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Gemeinde und Amt entschuldigen sich bei Angehörigen für entfernten Blumenschmuck am Urnengrab des Niederfinower Friedhofs

Friedhof
Eine Kränkung für Trauernde

„An den Grabschänder“: Vor einer Hecke haben Bauhofmitarbeiter den Grabschmuck zusammengetragen. Wütende Angehörige befestigen daraufhin ein Schreiben daran. Es richtet sich an den bis dato Unbekannten. „Verwüstete Urnengräber vorzufinden ist ein Gefühl, dass ich Ihnen nicht wünsche“, heißt es dort.
„An den Grabschänder“: Vor einer Hecke haben Bauhofmitarbeiter den Grabschmuck zusammengetragen. Wütende Angehörige befestigen daraufhin ein Schreiben daran. Es richtet sich an den bis dato Unbekannten. „Verwüstete Urnengräber vorzufinden ist ein Gefühl, dass ich Ihnen nicht wünsche“, heißt es dort. © Foto: MOZ
Julia Lehmann / 10.01.2019, 06:30 Uhr - Aktualisiert 10.01.2019, 12:18
Niederfinow (MOZ) Weil es an der anonymen Urnengrabstelle auf dem Niederfinower Friedhof keinen ausgewiesenen Platz für Blumen und Gestecke gibt, mussten Angehörige eine schmerzliche Erfahrung machen. Jeglicher Grabschmuck war entfernt worden. Inzwischen ist klar, wie es dazu kam.

Hinterbliebene wollten ihren Verstorbenen vor Weihnachten einen Gruß hinterlassen und legten auf dem evangelischen Friedhof in Niederfinow Blumen nieder. Offensichtlich so, dass der Baubetriebshof des Amts Britz-Chorin-Oderberg, der die Pflege des Friedhofs für die Gemeinde übernimmt, tätig wurde und Blumen, Kerzen und Wintergestecke wieder entfernte.

An eine andere Ecke platziert, fand auch Doreen Kamzol aus Berlin die für ihre Mutter niedergelegten Blumen wieder. In einer emotionalen E-Mail schrieb sie an die Redaktion der Märkischen Oderzeitung: „Der Grabschmuck von allen Trauernden wurde lieblos vor der Urnengrabstelle hingeworfen.“

Solveig Spann, Leiterin des Ordnungsamts, zeigt Mitgefühl für Doreen Kamzol und andere Hinterbliebene. So etwas sollte Trauernden eigentlich erspart bleiben. Wenngleich die Amtsleiterin den Fehler nicht bei den Bauhofmitarbeitern sieht. Bei der anonymen Grabstelle gebe es keinen Nutzungsberechtigten, der für die Pflege verantwortlich ist. Also bleibe die Aufgabe bei der Gemeinde, die das über den Baubetriebshof erledigen lässt.

Gestecke und Blumen seien auf der Urnengrabstelle nun mal nicht vorgesehen, sagt Solveig Spann. Auch nicht am Rand dieser Fläche, wie laut Aussage von Doreen Kamzol geschehen. Die gelebte Praxis sieht aber genauso aus. Und so legten die Mitarbeiter die Gestecke eine andere Stelle etwas abseits.

Auf den Vorfall angesprochen, ist Günther Gollner die Angelegenheit spürbar unangenehm.  Er entschuldige sich im Namen der Gemeinde. „Das tut uns furchtbar leid.“ So etwas dürfe nicht passieren“, erklärt der Bürgermeister. Das Problem besteht aus seiner Sicht in der fehlenden Festlegung einer Stelle für das Gedenken der anonym Begrabenen. „Das muss gemacht werden“, sagt Gollner. Schon mehrfach habe er die Situation auf dem Niederfinower Friedhof im Gemeinderat angesprochen und zum Tätigwerden motiviert. Bislang erfolglos.

Nach Bekanntwerden des Vorfalls richtet sich der Bürgermeister in einer E-Mail an die anderen politischen Verantwortlichen aus der Gemeindevertretersitzung. „Erneut möchte ich in Erinnerung rufen, dass das Thema Friedhof von uns weggeschoben wird“, heißt es darin. Er fordert weiter, die Urnengrabstelle räumlich kenntlich zu machen und auch die Menschen, die dort beerdigt worden sind, festzuhalten. Für ihn wäre eine Gedenktafel mit den Namen der dort Ruhenden angemessen.

Günther Gollner sieht auch das Bauamt in der Pflicht, der Gemeinde Lösungsvorschläge zu machen. Wenngleich ihm durchaus bewusst sei, dass man dort dauerhaft an  den Kapazitätsgrenzen arbeite. Die finanziellen Mittel seien in Niederfinow jedenfalls gegeben, so Gollner.

Auch Doreen Kamzol möchte eine rasche Lösung. Schließlich koste auch ein anonymes Grab Geld. Es müsse demnach einen Platz für Gedenken und Trauer geben. „Ich würde mir eine Lösung wünschen, die den Hinterbliebenen gerecht wird und auch der Friedhofsverwaltung genehm ist.“

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