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Nicht jeder Anruf unter 112 ist ein Notfall. 5 000 Mal mussten die Retter ausrücken, obwohl es auch ein Besuch beim Hausarzt getan hätte.

Rettung
Entlastung für den Notruf

Manchmal kommt es auf Sekunden an: In der Regionalleitstelle Nordost entscheiden Mitarbeiter wie Christof Schikarski über Hilfe, die Anrufer unter der Notfallnummer bekommen. Oft jedoch müssen Rettungswagen unnötigerweise rausfahren.
Manchmal kommt es auf Sekunden an: In der Regionalleitstelle Nordost entscheiden Mitarbeiter wie Christof Schikarski über Hilfe, die Anrufer unter der Notfallnummer bekommen. Oft jedoch müssen Rettungswagen unnötigerweise rausfahren. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Ellen Werner / 24.05.2019, 07:00 Uhr
Eberswalde (MOZ) Jeder fünfte Einsatz von Rettungswagen ist kein Notfall. Fast 5000 Mal musste die Regionalleitstelle Nordost im vergangenen Jahr den Rettungsdienst zu Patienten schicken, für die es auch der Bereitschafts- oder der Hausarzt getan hätte.

"Das ist die aktuelle Zahl", sagt Barnims Landrat Daniel Kurth (SPD). Und die stimme nicht nur sorgenvoll, weil die Inanspruchnahme der teuren medizinischen Hilfe eine finanzielle Unwucht zur Folge habe. "Noch viel schlimmer ist, dass dieses Rettungsmittel dann nicht mehr für den echten Notfall zur Verfügung steht."

Für Entlastung der Notfallrettung, die von Eberswalde aus für die Kreise Barnim, Oberhavel und Uckermark koordiniert wird, soll künftig aber eine Telefon-Schnittstelle zwischen Leitstelle und dem Ärztlichen Bereitschaftsdienst sorgen. Dafür haben der Landkreis Barnim und die für den Bereitschaftsdienst zuständige Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg (KVBB) am Donnerstag eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet.

Unabhängig davon, ob Patienten den Notruf oder die bundesweit gültige Bereitschaftsnummer 116117 wählen, sollen sie nun mit einem einzigen Anruf die Hilfe bekommen, die medizinisch notwendig ist. Unter der Bereitschaftsnummer entscheidet darüber die Koordinierungsstelle der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB); unter dem Notruf die Leitstelle. Je nach Beschwerden werden Auskünfte erteilt, an die nächste Bereitschaftspraxis verwiesen – oder der Rettungsdienst geschickt.

Seit sieben Jahren ist der Bereitschaftsdienst in Brandenburg flächendeckend erreichbar. "Nach unserer Wahrnehmung ist die Nummer aber nicht wirklich bekannt", sagt Leitstellen-Chef Sven Kobelt. Bisher seien Patienten, die unter 112 falsch waren, aufgefordert worden, sich dorthin zu wenden. "Wir stellen aber immer wieder fest, dass es gerade für Ältere schwierig ist, das anzunehmen", so Kobelt.

Erfahrungen mit einer solchen Telefon-Schnittstelle gibt es bislang für die Regionalleitstelle Lausitz. Die zeigen laut KVBB-Vorstand Andreas Schwark, dass die 112 von Auskunftsanfragen und ambulanten Behandlungsfällen entlastet werde. Maximal jeder zehnte Anruf werde an den Notruf durchgestellt.

Eberswalde ist nun die zweite Leitstelle mit dem gemeinsamen System – bereits am Abend sollte es starten. Durchgängig erreichbar ist das KVBB-Servicecenter bisher aber noch nicht. Das soll erst 2020 der Fall sein.

Notruf oder Bereitschaftsdienst?

Die Kassenärztliche Vereinigung und der Landkreis Barnim wollen den Ärztlichen Bereitschaftsdienst bekannter machen. Richtig ist man bei dem Dienst, wenn es um Beschwerden geht, mit denen man zu üblichen Sprechzeiten in eine Praxis gehen würde, steht auf ihren Plakaten. 116117 lautet die Nummer bundesweit. Der Notruf hingegen ist für lebensbedrohliche Notfälle vorgesehen.⇥wer

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