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Tischtennis
Gefeiert bis in den Morgen

Meister von 1987: Manfred Ullrich, Siegmar Bessert, Horst Nießner (h. v.. l.), Bernhard Thiel, Siegfried Lemke, Fritz Huhn (v. v. l.)
Meister von 1987: Manfred Ullrich, Siegmar Bessert, Horst Nießner (h. v.. l.), Bernhard Thiel, Siegfried Lemke, Fritz Huhn (v. v. l.) © Foto: privat
Siegmar Bessert / 08.06.2019, 05:45 Uhr
Eberswalde Als Ende der 60er-Jahre Siegfried Lemke, Wolfgang Vater, Heinz Amft (alle SC Lok Leipzig) und wenig später der Thüringer Hans-Jürgen Ries (SC Motor Jena) nach Finow kamen, spielte sich Stahl schnell in die DDR-Spitze. Nach mehrfachem Anlauf gelang 1976 der erste DDR-Meistertitel. Vor 30 Jahren wurde 1989 die sechste und letzte Meisterschaft geholt, die fünfte allein in den 80er-Jahren.

Über 440 Zuschauer in der Heinz-Seeger-Halle, dem ehemaligen Finower Rathaussaal, feierten ihre Mannschaft bis in die frühen Morgenstunden. Es war ein echtes Endspiel gegen das Sextett der BSG Elektronik Gornsdorf aus dem Erzgebirge. Gornsdorf, seit den 70er-Jahren in der Oberliga, mit seinen rund 1800 Einwohnern hatte mit Wolfgang Stein und Dieter Stöckel zwei ehemalige Nationalspieler im Aufgebot.

Die Finower mit Bernhard Thiel, Holm Kirsten, Siegfried Lemke, Siegmar Bessert, Horst Nießner und Erik Kirsten waren bis in die Haarspitzen motiviert, benötigten unbedingt einen Sieg, um Gornsdorf auf der Zielgeraden den Titel aus den Händen zu nehmen. Das Hinspiel hatten die Finower im vollbesetzten Gornsdorfer Volkshaus 9:11 verloren. Lange vor Spielbeginn warteten die Finower Fans im Rückspiel auf Einlass. Wer im Vorverkauf keine Eintrittskarte erworben hatte, kam nicht mehr hinein. Von Beginn an steuerten die Finower auf den Sieg und den Titel zu.

Heiße Atmosphäre im Finale

Zwischenzeitlich mussten die Fans ihren Platz verlassen, denn die Luftfeuchtigkeit war nach zwei Stunden hoch, es musste die Spielstätte gelüftet werden. Die Erzgebirgler wehrten sich nach Kräften, doch am Ende feierten die Finower nach 280 Minuten einen 11:6-Erfolg und den insgesamt sechsten Meistertitel. Weithin über den nahen Finowkanal waren die Gesänge und die lautstarke Musik zu hören. Ein Jahr später holte sich Gornsdorf den letzten Titel in der DDR-Geschichte, Finow gewann da den insgesamt 13. Vizemeistertitel.

Auch bei DDR-Einzelmeisterschaften holten die Finower zahlreiche Medaillen und waren mit dem Team mehrmals DDR-Pokalsieger. Heute, 30 Jahre später, backen beide Vereine kleinere Brötchen. Nach Regionalliga und zweiter Bundesliga, stiegen die Finower in diesem Jahr als eine der dienstältesten Teams der Verbandsoberliga Ost (6. Liga) in die Verbandsliga vom TTV Brandenburg ab. Die Gornsdorfer retteten vor wenigen Tagen über Relegationsspiele die Zugehörigkeit zur Oberliga Mitte (5. Liga).

An allen sechs Titeln der Finower waren Lemke, Bessert und Nießner (beide Finower Eigengewächse) beteiligt. Auch die waschechten Finower Holm und Erik Kirsten waren bei vier Titeln im Teamaufgebot. Während "Egon" Lemke heute noch in der 1. Landesklasse des TTVB und bei nationalen und internationalen Seniorenmeisterschaften erfolgreich im Einsatz ist, sind Bessert und Nießner aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr aktiv, aber als Fans zu den Spielen der Finower dabei.

Die Brüder Kirsten gehören noch zum Team des heutigen TTC Finow I. DDR-Rekordmeister ist übrigens die BSG Außenhandel Berlin (vorher TSC Berlin) mit zwölf Titeln zwischen den Spielzeiten von 1969/70 und 1981/82. Zurzeit spielen die Hauptstädter beim Nachfolgeverein "eastside berlin" unterklassig auf Berliner Ebene.

Der Stellenwert der Randsportarten ist nicht mehr so groß, andere Interessen sind nach der Wende in den Vordergrund gerückt. Das fehlende Geld bei Vereinen spielt auch eine Rolle, denn will man höherklassig agieren, wollen starke Spieler bezahlt werden. So müssen heute viele ehemalige Spitzenvereine verschiedener Sportarten kleinere Brötchen backen oder sind gänzlich verschwunden.

Die DDR-Meistertitelvon Stahl Finow

Meisterjahre: 1975/76, 1982/83, 1983/84, 1986/87, 1987/88,1988/89

Mit dabei waren: Siegmar Bessert, Horst Nießner und Siegfried Lemke (alle 6-mal), Holm Kirsten und Erik Kirsten (4), Bernhard Thiel und Jürgen Ries (3), Fritz Huhn, Wolfgang Ullrich, Heinz Amft und Ersatzmann Dieter Rauchstädt (1)

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