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Einzelhandel
Eberswalde-GmbH als Ziel

Barnims Kreisstadt von oben: Auf dem Luftbild zeigt sich, wie grün Eberswalde ist. Marketing-Experten könnten helfen, weitere Vorzüge herauszustellen.
Barnims Kreisstadt von oben: Auf dem Luftbild zeigt sich, wie grün Eberswalde ist. Marketing-Experten könnten helfen, weitere Vorzüge herauszustellen. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Sven Klamann / 16.05.2019, 06:00 Uhr
Eberswalde (MOZ) Es sei den 104 Mitgliedern des Stadtverbandes klar, dass sie mit ihrer bereits Ende Februar zum Beschluss erhobenen Idee kein absolutes Neuland betreten würden, betont Eberswaldes CDU-Vorsitzender Danko Jur. Vergleichbare Gesellschaften, die erfolgreich arbeiten, gebe es zum Beispiel in Bernau und Neuruppin, ergänzt Uwe Grohs, der in der am 26. Mai zu Ende gehenden Wahlperiode die siebenköpfige CDU-Fraktion im Stadtparlament führt. Und natürlich sei es Kalkül, sich mit dem Vorschlag, auch für Eberswalde eine Stadtmarketing GmbH zu gründen, kurz vor dem Urnengang öffentlich zu Wort zu melden, räumen die beiden Kommunalpolitiker ein. "Wir machen Wahlkampf mit konkreten Vorschlägen, nicht nur mit Plakaten", sagt Danko Jur. Alle politischen Mitbewerber seien eingeladen, das Thema auch zu ihrem zu machen, hebt Uwe Grohs hervor.

Förderrichtlinie greift kaum

In Eberswalde verstummt der Ruf nach einem Citymanager nie so ganz. Vor allem die Einzelhändler fordern bei ihren Bemühungen, der Konkurrenz auf der grünen Wiese und durch den Onlinehandel entgegenzuwirken, immer wieder aufs Neue Unterstützung ein. Der Citymanager könnte helfen, das Einkaufserlebnis Eberswalde zu einer zugkräftigen Marke zu entwickeln und zum Beispiel das bei der Kundschaft beliebte, aber aufwändig vorzubereitende Mitternachtsshopping zu organisieren. Mehrere Versuche, einen Citymanager zu installieren, sind an der fehlenden Nachhaltigkeit gescheitert: Sobald der Geldfluss über Fördermittel versiegt war, hatte das Projekt keine Chance mehr und wurde eingestellt. Und der im Dezember 2016 ebenfalls von der CDU initiierte Vorstoß, die Stadt möge 30 000 Euro bereitstellen, um einen Citymanager zu installieren, wurde auf Vorschlag der Rathausspitze und per Mehrheitsbeschluss des Stadtparlaments umgelenkt und damit nahezu zum Rohrkrepierer. Seither gibt es in Eberswalde eine Förderrichtline für den Einzelhandel, in der jährlich 30 000 Euro zur Verfügung stehen, die allerdings noch nie vollständig in Anspruch genommen wurden.

"Die Förderrichtlinie ist mit enormen Einsatz und Aufwand durch die Stadtverwaltung aus dem Boden gestampft worden, scheint uns aber auf Dauer nicht das richtige Instrument zu sein", erklärt Uwe Grohs.

Dagegen wäre eine Marketing GmbH bestens geeignet, gegen die Verödung der Innenstadt vorzugehen, urteilt Danko Jur. Deren Aufgabe wäre es, die einzelnen Interessen der Einzelhändler zu bündeln und Aktionen und Veranstaltungen wie das Mitternachtsshopping zu koordinieren. Unter dem Dach der GmbH könnte sich eine Werbegemeinschaft der Einzelhändler etablieren.

Stadt soll Mehrheit behalten

Nach den Vorstellungen der CDU soll die Marketing GmbH nicht direkt in die Verwaltungsstruktur des Rathauses eingebunden werden. Vielmehr sei gewünscht, dass sich mehrere Anteilseigner beteiligen. Hauptgesellschafter soll die Stadt mit mindestens 51 Prozent sein. "Darüber hinaus sollen Unternehmen, die sich besonders stark in der Kommune engagieren, als Gesellschafter gewonnen werden", teilt Danko Jur mit. Dazu würden Energieversorger, Finanzinstitute, Wohnungsgesellschaften, Bildungsträger ... "Mit diesem Konstrukt ließe sich die Stadt nicht nur finanziell entlasten, sondern auch Fachkompetenz hinzugewinnen", findet Uwe Grohs.

Die konkreten Schritte zur Gründung  sollen zeitnah nach der Kommunalwahl in Angriff genommen werden. Dies wäre eine wichtige Aufgabe fürs neue Parlament, heißt es bei der CDU.

Wie es anderswo mit dem Stadtmarketing läuft

Die Stadtmarketing GmbH wäre nicht die einzige Gesellschaft, an der die Stadt Eberswalde beteiligt ist. Zu 100 Prozent gehören ihr die Technischen Werke Eberswalde GmbH und die Wohnungsbau-und Hausverwaltungs GmbH. Minderheitsanteile hält die Stadt Eberswalde an der Barnimer Busgesellschaft, an der Gesellschaft für Leben und Gesundheitund an der Wirtschafts- und Tourismusentwicklungs GmbH des Landkreises Barnim.

In Bernau gibt es seit 2009 die BeSt Bernauer Stadtmarketing GmbH, eine Eigengesellschaft der Stadt Bernau, die sich nach eigenen Angaben für die Profilierung und Vermarktung von Image und Identität verantwortlich fühlt. Dazu arbeitet das Unternehmen gemeinsam mit städtischen Akteuren zusammen und realisiert Maßnahmen des in einem Konzept festgelegten operativen und strategischen Marketings.

In Neuruppin kümmert sich die InKom Gesellschaft für kommunale Dienstleistungen GmbH ums Stadtmarketing. Die Kommune, die Stadtwerke Neurupppin GmbH und die Neuruppiner Wohnungsbaugesellschaft GmbH halten je 33,3 Prozent der Anteile an dem Unternehmen.⇥sk

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