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Mit „sinnlichem Erleben“ gelingt es, auch Jugendliche einzubeziehen / Letzte Gesprächsrunde zum Stadtkrimi am 7. Februar gibt Ausblick

Kultur
Was „Tatort Lücke“ lehrt

Aktenzeichen EW ungelöst: Vor einem Jahr gab es auf dem Eberswalder Marktplatz die Eröffnungsperformance zu „Tatort Lücke“ – mit einer Entführung. Dieser Fall wird am 22. Februar bei der Abschlussinszenierung aufgelöst.
Aktenzeichen EW ungelöst: Vor einem Jahr gab es auf dem Eberswalder Marktplatz die Eröffnungsperformance zu „Tatort Lücke“ – mit einer Entführung. Dieser Fall wird am 22. Februar bei der Abschlussinszenierung aufgelöst. © Foto: Thomas Burckhardt
Viola Petersson / 12.01.2019, 06:45 Uhr - Aktualisiert 13.01.2019, 14:34
Eberswalde (MOZ) Während „Tatort Lücke“ mit seinen Performances zum Publikumsmagnet, zum Quotenbringer avancierte, hatte es die vierte Folge der Gesprächsreihe zum Stadtkrimi schwer. Parallel lief auf einem anderen Kanal – mit Spannungspotenzial – das Auftaktspiel des deutschen Handball-Teams bei der WM.

Am Donnerstagabend hatten die Tatort-Macher das Nachsehen. Zu diffus und unscharf erschien auch der Titel des vierten Gesprächs. „Öffentlichkeit? Öffentlichkeit!“ Am Beispiel des Rathauses und des heutigen Marktplatzes sollte über öffentliche Orte und Räume sowie deren Bedeutung für die demokratische Gesellschaft diskutiert werden. Selbst Eberswaldes Baudezernentin Anne Fellner, als Expertin eingeladen, gestand, nicht so recht gewusst zu haben, „worauf ich mich vorbereiten soll, was mich erwartet“.

So blieb denn der Kreis der Gesprächsteilnehmer übersichtlich. Und der Diskurs über weite Strecken recht abstrakt und theoretisch. Die Debatte zog sich nach dem Impulsreferat von Gerhard Mahnken – ohne großen Spannungsbogen. Es ging um die Spaltung der Gesellschaft, um eine etwaige Krise der Öffentlichkeit, um Fluch und Segen der Digitalisierung, um Teilöffentlichkeit. Und um „sinnliche Erfahrung“, für die Mahnken warb.

Für eine solche sinnliche Erfahrung, darin waren sich alle einig, habe „Tatort Lücke“ gesorgt. Was macht einen öffentlichen Raum aus?, versuchte Dramaturgin Katja Kettner die Debatte zu forcieren. Eine Frage, die durchaus auch in Eberswalde von Brisanz ist. Wie Angelika Röder bestätigte. Warum etwa wird die Stadtpromenade von den Bürgern nicht angenommen? Der Park am Weidendamm hingegen sehr stark. Was also nutzt ein öffentlicher Raum, wenn er eben nicht genutzt wird? Es sind die Bürger, die einem Ort einen öffentlichen Charakter geben. Wie zum Beispiel jener Fläche an der Schickler-/Ecke Weinbergstraße. Von jungen Leute in der Stadt „übernommen“, mit dem Ziel, dort ein Commons-Projekt zu realisieren. „Wir müssen auch mal was wagen“, begrüßte Röder dieses Experiment ausdrücklich, da sich der Nachwuchs im Sommer auf dem mit Europaletten gestalteten Areal treffe, zum Grillen, zum Gärtnern, zum Quatschen. „Ich genieße das auch“, pflichtete ihr Anne Fellner bei. „Schließlich komme ich aus der Hausbesetzerszene“, so eine der wenigen überraschenden Bekenntnisse des Abends. Allerdings, so die Dezernentin weiter, gebe es auch eine Kehrseite: Beschwerden durch Anlieger.

Die Stadt versuche seit einigen Jahren, bei Vorhaben die Bürger über Beteiligungsprojekte frühzeitig einzubeziehen. Sie sei ein „Freund zweistufiger Beteiligungsverfahren“, erklärte sie und verwies unter anderem auf die Gestaltung des Luisenplatzes. Wobei Angelika Röder, Mitglied im Kulturausschuss, einschränkte, dass sich die Beteiligung der Jugend schwierig gestalte. Das Kinder- und Jugendparlament, so ihr Hinweis, sei bekanntlich gescheitert. „Das verwundert mich nicht“, erwiderte Fellner sogleich. „Die Stadtverordnetenversammlung ist nun wirklich keine Veranstaltung, die man als junger Mensch nachspielen möchte.“

Es braucht also andere Formen. Wie zum Beispiel die des Stadtkrimis. Wie Museumsleiterin Birgit Klitzke bestätigte, hätten sich an dem Projekt sehr viele junge Eberswalder beteiligt. Zum einen innerhalb des Ensembles Kanaltheater, zum anderen im Lückenlabor bzw. bei der Recherchearbeit. Schüler des Humboldtgymnasiums etwa hätten im Kreisarchiv geforscht. Und das Projekt sei keinesfalls abgeschlossen, auch wenn die Förderperiode endet. Es gebe noch Lücken, also verschwundene Orte, und es gebe Ideen, diese Lücken zu schließen bzw. zu bespielen, ließen die Tatort-Macher durchblicken. Beispielsweise habe sich aus Hannover ein Professor gemeldet, der von „Tatort Lücke“ erfahren hat und etwas zum Thema Rundfunkversuchsanstalt/ Telekommunikation beisteuern kann, verriet Klitzke.

Letzter Gesprächsabend: „Ausblick nach Tatort Lücke“, 7. Februar, 18 Uhr, im Museum

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