Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Landesbetrieb schockt Befürworter und Gegner der Radschutzstreifen entlang der Heegermühler Straße

Radverkehr
Provisorium bleibt bis 2020

Gestrichelte Linie als Abtrennung: Die Heegermühler Straße wird nach Aussage des vom Landesbetrieb bezahlten Gutachters täglich von 400 bis 500 Radlern befahren.  Dem stehen täglich etwa 10 000 Autofahrer gegenüber.
Gestrichelte Linie als Abtrennung: Die Heegermühler Straße wird nach Aussage des vom Landesbetrieb bezahlten Gutachters täglich von 400 bis 500 Radlern befahren.  Dem stehen täglich etwa 10 000 Autofahrer gegenüber. © Foto: Thomas Burckhardt
Sven Klamann / 11.10.2018, 19:49 Uhr
Eberswalde (MOZ) Bevor die Schutzstreifen für Radfahrer entlang der Heegermühler Straße bis an die Einmündungen zur Boldt-straße und zum Kupferhammerweg herangeführt werden, lässt der zuständige Landesbetrieb erst die Fahrbahndecke sanieren. Die Arbeiten sollen im Frühjahr 2020 beginnen.

Zwei Jahre ist es schon her, dass den Autofahrern in beiden Fahrtrichtungen eine von bis dahin zwei Spuren weggenommen wurde. Seither steht ihnen jeweils nur noch eine, allerdings überbreite Spur zur Verfügung, die sie hintereinander, nebeneinander oder versetzt nutzen dürfen. Die im Herbst 2016 veränderte Verkehrsführung ist nach wie vor umstritten. Das war auch im Ausschuss für Bau, Planung und Umwelt unüberhörbar, der sich mit den Ergebnissen des vom Landesbetrieb Straßenwesen in Auftrag gegebenen Sicherheitsaudit für die Heegermühler Straße befasst hat. Die durch strenge Vorgaben regulierte Überprüfung aller umgesetzten und noch geplanten verkehrlichen Maßnahmen hat Prof. Staadt, Inhaber der in Potsdam ansässigen StaadtPlan GmbH, vorgenommen. Sein Fazit: Es sei die richtige Entscheidung gewesen, durch weiße Linien markierte Schutzstreifen für Radfahrer auszuweisen. „Es gibt aber auch einige Verbesserungsvorschläge“, hat der Gutachter verkündet.

Für ungläubige Gesichter und ein deutlich vernehmbares Raunen im Saal hat aber vor allem Marco Jürgen aus Frankfurt (Oder), Dezernatsleiter für Planung im Landesbetrieb, gesorgt, als er verkündete, dass erst die Fahrbahndecke zu sanieren sei, bevor die Schutzstreifen bis in die Kreuzungsbereiche verlängert würden. „Dafür wollen wir bis Ende Mai 2019 die Entwurfsplanung fertig haben, der sich dann die Genehmigungs- und die Ausführungsplanung anschließen“, teilte Marco Jürgen mit. Anfang 2020 könnte der Auftrag ausgeschrieben und im Frühjahr 2020 dann mit den Arbeiten begonnen werden.

Das heißt nichts anderes, als dass Eberswalde auf absehbare Zeit mit einem Provisorium leben muss, das sowohl Befürworter als auch Gegner der Schutzstreifen nervt. Aus beiden unter den Zuschauern vertretenden Lagern – und aus der Politik –  gab es umgehend den Appell, den Landesbetrieb zu einem schnelleren Handeln zu bewegen.

In seinem Sicherheitsaudit führt Herbert Staadt aus, dass die veränderte Verkehrsführung entlang der Heegermühler Straße dazu geführt habe, dass es weniger Unfälle gab, an denen Radfahrer beteiligt waren. Zwischen dem 1. Januar 2015 und dem 22. Oktober 2016, dem ersten Tag mit markierten Strichen auf dem Asphalt, habe es acht Unfälle mit Personenschaden gegeben, von denen vier Radfahrer und zwei Fußgänger betroffen waren. Vom 22. Oktober 2016 bis zum 22. Oktober 2017 seien bei fünf Unfällen mit Personenschaden ein Fußgänger und keine Radfahrer verletzt worden. Das Manko an dieser Bilanz: Was sich direkt an den Einmündungen zum Kupferhammerweg und zur Boldtstraße an Unfällen ereignete, wurde in der Statistik zum Sicherheitsaudit ausgespart. Dabei gelten beide Bereiche, in denen die Schutzstreifen noch fehlen, als besonders kritisch.

Der Gutachter berichtete überdies von einer Unfallhäufung an der Ampel am Westendcenter, die untersucht werden sollte. Die Schutzstreifen könnten als Ursache allerdings ausgeschlossen werden.

An den Landesbetrieb erging die Empfehlung, bei der Sanierung der Fahrbahndecke zusätzlich zu den dann mindestens zwei Meter breiten Schutzstreifen weitere 0,75 Meter Sicherheitstrennstreifen neben parkenden Autos zu berücksichtigen. Zudem sei es sinnvoll, die Ampeln auf der Strecke so zu schalten, dass sie nicht verkehrsabhängig gesteuert werden, sondern zeitlich starr Grün, Gelb und Rot anzeigen – und möglichst eine grüne Welle ermöglichen.

Der Landesbetrieb-Vertreter sagte zu, die Tipps zu prüfen.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Thomas Radfahrer 21.10.2018 - 02:13:56

Schutzstreifen mit Hindernissen

Ist einem Autofahrer schon mal aufgefallen, dass diese Schutzstreifen für Radler fast alle Gullyabdeckungen aufnehmen und somit kein qualitativ guter durchgehender Fahrbelag vorhanden ist? Also Autofahrer! Nicht soviel meckern, ihr fahrt eh nicht soweit rechts und schon gar nicht über Gullydeckel.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG