzende des Kleingartenvereins Schwärzetal, in dem es 156 Parzellen gibt. Dies sei aber keineswegs ein Grund zum Stöhnen, fügt sie hinzu. Schließlich habe der Verein auf die Äpfelschwemme reagiert und lade gemeinsam mit der Barnimer Energie- und Kulturwendebewegung wandelBAR zu drei Apfelsaftwochenenden ein. „Los geht es morgen und übermorgen, jeweils von 10 bis 17 Uhr, bei uns in der Anlage“, kündigt die Vereinsvorsitzende an. Die mobile Saftstraße werde am Vereinsheim aufgebaut, die Parzellen seien gegenüber dem Werner-Forßmann-Krankenhaus zu finden. Weitere Apfelsaftwochenenden gebe es dann am 22. und 23. September sowie am 6. und 7. Oktober. „Wir freuen uns über jeden Gartenfreund, der mit seinen Äpfeln zu uns kommt – egal, ober er zu unserem Verein gehört oder nicht“, betont Renate Leistner.

„Es ist schade um jeden Apfel aus eigener Ernte, der verdirbt. Aus den Früchten Saft zu pressen, bietet sich als wunderbare Alternative zum Wegwerfen an“, sagt Ingo Frost von wandelBAR. Die Saftstraße bestehe aus einer zur Waschstation umgebauten Kartroffelsortier- und Abkeimanlage aus DDR-Zeiten, die mit der Kurbel bedient werde, einem neuen elektrischen Muser und einem zweckentfremdeten Lkw-Wagenheber, der als Presse fungiere. Der frisch entstandene Apfelsaft werde in einem Wasserkessel pasteurisiert, unter dem ein Holzfeuer lodere. „Weil wir die Flüssigkeit auf 84 Grad erhitzen und in neue Verpackungen abfüllen, ist sie ein Jahr lang haltbar“, betont Ingo Frost. Die Saftstraße werde von den Apfelbringern selbst betrieben, es seien aber ehrenamtliche Kräfte vor Ort, die in die Nutzung einführen. „Das fertige Produkt ist mit den meisten Apfelsäften aus dem Supermarkt nicht zu vergleichen, die aus einem chinesischem Apfelkonzentrat bestehen, der mit aufwändigen lebensmitteltechnischen und chemischen Verfahren wieder in Saft umgewandelt werden“, erklärt das Mitglied von wandelBAR. Es sei auch aus Gründen des Ressourcen- und Klimaschutzes sinnvoll, die Apfelsorten zu nutzen, die teils seit Generationen hier wachsen würden und Teil unserer Kultur seien.

Pasteurisiert kosten fünf Liter Saft inklusive Verpackung 0,50 Euro, wer eigene Behälter mitbringt, zahlt 0,35 Euro pro Liter. Ohne Erhitzen werden 0,25 Euro pro Liter fällig.

Auch Silke Vollbrecht, Ernährungsberaterin der Verbraucherzentrale in Eberswalde, begrüßt die  Aktion von wandelBAR und Kleingärtnern. „Mich stört es grundsätzlich, wenn Lebensmittel weggeworfen werden“, sagt sie. Es gebe viele Gründe, sich über die Apfelrekordernte zu freuen. Die Früchte würden 30 Vitamine und Spurenelemente enthalten, die der Körper dringend brauche. „Äpfel sind überdies besonders reich an Pektinen, die fürs Gelieren gebraucht werden“, betont Silke Vollbrecht. Doch die pflanzlichen Vielfachzucker würden zu mehr taugen, als nur Marmeladen fest werden zu lassen. Pektine stünden zu Recht in dem Ruf, den Cholesterinspiegel zu senken und Schadstoffe auszuschwemmen. Äpfel seien als Zutaten für Kuchen, Kompott oder Mus schmackhaft oder könnten zu Dörrobst oder Saft verarbeitet werden.

„Wer die Frucht pur genießt, kann gar nicht zu viel davon essen“, findet die Ernährungsberaterin. Allein der gesunde Appetit würde dem Verzehr von Äpfeln Grenzen setzen, fügt Silke Vollbrecht hinzu.

Für wen weder die Apfelsaftwochenenden noch eine erntebedingte monothematische Apfelküche infrage kommen, der kann seine Früchte im Eberswalder Zoo abgeben. „Wir verfüttern jeden Tag um die 300 Kilo Obst“, sagt Zoodirektor Bernd Hensch. Allen Pflanzenfressern seien Äpfel willkommen, Wildschweine, Waschbären und Nasenbären seien regelrecht verrückt nach diesen Leckerbissen. Auf dem Wirtschaftshof stünden Plastikkübel, in die Kleingärtner ihre Ernte kippen könnten.

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