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Tischlerei Weisse fing vor 24 Jahren in Eberswalde an / Heute gehören auch Prominente wie der Künstler Olafur Eliasson zu den Kunden

Handwerk
Liebe zum genauen Arbeiten

Genauigkeit: Oleksandr Pyatov (25, r.) setzt den Hobel an, um eine 100 Jahre alte Tür zu restaurieren. Er ist Tischler-Azubi im ersten Lehrjahr bei der Firma Weisse in Eberswalde. Andreas Pokorny, der ihm über die Schulter sieht, gehörte 1994 zu den ersten vier Lehrlingen der Firma und ist noch immer mit Leib und Seele Tischler.
Genauigkeit: Oleksandr Pyatov (25, r.) setzt den Hobel an, um eine 100 Jahre alte Tür zu restaurieren. Er ist Tischler-Azubi im ersten Lehrjahr bei der Firma Weisse in Eberswalde. Andreas Pokorny, der ihm über die Schulter sieht, gehörte 1994 zu den ersten vier Lehrlingen der Firma und ist noch immer mit Leib und Seele Tischler. © Foto: Ellen Werner
Ellen Werner / 06.12.2018, 08:00 Uhr
Eberswalde (MOZ) Sie sind gefragt wie nie – Brandenburgs Handwerker. Ihre Berufe vereinen klassische Fertigkeiten mit moderner Technik. Wir zeigen, was junge Leute im Handwerk werden können und stellen Betriebe vor, die ausbilden. Heute: die Tischlerei Weisse in Eberswalde.

Eine praktische Grundlage erleichtere vieles. Das sei ihm während des Studiums immer wieder mal gesagt worden. Oleksandr Pyatov hat sich dann ganz fürs Praktische entschieden. Sein Studentendasein als angehender Forstwirt an der Eberswalder Hochschule gab der 25-Jährige im Sommer auf. „Der Bereich war einfach nicht das, was ich wollte“, sagt er. Hingegen war ihm schon länger klar, dass er „handwerklich nicht auf den Daumen gefallen“ ist. „Ich wollte mich da weiterentwickeln.“

Schon als Kind hegte er eine Neigung zum Handwerk, half seinem Uropa beim Bau der Familiendatscha und übernahm von ihm einen Werkzeugkoffer, dessen heute antiker Inhalt  ihn noch immer begeistert. Seit September macht Pyatov, der vor 16 Jahren mit seiner Familie aus der Ukraine nach Deutschland kam, eine Lehre als Tischler in der Firma Weisse.

Frank Wenninger (69), Kaufmann von Beruf und einer der beiden Geschäftsführer, attestiert dem Nachwuchshandwerker schon einmal, „ausgesprochen zielstrebig“ zu sein. Jemand, den der in der Branche mit etwa 35 Mitarbeitern vergleichsweise große Betrieb brauchen kann. Insgesamt acht Auszubildende vom ersten bis zum dritten Lehrjahr hat die Tischlerei derzeit.

Die Firma existiert seit 1992. Vor 24 Jahren wurde der Betrieb in Eberswalde eröffnet. Der Hamburger Peter Weisse, Tischlermeister und ebenfalls Geschäftsführer, hatte bereits eine kleine Hinterhoftischlerei in Berlin-Kreuzberg. „Nach der Wende stand an, sich zu vergrößern und ins Umland zu gehen“, erzählt Wenninger, der damals nach Berlin kam, „um zusammen etwas auf die Beine zu stellen“. Die Jugendfreunde kannten sich aus seiner Heimat München.

Auf dem Gelände des Technologie- und Gewerbeparks gehörten sie zu den ersten. „Da war hier noch gar nichts, ich kam mir ein bisschen vor wie in Sibirien“, erinnert sich der Firmenchef. Heute gehört die Weisse GmbH & Co. KG zu mehr als 50 Unternehmen auf dem Areal. Über 2000 Quadratmeter Produktions-  und Lagerfläche hat sich die Firma geschaffen.

