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An der Heegermühler Schleuse ist Muskelkraft gefragt. In einem Projekt des Finowkanal-Vereins lernen Schüler den Umgang mit der historischen Technik.

Junior-Schleusenmeister
Einmal die Wanne voll

Legt sich ins Zeug: Emil Hiekel (r.) kurbelt, um das Tor an der Heegermühler Schleuse aufzubekommen. Schleusen-Mitarbeiter Waldemar Kostiuczuk erklärt die historische Technik.
Legt sich ins Zeug: Emil Hiekel (r.) kurbelt, um das Tor an der Heegermühler Schleuse aufzubekommen. Schleusen-Mitarbeiter Waldemar Kostiuczuk erklärt die historische Technik. © Foto: Ellen Werner
Ellen Werner / 13.04.2019, 06:45 Uhr
Heegermühle (MOZ) Wenn man am Rand des Schleusenbeckens steht, sieht man: Hier geht es tief hinab. Einen Höhenunterschied von zwei Metern und 60 Zentimetern haben Wasserwanderer an der Heegermühler Schleuse zu überwinden.

"Ist da schon mal jemand reingefallen?", will ein Mädchen von Waldemar Kostiuczuk wissen. Selten, aber vorgekommen sei das schon, antwortet der Schleusenbetriebsleiter von der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft Region Finowkanal (KAG), die zehn der zwölf historischen Finowkanalschleusen betreut. Vor allem für Kanuten könne der Ein- und Ausstieg bei einer Schleusung  schon mal schwierig sein.

Kostiuczuk hat auch eine Frage an die Mädchen und Jungen von der 5c, die an diesem Vormittag den Unterricht in Gesellschaftskunde statt im Klassenraum auf dem Gelände der 1876 erbauten Anlage verbringen. "Was schätzt ihr, wie viel Wasser in so einem Schleusenbecken drin ist?", will er wissen. Die Kinder sehen ihn erwartungsvoll an. "1,5 Millionen Liter Wasser hat die volle Badewanne", erklärt der Schleusenbetriebschef. "Bei einer normalen Badewanne sind es 100 Liter", liefert er den Vergleich.

Mit auf dem Gelände ist an dem Tag auch Hartmut Ginnow-Merkert, der Vorsitzende des Vereins Unser Finowkanal. "Die Kinder sind so interessiert, das ist ganz toll", begeistert er sich. "Wir müssen ja die nächste Generation mit anbinden." Ginnow-Merkert ist es auch, der die Schüler an die Schleuse gebracht hat, um sie symbolisch zu Junior-Schleusenwärtern ausbilden zu lassen. "Entstanden ist das aus einem Schulprojekt, das wir ausgelobt haben", erläutert er.

"Was wünscht ihr euch, damit der Finowkanal auch für Kinder interessant ist?", will der Verein mit dem Wettbewerb in Erfahrung bringen, an dem sich außer der Grundschule Finow auch Klassen vom Humboldt-Gymnasium beteiligen. Zum Einstieg hielt Ginnow-Merkert an beiden Schulen Vorträge über den Finowkanal, für den im kommenden Jahr das 400-jährige Jubiläum der durchgängigen Erstbefahrung ansteht. Inzwischen sind die Mädchen und Jungen in der Gestaltungsphase.

Viele wünschen sich eine Badestelle, hat der Vereinschef schon herausgehört. An der Grundschule Finow gebe es bei einigen Schülern auch die Idee, sich in einem Kletter-Wasser-Park ganzjährig an der ältesten künstlichen Wasserstraße Deutschlands, die noch befahrbar ist, austoben zu können, berichtet Kevin Wu. Der 20-Jährige ist als Bufdi, also im Bundesfreiwilligendienst, an der Schule tätig, einer der Begleiter der Kindergruppe und demnächst auch dabei, wenn die Schüler ihre Vorschläge in Bildern, Modellen und einem Spiel umsetzen.

Handwerk wie vor 400 Jahren

Über die besten Arbeiten werde etwa eine Woche vor dem Hafenfest, das der Finowkanal-Verein am 18. Mai zum fünften Mal ausrichtet, eine Jury entscheiden, sagt Hartmut Ginnow-Merkert. Eine Finowkanal-Fahrt auf dem Biberfloß sei der Preis für die ersten und zweiten Sieger.

An der Schleuse lernen die Fünftklässler vorher unter anderem noch, wie die Schleusentore noch wie vor 400 Jahren per Handkurbel bedient werden. Einmal leeren und einmal füllen sie die 1,5-Millionen-Liter-Wanne. Am Ende erhalten alle ein Zertifikat als "Junior-Schleusenmeister" – gedruckt auf Büttenpapier aus der einst am Finowkanal aktiven Papierfabrik Wolfswinkel.

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