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Mit Hölzchen und Stöckchen neue Welten entdecken

Kinder
Mit Hölzchen und Stöckchen neue Welten entdecken

Abenteuer Bewegung: Die Kinder der Kita „Gestiefelter Kater“ entdecken die neuen Kippelhölzer für sich.
Abenteuer Bewegung: Die Kinder der Kita „Gestiefelter Kater“ entdecken die neuen Kippelhölzer für sich. © Foto: Thomas Burckhardt
Susan Hasse / 06.02.2019, 06:45 Uhr - Aktualisiert 06.02.2019, 10:45
Eberswalde (MOZ) Barfuß, fragen die Kinder ungläubig. Ja, barfuß. Bitte auch die Socken ausziehen, fordert Bewegungspädagoge Michael Peter Fuchs von den 5-jährigen Schützlingen in der Kita „Gestiefelter Kater“. Insgesamt neun Kinder der Kita im Brandenburgischen Viertel dürfen zusammen mit ihm die neuen Hengstenberg-Spielgeräte ausprobieren.

Auf den ersten Blick wenig aufregend, handelt es sich doch um ein paar dutzend Holzsteine, Bretter und Stangen. Doch was mit ihnen alles angestellt werden kann, verblüfft sowohl Erzieher als auch Eltern und Kinder.

Nach den Ideen der Bewegungspädagogin Elfriede Hengstenberg wurden die Holzspielzeuge entwickelt. Schon vor 80 Jahren erkannte Hengstenberg, dass sich Kinder zu wenig bewegen und ihre Motorik zu wünschen übrig lässt. „Dieses Problem hat sich heute massiv verschärft“, weiß Pädagoge Fuchs zu berichten. Statt sich zu bewegen, werden Kinder gefahren und verbringen viel Zeit sitzend vor elektronischen Geräten. Das hemme die Entwicklung, ist er überzeugt. Zur vollständigen kognitiven und körperlichen Entwicklung gehört gute Motorik. „Es geht um die Sinneswahrnehmung“, so Fuchs. Die Kinder sollen sich und ihren Körper spüren. Dazu brauchen sie Bodenhaftung im wahrsten Sinne des Wortes. Deswegen wird barfuß gespielt.

„Kinder haben motorische Defizite“, weiß auch Katja Richter von der Unfallkasse Brandenburg zu berichten. Aus den Unfallzahlen ergebe sich ein bezeichnendes Bild. Kleine Blessuren gehören dazu, aber die großen Katastrophen gilt es zu vermeiden. Die Hengstenberg-Spielgeräte wurden von der Unfallkasse gesponsert. 2000 Euro kosten sie und stehen  der Kita ein Jahr kostenfrei zur Verfügung. Danach kann das Set auch abgekauft werden.„Kinder müssen wieder das Spielen lernen“, so Fuchs. Heutzutage würde ihnen zu  viel vorgegeben und zu wenig erlaubt. Dass daran etwas Wahres ist, zeigen auch die Vorführkinder der Kita. Zunächst etwas hilflos und fragend, wann das Spiel beginne, werden sie plötzlich kreativ: Sie entdecken in den leblosen Hölzchen Spazierstöcke, Hocker und Inseln. Binnen kürzester Zeit wird eine Felsenlandschaft aufgebaut, die es zu erobern gilt. Die Kinder balancieren, kippeln und wippen voller Tatendrang. „Spielen ist das Werkzeug der Kinder“, ist Fuchs überzeugt. Man muss sie nur lassen. In der Kita „Gestiefelter Kater“ sind rund 150 Kinder, angefangen vom Krabbelalter bis zum Hortkind. Sie alle sollen künftig mit den Hengstenberg-Utensilien spielen, so Dörte Schmidt, Leiterin der Einrichtung. Sichtlich Spaß haben die Kinder an den Spielgeräten. Als ein Junge zu kichern beginnt, wird er von einem anderen Kind ermahnt: „Wir sind hier nicht zum Spaß, sondern zum Balancieren“, sagt sie mit Pädagogenernst.

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