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Museum von Stefan Targatz in Finow zeigt Geschichte der Textilpflege und des Saubermachens

Geschichte
Waschen, legen, bügeln

Fundgrube der Wäschereigeschichte: Stefan Targatz empfängt in seinem Museum Besuchergruppen und erklärt die Welt der sauberen Wäsche.
Fundgrube der Wäschereigeschichte: Stefan Targatz empfängt in seinem Museum Besuchergruppen und erklärt die Welt der sauberen Wäsche. © Foto: Susan Hasse
Susan Hasse / 16.01.2019, 06:15 Uhr - Aktualisiert 16.01.2019, 07:57
Eberswalde (MOZ) Witzig-skurille und informative Einblicke in die Welt des Waschens, Bügelns und Stärkens erfährt man im Eberswalder Wäschereimuseum von Stefan Targatz. Der Hausherr hat einen riesigen Schatz an Antiquitäten, Untensilien und Anekdoten zusammengetragen.

Was haben Molke und Fett mit Leinen und Dreck zu tun? Auf den ersten Blick eher wenig, bei genauem Hinsehen sehr viel. Die erste Waschmaschine war eigentlich ein Butterfass. Nach dem gleichen Prinzip, wie aus Milch Butter wird, wird nämlich aus Dreckwäsche wieder sauberes Tuch. Mithilfe von Reibung scheidet sich der Dreck vom Gewebe und die Wäsche wird rein.

Im Eberswalder Wäschereimuseum in der Angermünder Straße, liebevoll über Jahrzehnte von Stefan Targatz und seinem Vater zusammengetragen, stehen zahlreiche alte Gerätschaften von damals, die zeigen wie mühevoll das Waschen einst war.

Das maschinelle Waschen entwickelte sich um 1900 und entsprang der Weiterentwicklung von landwirtschaftlichen Gerätschaften. Die erste Waschmaschine der Firma Miele war in Wirklichkeit ein Holzfass. Auf der technischen Grundlage der Buttermaschine entwickelte Carl Miele 1900 die erste Waschmaschine. Ein Exemplar aus Holz steht bei Targatz im Museum. Daneben noch viele andere Apparaturen, die den Beginn des industriellen Waschens markieren. Daneben gibt es noch viel mehr zu sehen: Reibe- beziehungsweise Waschbretter, Bügeleisen und Walzen. „Kennen Sie den Unterschied zwischen Plätten und Bügeln oder Mangeln und Rollen“, fragt Targatz den unvorbereiteten Gast. Nur die besten Hausfrauen haben eine Antwort parat.

Anschaulich und anekdotenreich erklärt Targatz, wie früher gemangelt und gebügelt wurde und wie einfallsreich die Menschen dabei waren. Oft führt er Seniorengruppen oder andere Besucher durch die Gänge. Einige wahre Schätze stehen im Museum, darunter seltene Plätteisen und eine Wäschemangel, mit der einst die Tischtücher von Reichspräsident Hindenburg knitterfrei gemacht wurde.

Die unendliche Geschichte sauberer und gebügelter Wäsche wurde auf über 400 Quadratmetern zusammengetragen. Targatz ist mit dem Thema Waschen groß geworden: Bereits als kleiner Junge saß er auf der gebügelten Wäsche im elterlichen Betrieb. Die Wäscherei der Familie wurde von seiner Großmutter Amanda bereits 1928 gegründet und etablierte sich in den 30-er Jahren zu einem florierenden mittelständischen Unternehmen in der wachsenden Industriestadt Eberswalde.

Das Eberswalder Bürgertum, darunter auch viele jüdische Unternehmer, ließen bei Targatz ihre Wäsche bügeln. Zunehmend wurden auch Krankenhäuser, Hotels und Institute zu Kunden. Als einer der ersten Familienbetriebe hatte Targatz ein Lieferauto. Wie durch ein Wunder hat sich der Wagen, ein Wanderer W 10, Baujahr 1931, über die Wirren der Zeit versteckt und wurde liebevoll aufgearbeitet. Heute kann der Oldtimer für Hochzeiten gemietet werden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen 1946 enteignet, doch die russischen Truppen erkannten schnell den Wert der Dienstleistungen. Targatz entwickelte sich zu einem wichtigen Lieferanten der russischen Kommandantur. Doch 1972 wurde auch das Familienunternehmen mit Ministererlass verstaatlicht. Aus dem Familienbetrieb wurde nun „Vaters Ehemaliger Betrieb“. Der VEB wurde unter der Betriebsleitung von Targatz weitergeführt und reinigte für Krankenhäuser, Kinderheime und Behörden.

„In der DDR waren Waschmaschinen Mangelware“, erzählt Targatz. Um dennoch die breite Masse in den Genuss reiner Wäsche kommen zu lassen, wurde das Wäschereigeschäft subventioniert. Es gab DDR-weit einheitliche Preise. Für die Reinigung einer Arbeitsjacke waren 70 Pfennige fällig. Heute kaum vorstellbar. Es ist wie eine Reise zurück in die alte Zeit. Der Geruch von Soda liegt in der Luft. Dem Besucher im Museum fallen garantiert noch einige Körner Fee oder Imi in die Hände.

Das Wäschereimuseum kann nach vorheriger Anmeldung unter stefan@targatz.de oder Tel. 0172 3176703 besichtigt werden.

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