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Olympischer Brief gegen den Personalnotstand in Deutschland erreicht Forßmann-Krankenhaus

Pflege
Nur eine Pflegekraft auf 20 Patienten

Schriftrolle im Koffer: Katrin Dahms-Dowidat, Chefarzt-Sekretärin der Augenklinik im Werner-Forßmann-Krankenhaus, unterschreibt den Brief an Jens Spahn.
Schriftrolle im Koffer: Katrin Dahms-Dowidat, Chefarzt-Sekretärin der Augenklinik im Werner-Forßmann-Krankenhaus, unterschreibt den Brief an Jens Spahn. © Foto: Marco Marschall
Marco Marschall / 29.01.2019, 07:00 Uhr
Eberswalde (MOZ) In einer Pausenaktion haben Mitarbeiter am Werner-Forßmann-Krankenhaus den Olympischen Brief an Gesundheitsminister Jens Spahn in Empfang genommen und die in einem Koffer beiliegende Papierrolle mit ihrer Unterschrift versehen. „Mehr von uns ist besser für alle“, skandierten sie und Unterstützer des Anliegens vor dem Eingang. Gemeint ist das nichtärzliche Personal in deutschen Krankenhäusern. Laut Ver.di-Ansprechpartner Ivo Garbe fehlen bundesweit 162 000 Stellen, allein 70 000 in der Pflege.

Der Pflegenotstand ist auch Auslöser des Briefes. „Das Personal muss sich am Bedarf der Patientinnen bemessen und nicht an der vollkommen unzureichenden Minimalversorgung, wie sie Jens Spahns Personaluntergrenzen vorsehen“, lautet die Kritik. Wie Ivo Garbe erklärt, orientiere sich diese Untergrenze an den 25 Prozent der am schlechtesten mit Personal ausgestatteten Krankenhäuser – nicht am tatsächlichen Bedarf.

Für Geriatrie und Unfallchirurgie bedeutet das eine Pflegekraft für zehn Patienten am Tag und eine für 20 in der Nacht. Bei der Kardiologie sei eine für zwölf am Tag und ebenfalls eine für 24 in der Nacht vorgesehen. Aus Gewerkschaftersicht habe, wer so etwas vorschlägt, keine Ahnung vom tatsächlichen Pflegebedarf oder nehme gefährliche Situationen und Überlastung der Beschäftigten billigend in Kauf.

Auch am Forßmann-Krankenhaus müsse sich laut Ver.di etwas tun. Wie eine Krankenschwester am Montag schilderte, würden die von Spahn vorgesehenen Maßstäbe in der Unfallchirurgie der Eberswalder Einrichtung noch nicht einmal erreicht. 46 Betten stünden dort zur Verfügung. Werden alle gebraucht, verteilen sich in der Nacht 46 Patienten auf zwei Kräfte.

Dabei sei gerade in der Unfallchirurgie viel los. „Zweistündliche Rundgänge, viele Pflegepatienten, postoperative Versorgung, Demente Patienten mit Weglauftendenz, Untersuchungen“, zählt die Schwester auf. Neben der Versorgung der Patienten komme dann auch Aktenarbeit auf den Nachtdienst zu. Zwei Kräfte seien zu wenig. Akute Krankheitsfälle ließen sich nicht mehr kompensieren. Auch für die Kardiologie hält die Mitarbeiterin die Untergrenze von 24 zu 1 in der Nacht für zu gering.

Der Brief an Jens Spahn wurde bereits von mehreren Hundert Beschäftigten, Patienten und Angehörigen in Kiel, Schleswig und Neuruppin unterschrieben und wandert nun von Eberswalde weiter nach Prenzlau. Er soll ihm am 5. Juni zur Gesundheitsministerkonferenz in Leipzig übergeben werden. Am Rande der Aktion kritisierte der Eberswalder Stadtverordnete Carsten Zinn (Unabhängiges Wählerbündnis Eberswalde), dass weitere Abgeordnete aus Stadt und Landkreis nicht anwesend waren.

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