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Debatte
Die Jugend ist politisch

Jugend diskutiert: Veit Seefeld (Linksjugend), Kurt Fischer (Jusos), Oliver Stiffler (Junge Alternative), Karl Petrow (Junge Union), Alex Engel (Grüne Jugend) und Ole Gawande (Junge Liberale) (v.l.n.r.) debattieren über die Zukunft in diesem Land. Allerdings blieben die jungen Herren weitgehend unter sich.
Jugend diskutiert: Veit Seefeld (Linksjugend), Kurt Fischer (Jusos), Oliver Stiffler (Junge Alternative), Karl Petrow (Junge Union), Alex Engel (Grüne Jugend) und Ole Gawande (Junge Liberale) (v.l.n.r.) debattieren über die Zukunft in diesem Land. Allerdings blieben die jungen Herren weitgehend unter sich. © Foto: Susan Hasse
Susan Hasse / 27.10.2018, 06:30 Uhr - Aktualisiert 27.10.2018, 18:11
Eberswalde (MOZ) Dass die Jugend sich nicht für Politik interessiert, ist eine Mär. Bei einer Podiumsdiskussion von sechs Jugendorganisationen der etablierten Parteien lieferten sich die Jung-Politiker einen heftigen Schlagabtausch. Vor allem die Themen Bildung, Energie- und Umweltpolitik sowie Steuern bewegen.

Sechs Barnimer Vertreter von Linksjugend Solid, Grüne Jugend, den Jusos, den Julis, der Jungen Union und der Jungen Alternative trafen sich am Mittwochabend im Paul-Wunderlich-Haus zu einem Schlagabtausch über Bildung, Umwelt und Wirtschaft. Eingeladen wurden unter dem Motto „Wir müssen mehr über Politik reden“ rund 1000 Jugendliche aus dem Barnim, letztlich kamen nur knapp zwei Dutzend. Das bewegendste Thema der sechs Nachwuchspolitiker ist dabei naturgemäß der Bereich Bildung. In den Augen der sechs, auch im Bundestag vertretenen Parteien, läuft in diesem Bereich etwas schief. Zu wenig Geld werde in die Bildung gesteckt, sind sich alle einig. Allerdings, so Juso-Vertreter Kurt Fischer müsse man anerkennen, dass im Barnim die Schulen gut ausgestattet seien. Von maroden Toiletten, akutem Lehrermangel und sozialen Brennpunktschulen sei man zum Glück weit entfernt.

Auf die Frage der Gegenfinanzierung höherer Bildungsaufgaben haben die Nachwuchspolitiker bereits Ideen. So fordern etwa Veit Seefeld (Linksjugend) und Alex Engel (Grüne Jugend) eine Vermögenssteuer und eine höhere Erbschaftssteuer. Der Vertreter der Jungen Liberalen Ole Gawande hält dagegen. Würde man diese Maßstäbe anlegen, wären alle reich, die ein Haus im Speckgürtel Berlins besitzen.

Auch beim Thema Privatschulen entfacht sich bei dem von der MOZ moderierten Forum eine hitzige Debatte. Der Linksjugend und den Jusos sind die Schulen für Leute mit viel Geld ein Dorn im Auge. Es dürfe kein separates Bildungssystem für Eliten geben. Juli-Vertreter Gawande sieht das anders: Es müsse erlaubt sein, dass private Schulträger eine Alternative zum staatlichen Bildungssystem, das ja zunehmend versage, aufbauen. Auch das Thema Inklusion, also der Integration von behinderten Schülern in das reguläre Schulsystem, bewegt die jungen Politiker. Inklusion sei wichtig und müsse gefördert werden, meint etwa Veit Seefeld von der Linksjugend. Karl Petrow von der Jungen  Union sieht das kritisch, er meint, dass die Sonderschulen viel besser den Bedürfnissen gerecht werden können und die Lehrer der regulären Schulen sonst schnell überfordert seien.

Auch die Dieselaffäre bewegte die Nachwuchspolitiker: So verteidigt Seefeld (Linksjugend) die Fahrverbote. Alles was umweltschädlich sei, müsse verboten werden. Ole Gawande von den Liberalen meint, dass es absurd sei, dass Deutschland den Diesel verbiete und der Rest der Welt die Umwelt viel mehr verschmutze. Dieses Argument hält Kurt Fischer von den Jusos für nicht schlagkräftig. Man müsse im Kleinen anfangen, um etwas zu bewegen, so sein Standpunkt. Oliver Stiffler von der Jungen Alternative hält Fahrverbote für kompletten Irrsinn, überhaupt sei die Energie- und Umweltpolitik auf dem falschen Weg.

Auch zum Thema Demokratie im Allgemeinen entflammt im PaulWunderlich-Haus eine hitzige Debatte. Es bedarf stärkerer politischer Aufklärung, meint etwa Veit. Auch die Grünen fordern mehr politische Bildung. Jugendliche müssen wieder stärker für Politik begeistert werden, so Josepha Albrecht. Allerdings müsse dies in einer politisch neutralen Art und Weise geschehen. Das hört der Vertreter der Jungen Alternativen gern. Die AfD habe gerade eine Aktion unter dem Motto „neutrale Schule“ gestartet, so Stiffler. „Es dürfe nicht sein, dass man  seine Meinung nicht mehr offen äußern darf, ohne Repressalien zu erwarten“. Demokratie und Freiheit seien nicht selbstverständlich, betont Petrow (Junge Union). Die Demokratie müsse daher wehrhaft gegen rechte und linke Extremisten sowie Islamisten sein.

Initiiert wurde die Veranstaltung von Kuba Kruszakin und Alex Engel, die beide selbst politisch aktiv sind. Mit der Idee stieß er bei den anderen Parteien auf offene Ohren. „Wir brauchen mehr politische Debatten“, so der Grundtenor am Ende der dreistündigen Diskussion. Man wolle sich auf jeden Fall wiedertreffen.  An brisanten Themen hapert es jedenfalls nicht.

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