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Während Duc Ngo Ngoc bei Provinziale vom Dreh in Vietnam berichtet, sorgt Orga-Team für reibungslosen Ablauf

Filmfest Eberswalde
Ein Foto für Halong

Julia Lehmann / 11.10.2018, 08:45 Uhr - Aktualisiert 13.10.2018, 00:39
Eberswalde (MOZ) Mehr als die Hälfte der Provinziale-Filme sind gezeigt. Am Sonnabend ist die 15. Ausgabe des Eberswalder Filmfests schon wieder vorüber. Neben den Vorführungen behält das Orga-Team den Überblick. Am Rande eines Filmabends wartet manchmal Unvorhergesehenes.

Im Foyer beobachtet man ein An- und Abschwellen des Menschenstroms. Kurz vor 18 Uhr am Dienstag, wenn die Gäste des ersten Filmblocks der Provinziale im Saal des Paul-Wunderlich-Hauses verschwinden, ebbt der Trubel im Empfangsbereich schlagartig ab. Am vierten Filmfesttag in Eberswalde stehen zwei Animations- und drei Kurzspielfilme sowie ein Dokumentationsfilm auf dem Programm. An der Bar im Festivalclub, das im Eingangsbereich des Wunderlich-Hauses aufgestellte Zelt aus schweren schwarzen Vorhängen, gehen dann nur noch wenige Getränke über den Tresen.

Für Organisationsleiter Sascha Leeske (40) und sein Team Gelegenheit, ein bisschen durchzuatmen. „Der erste Film ist immer aufregend“, erinnert sich Julia Heilmann (26) an den ersten Abend der 15. Provinziale am Sonnabend. Sie ist inzwischen Saschas rechte Hand, nimmt ihm zahlreiche Aufgaben ab. Darunter die Kommunikation mit den Filmemachern, von denen 17 von 39 ihren Besuch in Eberswalde angekündigt haben.

Dann kommt per Funk ein Hilferuf: Der gerade abgespielte Film ruckelt. Sascha eilt die Treppe nach oben zur Technik. In einem abgedunkelten Raum mit Blick in den Saal, nur durch mehrere Computerbildschirme beleuchtet, sitzen Videotechniker Chris Rosadzinski (54) und Tontechniker Dustin Traut (29). Sascha berät mit Chris was man gegen das Ruckeln tun kann. „Zwischendurch war es weg“, sagt der Videotechniker. Sie entscheiden sich dafür, den Film nicht zu unterbrechen. Für den nächsten hat Chris eine Einstellung geändert, das Problem scheint gelöst.

Im Laufe der Festivalwoche sei eine Spannungskurve zu erkennen, sagt Sascha und zeichnet mit der Hand eine steile Aufwärtskurve, die dann scharf abfällt, in die Luft. Nach dem ersten Abend nehme der Druck für das Team spürbar ab. Zurück im Foyer knackt erneut sein Walkie Talkie. Er sprintet noch einmal hoch zu den Technikern. Erneut ein technisches Problem.

Video

18. Provinziale feiert Abschluss

Videothek öffnen

Währenddessen kommt Duc Ngo Ngoc im Foyer an. Julia Heilmann empfängt ihn freundlich. Der Filmmacher ist am Montag aus Hanoi, Vietnam, zurückgekehrt. In seinem Geburtsland, genauer in der bei Touristen beliebten Bucht Halong, spielt auch sein Dokumentarfilm „Farewell Halong“ (Lebwohl Halong), der an diesem Abend im zweiten Filmblock läuft. Duc ist für einen Zwischenstopp in Deutschland, bevor es heute für ihn weiter nach Los Angeles zum „Viet Filmfest“ geht.

Sein nächstes Projekt dreht er ebenfalls in Vietnam. „Es zieht mich schon immer wieder dorthin.“ 2012 hat der 30-Jährige, der mit fünf Jahren mit seiner Familie nach Berlin zog, die Recherchen für „Farewell Halong“ begonnen. Die Menschen dort leben in sogenannten schwimmenden Häusern. Über 300 waren es einmal, bis die Regierung sie aufs Festland umsiedelte. Die offizielle Begründung war die starke Verschmutzung des Meeres durch die Bewohner. Ducs Film zeigt, mit wie vielen Problemen diese Umstellung einherging. Bevor der Film beginnt, richtet der Student der Filmhochschule in Potsdam-Babelsberg das Wort an den gefüllten Saal. Die vietnamesische Regierung hatte verboten, den Film im Land zu zeigen, berichtet er. Dann zückt er sein Handy, um ein Foto mit dem Publikum zu machen. Für die Menschen dort, sagt er, die nicht glauben konnten, dass ihre Geschichte tatsächlich jemanden interessiert. Im Anschluss an die Filmvorführung treffen sich Duc und Udo Muszynksi, Mitglied des Programmbeirats, bei einem Bier im Festivalclub. Duc berichtet von seiner Recherche: „Für  mich waren zwei Wochen am Stück in Halong schon eine Umstellung. Wie muss das erst für die Menschen gewesen sein, die ihre Zuhause für immer verlassen mussten?“

Wenn Falko Henning & Doc Schiki „Berliner Blues“ auf die Bühne des Festivalclubs bringen, wird es für Sascha und sein Team ruhiger. Ein bisschen Aufräumen, damit der Alltagsbetrieb der Kreisverwaltung, die im Wunderlich-Haus sitzt, nicht gestört wird, dann war’s das. Zumindest für diesen Abend.

Bis Sonnabend läuft das Eberswalder Filmfest noch, bei dem Publikum- und Jurypreis vergeben werden. Heute ab 18 Uhr sind „The Gap“ und „Hashti Tehran“ zu sehen. Das gesamte Programm: www.provinziale.de

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