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Hobbyfotograf Andreas Mroß besucht nach 35 Jahren Vu Kim Khoa in Vietnam / Im Walzwerk Finow lernen sich beide kennen

Fotografie
Wiedersehen in Hanoi

Thomas Burckhardt / 04.03.2019, 06:15 Uhr
Eberswalde (MOZ) Gut Ding will Weile haben: Lange hat der Hobbyfotograf Andreas Mroß damit gehadert, ob er eine außergewöhnliche Reise antreten soll. Bis auf einen Moskaubesuch hatte er Europa nie verlassen. Dann überredete ihn ein Freund und Mroß machte sich allein auf den Weg nach Vietnam.

Im November letzten Jahres ist es soweit. Andreas Mroß, der seinen Urlaub sonst oft mit Ehefrau Hannelore am Gardasee verbringt, steigt in ein russisches Flugzeug und fliegt mit Zwischenstopp in Moskau in das weit entfernte Vietnam. Eine der üblichen Touristenpauschalreisen ist es jedoch nicht. „Schon vor vielen Jahren hatte ich die Einladung eines vietnamesischen Freundes erhalten. Doch ich brauchte ziemlich lange, um mich zu überwinden. Meiner Frau war es zu abenteuerlich“, verrät er.

Im Jahr 1980 kommt Vu Kim Khoa im Alter von 22 Jahren als einer von vielen Vietnamesen als Gastarbeiter nach Eberswalde. Vier Jahre lernt er in der Rohrproduktion des Finower Walzwerks.  In seiner Freizeit sucht er den Kontakt zum Fotozirkel des Betriebs. „Hier lernten wir uns kennen“, erinnert sich An-dreas Mroß, der den Klub in jener Zeit leitete. „Er war sehr wissbegierig und lernte schnell die Grundlagen der Fotografie. Seine Abreise erfolgte dann aber sehr kurzfristig.“

Doch der Kontakt zwischen den beiden Fotoenthusiasten blieb. In den 1980er-Jahren kommunizierten sie per Luftpost, ab Ende der 90er viel einfacher per E-Mail. „Das war natürlich super. So konnten wir uns Fotos viel schneller und dazu noch kostenlos zuschicken“, sagt Mroß. Vor vier Jahren organisiert er im Eberswalder Kulturbund eine Ausstellung mit Fotos seines Freundes, der leider nicht dabei sein kann. Landschaftsbilder schaffen es sogar in die Barnack Biennale, einem renommierten internationalen Fotowettbewerb. „Vu Kim, in der Fotoszene Vietnams inzwischen recht bekannt, war sehr dankbar dafür, dass er Fotos aus seiner Heimat auch in Deutschland zeigen konnte“, erzählt Mroß.

Im November 2018 ist es dann endlich soweit. Nach 35 Jahren sehen sich die beiden Freunde in Hanoi wieder. Mit großer Herzlichkeit wird der 75-jährige Mroß in der Familie  aufgenommen, die eine Autostunde nördlich von Hanoi ein Haus besitzt. Vu Kims Deutschkenntnisse reichen aus, um über alltägliche Dinge zu reden. Bei  sozial-politischen  Themen, die den früheren Gewerkschafter Mroß sehr interessieren,  stößt die Verständigung an Grenzen. Der inzwischen 60-jährige Rentner, der nach seiner Rückkehr aus Deutschland ein Studium zum Wirtschaftsingenieur absolvierte, hat einen detaillierten Reiseplan ausgearbeitet. Das 1993 von ihm eröffnete Fotostudio, führt inzwischen sein Sohn weiter. Touristische Attraktionen, Besuche bei Familienmitgliedern und Fotografen bestimmen ab sofort den Tagesablauf der beiden. Mroß erhält intime Einblicke in den Alltag  vietnamesischer Familien, die Pauschaltouristen verwehrt bleiben.

Sie besuchen das bekannte Bergstädtchen Sapa und den Fansipan, Vietnams höchsten Berg. Im Ba Be Nationalpark erlebt er in den riesigen Grotten unvergessliche Momente. Mroß ist beeindruckt von der Mentalität der Menschen, die höflich und respektvoll miteinander umgehen. Mit seiner Kamera kommt er den Menschen ganz nah. Porträtaufnahmen gelingen deutlich einfacher als in Deutschland. Mit kleinen Gesten nimmt er Kontakt zu den Fotografierten auf.  Nur ein einziges Mal wird seinem Wunsch nicht entsprochen.  Die Kameras der beiden Freunde klicken auch bei ihrer Ankunft in der berühmten Halong-Bucht um die Wette. Den berührenden Dokumentarfilm „Farewell Halong“ über die Bewohner der schwimmenden Dörfer ließ sichAndreas Mroß auf dem Eberswalder Filmfest im Oktober nicht entgehen. Nun kann er die einzigartigen Dörfer auf dem Meer selbst hautnah erleben.

Mehr als 3000 Fotos hat Mroß von seiner Reise mit nach Hause gebracht. Einige davon hat er seit letzter Woche in den Räumen des  Eberswalder Kulturbundes ausgestellt. Vor seinen Fotoklub-Freunden  erzählt er von seiner Reise. Die projezierten Bilder huschen so schnell über die Leinwand, dass seine Erläuterungen nicht folgen können.  Er hat zu viele Fotos ausgewählt. Seine Freunde verstehen ihn. Es war die   aufregendste Reise seines Lebens.

Öffnungszeiten der Ausstellung unter www.eberswalderkulturbund.de

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