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Kriegsopfer
Auffrischung einer Erinnerung

Unermüdlich: Renate und Karl-Heinz Dettmer kümmern sich seit Jahren um die Pflege des Niederfinower Kirchen-Areals und bemühten sich auch um die Restauration des Kriegerdenkmals.
Unermüdlich: Renate und Karl-Heinz Dettmer kümmern sich seit Jahren um die Pflege des Niederfinower Kirchen-Areals und bemühten sich auch um die Restauration des Kriegerdenkmals. © Foto: MOZ/Julia Lehmann
Julia Lehmann / 05.12.2018, 06:45 Uhr
Niederfinow (MOZ) Für Renate und Karl-Heinz Dettmer ist das Dreier-Ensemble damit vollständig. Im Sommer schon ist das Denkmal für die in Niederfinow gefallenen Opfer des Ersten Weltkriegs aufwendig restauriert worden. Mit der Pflege der Kirche selbst und der Wiederherstellung der Feldsteinmauer auf dem Kirchhof sei dies „ein wichtiger Baustein zur Wiederbelebung der Ortsmitte von Niederfinow“, sagte Karl-Heinz Dettmer (78).

Seit 2004 widmen sich seine Frau Renate (76) und er dem Erhalt des denkmalgeschützten Ensembles. Zuletzt war nun das 96 Jahre alte Kriegerdenkmal an der Reihe.

Geschaffen worden ist es von Hermann Hosaeus, ein Meisterschüler von Reinhold Begas und renommierter Bildhauer, wie Karl-Heinz Dettmer festhält. Das Denkmal aus Sandstein, bestehend aus einem Sockel mit einer Art Tafel in Kreuzform, zeigt einen augenscheinlich jungen Soldaten, den Helm unter dem Arm, das Gewehr auf dem Boden abgestellt, den Kopf gesenkt. „Es zeigt einen demütigen Menschen“, so Renate Dettmers Interpretation.

Darunter finden sich die Daten des Ersten Weltkriegs (1914 bis 1918) und ein Vers aus einem Lied Martin Luthers, wie Renate Dettmer berichtet. Er lautet: „Eine feste Burg ist unser Gott!“. Diesen Liedvers habe man für den Kriegskontext missbraucht, ist sich die einstige Lehrerin sicher. Die Rückseite ist mit einer Inschrift versehen. Sie hält die Namen der gefallenen Niederfinower in den einzelnen Kriegsjahren sowie die Vermissten fest. Darunter steht: „Wir heissen Euch: hoffen!“.

Über die Bedeutung dieser Worte finden die Dettmers bislang keinen Konsens. „Sie sind vielschichtig auslegbar“, sagt Karl-Heinz Dettmer. Um alle Inschriften wieder gut lesbar zu machen, hat man bei der Restauration, die die Firma Pankau aus Doberlug-Kirchhain übernahm, die in den Stein gemeißelten Buchstaben mit schwarzer Farbe wieder hervorgehoben. Abgebrochene Elemente wurden nachgebildet und auch der Sockel aus Feldsteinen neu verfugt.

Dem Ehepaar Dettmer ist wichtig, dass das Denkmal vor allem aufgrund des Renommés des Bildhauers als kunsthistorisches Objekt betrachtet wird. „Es gedenkt der Geschichte, erzählt aber auch eine eigene“, beschreibt es Karl-Heinz Dettmer. Er und seine Frau hoffen, dass die Gemeindevertretung und die Einwohnerschaft den nun ansehnlich wiederhergestellten Kirchhof als Ansporn nehmen, auf diesem Gebiet weiterzuarbeiten. Karl-Heinz Dettmer spielt auf die Sanierung der Choriner Straße an, an der nun ein Planungsbüro arbeitet.

Die Restauration wurde zu 75 Prozent durch EU-Fördergelder finanziert, den kleineren Rest deckte die Kirchengemeinde Niederfinow-Liepe. 700 Euro spendeten Bürger. (jle)

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