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Tarifverhandlungen am Werner-Forßmann-Krankenhaus in Vorbereitung / Im Zentrum stehen diesmal die Arbeitsbedingungen

Überlastet
Pflegekräfte am Limit, aber kampfbereit

Ein Bild voller Symbolkraft: Ver.di-Skretär Ivo Garbe (vorn) schwört die Pflegekräfte auf die anstehenden Tarifverhandlungen ein. Nach dem Erfolg im Frühjahr gehe man zuversichtlich in die Gespräche. Gleichwohl sei ein langer Atem nötig, sagt er.
Ein Bild voller Symbolkraft: Ver.di-Skretär Ivo Garbe (vorn) schwört die Pflegekräfte auf die anstehenden Tarifverhandlungen ein. Nach dem Erfolg im Frühjahr gehe man zuversichtlich in die Gespräche. Gleichwohl sei ein langer Atem nötig, sagt er. © Foto: Thomas Burckhardt
Viola Petersson / 06.12.2018, 07:15 Uhr - Aktualisiert 06.12.2018, 14:13
Eberswalde (MOZ) Bei den Pflegekräften des Forßmann-Krankenhauses stehen die Zeichen auf Arbeitskampf. Zum zweiten Mal in diesem Jahr. Die Gewerkschaft Ver.di will mit dem Votum ihrer Mitglieder den Manteltarifvertrag kündigen und neu verhandeln. Im Fokus: die Arbeitsbedingungen.

Mittwoch, 13.15 Uhr, vor dem Haupteingang des Klinikums Barnim: Dutzende Pflegekräfte haben sich versammelt, zur „Aktiv-Pause“. Mit Scheren aus Pappmaschee. Leere Kartons sind aufgestapelt. Sie sollen eine Mauer symbolisieren. Ver.di-Sekretär Ivo Garbe ruft den Kollegen zu: „Die Mauer zum TVöD muss weg!“ Einige Schwestern und Pfleger schieben mit vereinten Kräften unter dem Beifall der Kollegen ein Krankenbett in die Mauer, die – wie geplant – einstürzt.

Mit diesem Bild schwört Garbe die Mitarbeiter auf die Verhandlungen ein. Zum 31. März 2019 werde man den Manteltarifvertrag kündigen. Das Schreiben gehe dieser Tage raus, erklärt der Ver.di-Frontmann den Mitgliedern. In den vergangenen zehn Tagen habe die Gewerkschaft 50 neue Mitglieder am „Forßmann“ gewonnen. Zudem sei es gelungen, auf fast allen Stationen und in fast allen Abteilungen sogenannte Teamdelegierte aufzustellen. Aus Sicht von Garbe ein deutliches Signal, ein Beleg für die Kampfbereitschaft der Mannschaft. Trotz des Erfolgs bei den Entgelt-Verhandlungen Anfang dieses Jahres, so der Ver.di-Sekretär, die Tarifmauer zum TVöD (Tarif des öffentlichen Dienstes) stehe noch immer. Und während die Beschäftigten im Westen überwiegend nur 38,5 Stunden pro Woche arbeiten, müssten die Kollegen im Osten 40 Stunden ran. Darum werde es gehen in den Verhandlungen.

Und um einiges mehr. Es geht um Eingruppierungen und Arbeitsbedingungen. Vor allem die Frage der Personalausstattung bzw. -besetzung beschäftigt die Pflegekräfte. „Die Belastung hat über die Jahre deutlich zugenommen, weil es immer weniger Personal auf den Stationen gibt“, erklärt Schwester Maja (62) aus der Kinderklinik. Waren es früher vier Schwestern, sind es heute nur noch drei. Fällt eine aus, blieben zwei. „Mein Mann arbeitet im öffentlichen Dienst. Als Hausmeister. Trotz Drei-Schicht-Betrieb verdiene ich nicht mehr als er“, macht Schwester Katrin von Station 6 das Gefälle deutlich. Und klagt über immer neue Aufgaben.

Die Pflegedirektion habe zwar die Initiative „Starke Pflege 2020“ gestartet. Aber „außer Sprüchen“ sei bislang an der Basis nichts an spürbarer Verbesserung angekommen, heißt es aus der Belegschaft. Im Gegenteil: Die Engpässe seien sei so groß, dass die Geschäftsführung „Kopfprämien“ vorgeschlagen hatte, berichtet Ivo Garbe. Für jede gewonnene Pflegekraft ein vierstelliger Euro-Betrag an den Werbenden. In Großstädten sei dies wegen des Fachkräftemangels zum Teil bereits gängige Praxis. Die Beteuerungen der Klinik-Leitung, am „Forßmann“ seien 99,9 Prozent aller Stellen besetzt, seien „ein Witz“. Die Realität sehe anders aus: hoher Krankenstand, Unterbesetzung, mitunter schon kritische Situationen.

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