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Fischer und Angler aus dem Landkreis bestücken ihre Gewässer mit Glasaalen – ein Abstecher zum Brodowinsee

Glasaale
Vom Atlantik in den Barnim

Marco Marschall / 01.03.2019, 23:18 Uhr - Aktualisiert 02.03.2019, 16:37
Brodowin (MOZ) Kurz zuvor aus dem Atlantik gefischt, am Morgen in Tegel gelandet, geht es für Tausende von Glasaalen Stunden später in die Barnimer Seen und Kanäle. Auch Fischer Martin Latendorf ordert jedes Jahr Jungtiere – um sie später zu fangen, aber auch um den Aalnachwuchs zu sichern.

Behutsam gießt Martin Latendorf am Ufer etwas Wasser des Brodowinsees in den flachen Behälter, in dem sich Tausende Glasaale tummeln. Im Flugzeug und auf der Fahrt im Auto hatten sie es warm. Sie sollen keinen Kälteschock erleiden, wenn sie in die freie Natur des Barnims entlassen werden. Die drei Jahre alten Tiere haben eine weite Reise hinter sich. Geschlüpft sind sie in der Sargassosee vor Mittelamerika und haben den Atlantik bis zu den europäischen Küsten überquert. Vor Frankreich wurden sie aus dem Wasser geholt. Der Landesanglerverband hat allein zwei Millionen der Tiere für Brandenburg geordert. Die Angler aus dem Oberbarnim hatten vor Kurzem bereits 18 Kilo ausgesetzt. Diese mehr als 50 000 etwa sechs bis acht Zentimeter langen und 0,3 Gramm leichten durchsichtigen Fische schwimmen nun im Oder-Havel-Kanal, im Finowkanal, im Werbellinkanal sowie in Seen wie der Barschgrube in Finow oder dem Üdersee bei Finowfurt.

Auch Martin Latendorf bestückt einige der neun Seen, die er bewirtschaftet, jedes Jahr mit den Jungfischen. „Viele denken, wir machen das nur, um sie später herauszuziehen“, sagt der 49-Jährige, der die Brodowiner Fischerei seit fünf Jahren im Nebenerwerb betreibt. Von den 15 000 Tieren, die er aussetzt, fängt er im Jahr etwa 800.

Mit sieben bis acht Jahren erreichen sie eine Länge von 70 Zentimetern und landen in den Reusen. Alle anderen, die bis dahin überlebt haben, können sich auf die große Reise begeben – anders als in sogenannten Aalfarmen, wo die Fische aufgepäppelt und „geerntet“ werden. Wie Martin Latendorf kürzlich erfahren hat, seien von den 150 Tonnen Glasaal, die im vergangenen Jahr aus dem Salzwasser geholt wurden, nur 50 Tonnen ausgesetzt worden. 100 Tonnen gingen an Zuchtbetriebe – ohne Chance auf Vermehrung.

„Mit zehn fangen sie an zu suchen“, erklärt der Fischer. Mancher wird auch die Öffnung im 45 Hektar großen Brodowinsee finden. Dieser entwässert in den Parsteinsee. Der wiederum hat einen Zugang zum Weißen See, der mit dem Oder-Havel-Kanal verbunden ist – das Tor zur Welt. Ein Zurück gibt es nicht mehr. Nach dem Laichen im Salzwasser sterben die Aale. Nur ihre Nachfahren könnten wieder im Barnim landen. Vorausgesetzt sie werden ebenfalls vor Frankreich gefangen. Eine natürliche Zuwanderung in die Binnengewässer wird laut Landesanglerverband aufgrund zahlreicher Querverbauungen der Flüsse sehr erschwert.

Dabei bietet ihnen der krebsreiche Brodowinsee beste Nahrung. Vor Fressfeinden wie Barsch und Hecht können sich die Fische im Kraut gut verstecken. Im ausgewachsenen Alter haben es auch andere auf sie abgesehen. „Was uns zu schaffen macht, sind Kormoran und Fischotter“, sagt Martin Latendorf. Die Biosphäre habe eben auch ihre Nachteile. Die Erträge gingen stetig zurück.

Trotzdem lohnt sich gerade der Aalbesatz auch für den Brodowiner Fischer. Mit einem Kilopreis von weniger als 300 Euro waren die Glasaale diesmal vergleichsweise günstig. Hinzukommt, dass ihr Ankauf zu 70 Prozent vom Land gefördert wird. Und wann landet Aal auf dem Teller?

„Wenn es warm bleibt, gehen die Fänge in 14 Tagen los“, sagt Martin Latendorf. Jeden Freitagnachmittag ist in Brodowin Fischverkauf. Dann geht das Kilo Räucheraal für 39 Euro über den Tisch, ungeräuchert für 19 Euro. Aal und Zander sind für den Binnenfischer die wichtigsten Wirtschaftsfische. „Räucheraal geht immer“, sagt Latendorf. In Asien gelten auch die Glasaale als Delikatesse.

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