„Wir hätten lieber kleiner angefangen. Es war uns da schon ein bisschen bange“, blickt Frank Wenninger auf die Anfangszeit zurück. Brachte der Betrieb anfangs mal 20 000 D-Mark Umsatz im Monat ein, war das viel. „So, wie die Firma jetzt dasteht, kann man sie unter zwei Millionen Euro Umsatz im Jahr gar nicht betreiben“, sagt er. Entsprechend hochwertig sind viele der Projekte, die realisiert werden. Vom Bau exklusiver Möbel über den Innenausbau privater Wohnungen oder repräsentativer Räume bis zur Anfertigung spezieller Objekte und Teile bietet Weisse in Eberswalde die ganze Palette der modernen Möbeltischlerei, für die Holz nur noch einer von vielen Werkstoffen ist.

Auch Betuchte und Prominente gehören zu den Kunden.  Zur Zeit sei das Unternehmen unter anderem etwa auf Föhr tätig. Eine Zusammenarbeit mit dem einst für seine Reformmöbel bekannten Dresdener Traditionsunternehmen Deutsche Werkstätten Hellerau, das heute auch Luxusyachten ausbaut. „Es kostet schon mal 80 000 oder 100 000 Euro, einen Raum auszustatten“, erzählt Wenninger. Große Firmen und Institutionen sowie öffentliche Auftraggeber fragen den Innenausbau an. „Mozilla war zum Beispiel eine interessante Geschichte“, sagt der Geschäftsführer. Die Firma stattete die innenarchitektonisch spannenden Arbeitsräume des Softwareunternehmens aus. „Mit herkömmlichen Büros hat das nichts mehr zu tun.“

Zudem baut Weisse auch Ausstellungs- und Museumseinrichtungen. So sei die Firma regelmäßig im Berliner Martin-Gropius-Bau beschäftigt. Aufträge kämen auch aus dem künstlerischen Bereich. Der für seine Lichtskulpturen bekannte dänisch-isländische Künstler Olafur Eliasson hat schon einiges in der Eberswalder Werkstatt anfertigen lassen.

Ausgebildet hat das Unternehmen von Anfang an, meist werden pro Lehrjahr zwei Azubis eingestellt. Grundsätzlich gehe es um den Eigenbedarf an guten Leuten, sagt Wenninger – im Team sind viele Mitarbeiter spezialisiert. Es gibt Montageleiter, CNC-Programmmierer, Projektleiter und Konstrukteure.

Gute Noten und der Schulabschluss seien für den Lehrvertrag dabei weniger wichtig als handwerkliches Geschick. Ob die so wichtige „Liebe zum genauen Arbeiten“ da ist, sehen sich die Ausbilder allerdings im Vorfeld an. „Wir schalten ein paar Tage Probearbeiten vor.“

Junge Frauen seien im Betrieb selten unter den Auszubildenden. „Montage und Schleppen gehören zum Gewerk“, sagt Frank Wenninger. In seinen Augen ist der Beruf für Frauen „nur bedingt geeignet“, auch wenn viele Arbeiten an Maschinen erledigt werden.

Die reine Handarbeit ist dennoch Teil der Ausbildung. Deshalb sei es gut, dass auch mal Restaurierungsaufträge wie die alte Tür, die Oleksandr Pyatov gerade ausbessert, hereinkommen, findet Andreas Pokorny. Er gehörte 1994 zu den ersten vier Lehrlingen im Unternehmen. „Tischler war ab 14 mein Traumberuf. Ich bin es immer noch“, sagt er. Abwechslung sei garantiert, selbst geografisch gesehen. „Wir hatten schon Montagen in Barcelona, London und Florida“, erzählt Pokorny.

Er könne nur jedem ans Herz legen, einen handwerklichen Beruf zu erlernen. Man schaffe Werte über Generationen, sehe jeden Tag, was man geschafft hat. „Und mit jedem Projekt, was man abschließt, hat man Menschen glücklich gemacht.“

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