Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Genossenschaft stellt Ideenküche fürs Brandenburgische Viertel vor / Vorstand gibt Auskünfte zu Projekten

Eberswalde
Abriss, Sanierung, Rundendreher

Willkommen in der Ideenküche:  Jörn Köhler, Angela Werner und Karin Speer (v. l) suchen und finden auf dem 5,50 Meter breiten und 2,50 Meter hohen Luftbild vom Brandenburgischen Viertel, das im August aus einem Flugzeug heraus entstand,  ihre Wohnblöcke in der Spreewaldstraße.
Willkommen in der Ideenküche:  Jörn Köhler, Angela Werner und Karin Speer (v. l) suchen und finden auf dem 5,50 Meter breiten und 2,50 Meter hohen Luftbild vom Brandenburgischen Viertel, das im August aus einem Flugzeug heraus entstand,  ihre Wohnblöcke in der Spreewaldstraße. © Foto: Sven Klamann
Sven Klamann / 17.10.2018, 07:00 Uhr
Eberswalde (MOZ) Bei der erstmals als Ortsrundgang angebotenen Einwohnerversammlung für das Brandenburgische Viertel hat die Wohnungsbaugenossenschaft ihre Ideenküche vorgestellt. Hier soll fortan über die Zukunft des Wohngebietes nachgedacht werden.

Wo einst für Kinder gekocht wurde, im Erdgeschoss des heutigen Vereinshauses an der Havellandstraße 15, gehe es um nicht mehr und nicht weniger als die Revitalisierung des Brandenburgischen Viertels, kündigte Volker Klich, Vorstand der Genossenschaft, am Montagabend zur Eröffnung der Ideenküche an. Die etwa 200 Quadratmeter großen, karg ausgestatteten und unter anderem als Energielabor oder Gedankenraum gekennzeichneten Räumlichkeiten sollen als eine Art Denkfabrik genutzt werden, die nicht nur die eigenen Mieter und Mitglieder, sondern im Idealfall sogar andere Vermieter im Wohngebiet einbezieht. „Doch in der Ideenküche sind überdies auch Kulturveranstaltungen vorstellbar“, sagte der Vorstand. Geöffnet werde die Stätte nach Bedarf.

Die von Volker Klich in Aussicht gestellte Wiederbelebung des Brandenburgischen Viertels gilt einem Wohngebiet, in dem 6600 Einwohner zu Hause sind. Einer Ausstellung mit dem Titel „Jungbrunnen Brandenburgisches Viertel“, die in der Ideenküche gezeigt wird, lässt sich entnehmen, dass Eberswalde nirgendwo jünger und internationaler ist. 684 Kinder und 1100 Bewohner mit ausländischen Wurzeln sind dort gemeldet.

Von den 3649 Wohnungen im Bestand der Genossenschaft befinden sich 1600 im Brandenburgischen Viertel. 450 davon stehen leer. „Deswegen bereiten wir den Rückbau von drei Wohnblöcken vor“, erklärte der Vorstand. Aber die Zukunftsvision für das Wohngebiet beschränke sich bei Weitem nicht auf Abrissvorhaben. Ab 2020 sollen nach Möglichkeit pro Jahr drei Wohnblöcke umfassend saniert werden – vermutlich für jeweils etwa drei Millionen Euro. Zwar hat Volker Klich den Betrag beim Ortsrundgang genannt. Doch da die Finanzierungsgespräche mit der Bank noch im Gange seien, stünde diese Auskunft unter Vorbehalt. Wo mit der Schönheitskur für die Plattenbauten begonnen wird, verriet der Vorstand nicht. Die Überlegungen dazu seien noch nicht spruchreif.

Hingegen steht bereits fest, wo ab 2019 die Abrissbirne geschwungen wird: an der Cottbuser Straße 25 bis 36, die schon frei gezogen wurde, sowie an der Brandenburger Allee 15 bis 21 und 27 bis 35. In den beiden Blöcken dort sind bloß noch jeweils  etwas mehr als die Hälfte der 40 Wohnungen vermietet.

Für das von der Genossenschaft angestrebte stärkere Miteinander aller vier Vermieter im Viertel, neben ihr sind dort noch die TAG, die Arbeiterwohlfahrt (AWO) und die Wohnungsbau- und Hausverwaltungsgesellschaft aktiv, gibt es schon ein Beispiel. „Seit Anfang Oktober sind in zwei Nächten pro Woche in unserem Auftrag sogenannte Rundendreher im Wohngebiet unterwegs“, informierte Volker Klich. Der Wachdienst schaue an wechselnden Tagen auf Ordnung und Sicherheit an den Genossenschaftsblöcken. Die AWO habe sich vom Konzept überzeugen lassen und steige beim Rundendreher-Projekt ein. „Wir können die Streifentätigkeit also ausbauen“, teilte der Vorstand mit. Das gemeinsame Ziel aller Vermieter müsse sein, für eine höhere Lebensqualität zu sorgen.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Edgar Kirschke 17.10.2018 - 19:13:04

Leerstand und Wohnungsnot, wie passt das zusammen?

Erst vor wenigen Tagen las ich in einer Tageszeitung, dass der Berliner Baustadtrat zur Lösung der Wohnungsmisere von einem erweiterten Speckgürtel Berlins sprach. Dabei wurde unter anderen auch Eberswalde genannt. Ich nehme an, dass die Wohnungen im Brandenburgischen Viertel zum bezahlbaren Wohnraum für Kleinverdiener oder Rentner gehören. Warum werben dann die Vermieter nicht um Mieter in Berlin, die nach bezahlbarem Wohnraum suchen? Da wird lieber über Abriss nachgedacht, um an anderer Stelle (siehe Bebel-Quartier) teureren Wohnraum zu schaffen. Kaltmieten von 10 EUR pro Quadratmeter können sich nur Menschen leisten, die über ein entsprechendes Einkommen verfügen. Das heisst, Mieter, die am Berufsleben teilnehmen und bereit sind, die über die Miete hinausgehenden Pendler-Kosten zu tragen. Um diese Mieter zu werben, ist meines Erachtens, ein sinnloses Unterfangen. Dazu bietet Eberswalde nicht die erforderliche Infrastruktur. Um Eberswalde zum erweiterten Speckgürtel Berlins zu erklären, müsste zunächst die Deutsche Bahn die Taktung der Verbindungen nach Berlin auf 30 Minuten verringern. Schliesslich sind bereits jetzt alle Züge zu jedem Zeitpunkt überfüllt. Diese Probleme lassen sich nicht im Alleingang, nur gemeinsam lösen.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG