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Motor Eberswalde bekommt von der Brandenburger Sportjugend Auszeichnung als Stützpunkt des Jahres für Integrationsarbeit

Vereinsleben
Das Miteinander vorangetrieben

Preisverleihung für gelungene Integration: Larissa Markus von der Brandenburgischen Sportjugend, Martin Hoeck, 1. Vorsitzender des SV Motor Eberswalde, und Vorstandsmitglied Alexandra König (von links)
Preisverleihung für gelungene Integration: Larissa Markus von der Brandenburgischen Sportjugend, Martin Hoeck, 1. Vorsitzender des SV Motor Eberswalde, und Vorstandsmitglied Alexandra König (von links) © Foto: Lukas Drechsler.
Dirk Schaal / 24.11.2018, 04:45 Uhr
Eberswalde (MOZ) Der Verein Motor Eberswalde wurde für seine Arbeit beim Projekt Integration durch Sport von der Brandenburgische Sportjugend ausgezeichnet. Dirk Schaalsprach mit dem Vorsitzenden Martin Hoeck über die Arbeit im Verein.

Herr Hoeck, seit 2002 ist Motor Eberswalde Stützpunktverein des Projektes Integration durch Sport. Was sind die Aufgaben eines solchen Stützpunktes?

Wir sind so in erste Linie eine benannte Anlaufstelle für sportlich interessierte Menschen mit Migrationshintergrund. Außerdem versuchen wir über den Sport die Integration zu verbessern. Über die Förderungen aus dem Programm können wir jährlich ein paar mehr Veranstaltungen, z. B. Turniere ausrichten, speziell benötigte Sportgeräte anschaffen und auch unsere Öffentlichkeitsarbeit ausbauen. Das Thema Integration findet dadurch einfach auch öffentlicher statt und ich finde, dass Sport und Kultur immer sehr gute Möglichkeiten sind, um Integration zu unterstützen.

Motor Eberswalde wurde als „Stützpunkt des Jahres 2018“ ausgezeichnet. Was war der Preis? Und ist er auch mit finanziellen Mitteln verknüpft?

Die Auszeichnung ist eine Würdigung für die geleistete Arbeit. Wir sehen diesen Titel als Herausforderung, uns dieser Aufgabe auch weiterhin zu stellen. Dass wir das gut gemacht haben, zeigt der lange Zeitraum der Stützpunktarbeit  und nicht zuletzt auch die Auszeichnung. Neben dem Titel „Stützpunkt des Jahres 2018“ durften wir uns ein Sportgerät wünschen. Wir haben ein neues Tor für unsere Sporthalle beantragt, weil wir eins schon selbst austauschen konnten, aber das zweite Tor auch noch ersetzt werden muss.

Wie viele Mitglieder hat der Verein und wie viele davon haben einen Migrationshintergund?

Anfang des Jahres lag die Mitgliederzahl bei 945. Ich denke, dass wir zum nächsten Stichtag am 1. Januar die 1000er-Marke überschreiten könnten. In unserer Statistik werden Mitglieder mit Migrationshintergrund nicht extra erfasst. Daher kann ich keine genaue Zahl nennen. Es sind schätzungsweise zwischen 60 bis 90 Sportler des Vereins, also zirka sechs bis neun Prozent aller Mitglieder.

Was hat der Verein für die Integration bislang getan?

Begonnen hat alles mit den sogenannten Spätaussiedlern aus der ehemaligen Sowjetunion um die Jahrtausendwende. Aus offenen Sportangeboten wurden zum Teil Abteilungen innerhalb des Vereins. Gerade beim Volleyball gab es lange eine Gruppe von „Spätaussiedlern“, beim Schach und Gewichtheben sind sie ebenfalls vertreten und mit Inline-Skating haben sie 2011 eine ganz neue Sportart etabliert. Da macht Alexandra König, selbst mit Migrationshintergrund, eine ausgezeichnete Arbeit als Übungs- und Abteilungsleiterin. Inzwischen ist sie auch Mitglied im Vorstand des Gesamtvereins. Seit 2016 haben sich nach und nach immer weitere Angebote etabliert.

Welche wären das und sind weitere Angebote geplant?

Seit zwei Jahren gibt es die Abteilung Ringen. Da sind hauptsächlich Kinder mit tschetschenischen Eltern aktiv. Es ist in ihrer Heimat ein Nationalsport und einige Eltern traten an uns mit der Bitte heran, sie zu unterstützen. Außerdem sind wir gerade dabei eine Kricket-Mannschaft aufzubauen. Diese besteht hauptsächlich aus Pakistanis, aber auch ein Brite aus Joachimsthal hat bereits Interesse bekundet, dort mitmachen zu wollen. Weitere Angebote sind zunächst nicht geplant. Ich denke, wir müssen die neuen Abteilungen zunächst soweit aufbauen, dass sie auch komplett selbstständig arbeiten können.

Wie klappt es übergreifend bei den Abteilungen? Findet da ein Austausch mit deutschstämmigen Sportlern statt?

Ja, der Austausch findet statt, aber ist sicher noch weiter ausbaufähig. Ich bin seit zwei Jahren Vorsitzender des Vereins und für mich ist die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit ein wichtiges Thema. Dazu gehören gemeinsame Aktionen, Wettkämpfe und auch Veranstaltungen. So wird es im nächsten Jahr zum 110-jährigem Jubiläum ein großes gemeinsames Sportfest geben. Aber auch beim Stärksten Eberswalder am 16. Dezember wollen wir andere Abteilungen einbinden. Denkbar wäre da z. B. eine Vorführung der Ringer oder der Garde- und Showtänzer.

Geht der Verein aktiv auf Menschen mit Migrationshintergund zu oder wie darf man sich die Kontaktaufnahme vorstellen?

Aktuell sprechen wir nicht aktiv Menschen mit Migrationshintergrund an. Wir sind gut vernetzt, gerade auch mit vielen Sozialarbeitern, und wenn jemand den Wunsch ausspricht, sich sportlich zu betätigen, dann werden wir hier in der Region als erster Ansprechpartner genannt.

Wie geht es weiter in Sachen Integration beim SV Motor Eberswalde?

Da geht es darum, die Abteilungen untereinander stärker zu vernetzen und die neuen Abteilungen weiter aufzubauen. Aber auch der Kontakt und Austausch mit anderen Vereinen ist gern gesehen. Wir stehen immer für eine engere Zusammenarbeit zwischen den Sportvereinen zur Verfügung. Seit zwei Jahren bieten wir mit Unterstützung der Stadt Eberswalde und des Quartiersmanagements im Brandenburgischen Viertel auch offene Sportangebote an. Wir diskutieren aktuell, ob und wie wir diese fortführen wollen und können.

Wo führt der Weg vom Motor Eberswalde hin?

Zum einen denke ich, dass wir bald die 1000 Mitglieder überschritten haben werden. Als Großsportverein können wir hoffentlich weitere Unterstützung vom Landessportbund erhalten.  Ein nächstes Ziel ist das Kinderschutzsiegel des Kreissportbundes Barnim. Dafür müssen alle unsere mehr als 30 Übungsleiter die entsprechenden Auflagen erfüllen. Da sind wir gerade dran und hoffen, dass wir das im nächsten Jahr geschafft haben.

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