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Vorwürfe
Streit nach Rettungseinsatz

Notarzt im Einsatz: Wo Erste Hilfe gebraucht wird, muss es nicht nur auf der Straße schnell gehen. Auch bei den Einsätzen selbst ist Tempo gefragt. Da kann es dann auch schon einmal bei der Kommunikation klemmen.
Notarzt im Einsatz: Wo Erste Hilfe gebraucht wird, muss es nicht nur auf der Straße schnell gehen. Auch bei den Einsätzen selbst ist Tempo gefragt. Da kann es dann auch schon einmal bei der Kommunikation klemmen. © Foto: Stephan Jansen/dpa
Sven Klamann / 15.05.2019, 06:30 Uhr - Aktualisiert 15.05.2019, 14:53
Eberswalde (MOZ) Als wäre es erst gestern geschehen, hat Peter Lawrenz (71) das Bild noch immer frisch vor den Augen: Eine junge Frau, eher ein Mädchen noch, liegt an der untersten Treppenstufe des Einkaufszentrums am Kleinen Stern. Sie ist kaum bekleidet und wirkt orientierungslos. Dem siebenfachen Familienvater ist sofort klar, dass die schutzbedürftige Kleine Hilfe braucht. Er wählt kurzentschlossen den Notruf.

Dies ist dem Rentner am 4. Juni vorigen Jahres zwischen 21.15 und 21.30 Uhr passiert. An den Tag und an die Uhrzeit kann er sich auch deshalb gut erinnern, weil er da gerade ein für ihn enttäuschendes Klassentreffen verlassen hatte, um sich schnell noch etwas fürs späte Abendbrot zu kaufen. Aus der Mahlzeit aber wurde dann nichts mehr.

"Die Rettungssanitäter sind schnell eingetroffen. Doch anstatt sich beide im Wagen befindlichen Kräfte sofort mit aller Kraft um das Mädchen kümmerten, hatte einer nichts Besseres zu tun, als mich buchstäblich ins Verhör zu nehmen und mich wie einen Schuljungen abzukanzeln", empört sich Peter Lawrenz. Seine Enttäuschung und seine Wut darüber ist neu entfacht worden, als er jüngst Post von der Staatsanwaltschaft bekam.

Die Behörde mit Sitz in Frankfurt (Oder) teilt ihm in dem zweiseitigen Schreiben mit, dass sie das Verfahren wegen des Verdachts der Körperverletzung und des Verdachts der unterlassenen Hilfeleistung, das der Rentner mit seiner Strafanzeige gegen einen der beiden Rettungssanitäter, auf den Weg gebracht hatte, eingestellt habe. Die Ermittlungen hätten ergeben, dass der Beschuldigte den Rettungseinsatz gemeinsam mit einem Kollegen durchgeführt habe. Während sich der Kollege um die Geschädigte kümmerte, habe der Beschuldigte das Protokoll geschrieben und die persönlichen Sachen der Geschädigten zusammengesucht. Die Geschädigte sei offensichtlich nicht verletzt oder bewusstlos gewesen, heißt es im Brief der Staatsanwaltschaft.

"Ich hatte gehofft, dass sich die Rettungssanitäter für meinen Einsatz bedanken. Schließlich habe ich versucht, einem Menschen in Not zu helfen. Stattdessen wurde ich beschimpft. Und die Staatsanwaltschaft findet dies auch noch in Ordnung", ärgert sich der Rentner, der ankündigt, sich das nächste Mal genau zu überlegen, ob er anderen helfen werde.

"Es war nichts Dramatisches", versichert Claudius Kacmarek, seit Anfang Februar Geschäftsführer der kreiseigenen Rettungsdienst Barnim GmbH, nach einem Blick in die Aufzeichnung und Gesprächen mit den beteiligten Kollegen. Die Staatsanwaltschaft habe deren korrektes Handeln vollumfänglich bestätigt. "Dennoch tut es mir leid, dass es offensichtlich ein Kommunikationsproblem gegeben hat", sagt Claudius Kaczmarek. Es sei auf jeden Fall anerkennenswert, Verletzten beizustehen. Es sei aber auch eine Bürgerpflicht.

Jede Kritik an Rettungseinsätzen werde intern und nach Möglichkeit auch mit den Beschwerdeführern ausgewertet. Dies gehöre zum Qualitätsmanagement, betont der Geschäftsführer.

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