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Auszeichnung
Seit Ewigkeiten im Ehrenamt

Großes Dankeschön: Die Schauspielerin Veronika Ferres (r.), die mit dem Film Superweib berühmt wurde, dankte bei einem Festakt im November der Eberswalderin Angelika Dittrich für ihr jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement in der lokalen Selbsthilfegruppe für Schlaganfall-Patienten.
Großes Dankeschön: Die Schauspielerin Veronika Ferres (r.), die mit dem Film Superweib berühmt wurde, dankte bei einem Festakt im November der Eberswalderin Angelika Dittrich für ihr jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement in der lokalen Selbsthilfegruppe für Schlaganfall-Patienten. © Foto: Thomas Kunsch
Susan Hasse / 05.12.2018, 07:00 Uhr
Eberswalde (MOZ) Die Eberswalderin Angelika Dittrich hat für ihr ehrenamtliches Engagement von der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe den „Motivationspreis 2018“ erhalten. Seit über 20 Jahren leitet sie mit viel Verve die Selbsthilfegruppe Schlaganfall in Eberswalde.

Selbsthilfegruppen haben Konjunktur, doch manche haben auch Tradition: So etwa die Selbsthilfegruppe Schlaganfall in Eberswalde. Seit nunmehr 21 Jahren gibt es sie bereits und hilft Menschen, die einen Schlaganfall erlitten haben.

Gegründet wurde die Selbsthilfegruppe von Angelika Dittrich im Jahre 1997. Über all diese Jahre hält die mittlerweile 67-Jährige die Gruppe zusammen und organisiert und plant für die Zukunft. Für dieses ehrenamtliche Engagement hat Dittrich von der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe  nun den Motivationspreis 2018 bekommen. Die Eberswalderin wurde zu einer zweitägigen Tour in die Hauptstadt eingeladen. Bei einer Festveranstaltung in der Bertelsmann-Residenz Unter den Linden bekam sie dann von der Schauspielerin Veronika Ferres, die selbst einen Schlaganfall erlitten hat, die  Urkunde überreicht. Auch Bertelsmann-Chefin Liz Mohn und weitere Prominente gratulierten.„Das war ein bewegender Moment“, so Dittrich. Ihre Augen leuchten als sie davon erzählt. Ein große Ehre für die sonst sehr bescheidene Frau, die zusammen mit ihrem Partner am Rande des Brandenburgischen Viertels lebt. Angelika Dittrich ist sichtlich gerührt, als sie vom Festakt in Berlin berichtet.

Zurück in den Alltag hat sie sich gleich wieder an die Planungen für das kommende Jahr gemacht. Für jeden einzelnen Monat hat sie einen Ausflug oder Vortrag für die Selbsthilfegruppe geplant. Es geht in den Zoo, zur Straußenfarm und auch nach Berlin. Dittrich beantragt für diese Treffen auch finanzielle Unterstützung für die derzeit 18 Mitglieder der Gruppe.  Sie hält die Zügel fest in der Hand, und das bereits seit 1997. Gemeinsam machen die Frauen und Männer kleinere und größere Ausflüge. Die Gruppe, die fast ausschließlich aus Senioren besteht, zu organisieren, kostet Kraft. Dittrich schmunzelt: „Noch macht es mir Spaß“, so die 67-Jährige. Auch wenn sie manchmal den Eindruck habe, einen Sack Flöhe zu hüten. Die Gruppe gebe ihr auch viel zurück: Sich gegenseitig helfen, unterstützen und bestärken, gibt immer wieder neue Energie.

Ein Rückblick: Angelika Dittrich erlitt im Jahre 1987 einen Schlaganfall. Ohne Vorwarnung wurde sie in der Kaufhalle ohnmächtig. Damals war noch tiefste DDR-Zeit, es gab keine Computer in den Krankenhäusern und die Diagnostik und Therapiemöglichkeiten waren begrenzt. Dittrich lag lange Zeit im Koma, monatelang hat sie gebraucht bis sich die Mutter einer damals 16-jährigen Tochter ins Leben zurückgekämpft hat. Ein starker Wille und Ausdauer waren nötig, um wieder Sprechen und Laufen zu lernen. Nach einiger Zeit daheim, packte die junge Frau irgendwann die Langeweile, sie suchte sich Beschäftigung und half unter anderem in einem Altenheim aus. 1997 kam dann die Idee einer Selbsthilfegruppe: Auf der Suche nach Verbündeten und ähnlichen Schicksalen wurde sie rasch fündig. Mit den Folgen des Schlaganfalls zu leben, für die Gesundheit kämpfen und Erfahrungen auszutauschen, führten einige  Barnimer Schlaganfall-Patienten zusammen, teilweise entstanden sogar langjährige Freundschaften. Die Berührungsängste sind dennoch teilweise groß, weiß Dittrich zu berichten. Viele Menschen schämen sich oder haben Angst, ihre Sorgen und Probleme auszusprechen, so Diettrich. Sie versucht immer wieder mit Schlaganfall-Patienten Kontakt aufzunehmen und ihnen  Hilfe anzubieten und für die Selbsthilfegruppe zu werben. Die Ehrung für ihr Engagement im Kampf gegen Schlaganfälle gibt ihr Recht: Es ist wichtig, für andere da zu sein.

Wer Lust hat bei der Selbsthilfegruppe  vorbeizuschauen, kann unter Tel. 03334 236020 die Termine erfahren.

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