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Entsetzen über Einsatz der Motorsäge an Finower Straßen reißt nicht ab / Stadtverwaltung prüft Vorschlag zur Neupflanzung

Eberswalde
Baudezernentin lädt Kritiker zur Baumschau ein

Radikaler Baumschnitt für Finow: So sieht es nach dem Einsatz der Motorsäge in der Poststraße aus.
Radikaler Baumschnitt für Finow: So sieht es nach dem Einsatz der Motorsäge in der Poststraße aus. © Foto: Thomas Burckhardt
Sven Klamann / 14.03.2019, 20:25 Uhr
Eberswalde (MOZ) Das Entsetzen über Ausmaß und Art und Weise der Baumpflegearbeiten in Finow ist unverändert groß. Eberswaldes Baudezernentin Anne Fellner hat den Kritikern des Motorsägen-Einsatzes jetzt für deren streitbares Engagement fürs Stadtgrün  bedankt und ihnen eine konstruktive Zusammenarbeit angeboten. "Ich werde meinen Kollegen vorschlagen, dass sie bei der nächsten Baumschau, die für die verbleibenden Straßen im Stadtteil ansteht, die interessierte Fachöffentlichkeit einbeziehen", schreibt sie in einer Mail an mehrere Beschwerdeführer.

Ihre Antwort ist eine Reaktion auf den Vorschlag des Schorfheider Gemeindevertreters Andreas Steiner der zuvor viele Jahre lang in der Eberswalder Stadtpolitik aktiv war und jetzt angemerkt hat, dass es vielleicht sinnvoller gewesen wäre, lieber alle betroffenen Kopfbäume komplett abzusägen und stattdessen neue Bäume zu pflanzen. "Diese Stummel erfüllen weder einen ökologischen noch einen ästhetischen Zweck", hatte es in seiner Mail geheißen. Dafür würden die verstümmelten Kastanien, Ahorne und Co. einen erhöhten Pflegeaufwand haben, weil sie immer wieder beschnitten werden müssten.

"Ihre Anregung sollte zumindest in Ruhe bedacht und abgewogen werden", findet Anne Fellner. Ob eine Neupflanzung besser sei, sollte vor Ort und mit den Fachleuten geprüft werden. Das Problem, das die Stadt heute hätte, reiche tief in die DDR-Zeiten zurück, als die Bäume erstmals und unglücklich auf Kopf geschnitten wurden, um die Freileitungen zu schützen. "Heute haben wir mit diesem Erbe umzugehen und tatsächlich zu einer guten Balance zwischen Stadtgrün und Verkehrssicherheitspflicht zu kommen", betont die Baudezernentin. Dieser Auftrag würde von ihren Kollegen mit aller Ernsthaftigkeit wahrgenommen. "Deshalb haben wir gut ausgebildete junge Leute von der Eberswalder Hochschule bei uns eingestellt, die sich dieser Aufgabe stellen – mit Verantwortung für das Stadtgrün und die Menschen", schreibt Anne Fellner in ihrer Mail an Andreas Steiner sowie an Bernd Pomraenke und Günter Riedel, die mit ihrem Protest gegen den "Finower Baufrevel" an die Öffentlichkeit gegangen waren.

Zuletzt hatte Andreas Steiner bedauert, dass es keine gesetzliche Handhabe gegen solch radikale Baumpflegearbeiten gebe, solange die Verantwortlichen argumentieren, sie würden aus Gründen der Verkehrssicherheitspflicht handeln. "Solange nicht mindestens 30 Prozent der Bürger genauso laut protestieren wie wir, passiert gar nichts und die lachen sich kaputt, wie wehrlos wir erscheinen", heißt es in seiner Wortmeldung, die "Mit traurigen Grüßen" endet.

Die Baudezernent versichert ihm, dass sich über diesen Konflikt niemand totlache.

Im Februar war an mehreren Finower Straßen die Motorsäge zum Einsatz gekommen. (sk)

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